Sie arbeitet an Weihnachten: Zu Besuch bei der Steinerin Pfarrerin Dagmar Bertram
Seit 24 Jahren predigt Dagmar Betram in deutschen und Schweizer Kirchen. Seit Mai ist sie die neue Pfarrerin von Stein am Rhein. Für dieses Weihnachtstürchen wollten wir herausfinden, wie sie sich auf ihren ersten Weihnachtsgottesdienst in ihrer neuen Gemeinde vorbereitet.
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Diverse Berufsstände sind auch an Heiligabend und Weihnachten im Einsatz: Ärztinnen und Pfleger, Buschauffeure oder Polizisten sind nur einige Beispiele von Menschen, deren Dienste auch während der Feiertage in Anspruch genommen werden. Die meisten von ihnen werden ihre Arbeit an diesen Tagen wohl mit unterschiedlichen Massen von Begeisterung absolvieren, mindestens eine Frau gibt es allerdings, die sich darauf freut: die neue Pfarrerin von Stein am Rhein, Dagmar Betram. «Ich arbeite gerne an Weihnachten», sagt sie von sich selbst.
Im Mai 2025 hat sie das Amt als Pfarrerin in Stein am Rhein übernommen und ist hierhergezogen, nachdem sie drei Jahre in Scuol, Graubünden, tätig war. Aktuell befindet sie sich mitten in den Vorbereitungen für ihren ersten Steiner Weihnachtsgottesdienst. Mit dem Schreiben der Predigt hatte sie beim Gesprächstermin mit den SN noch nicht begonnen. «Ich kann erst anfangen, wenn ich alle Fäden in der Hand halte», also Bescheid weiss über alle Events, die noch parallel zum Weihnachtsgottesdienst in Stein am Rhein passieren. «Zunächst einmal ist es ratsam, dass man schaut, was es für Traditionen gibt. In Stein ist ja auch speziell, dass der Musikverein nach dem Gottesdienst auf dem Rathausplatz spielt und die Leute gemeinsam Weihnachtslieder singen.»
Das soll genauso in ihre Predigt einfliessen wie beispielsweise das Krippenspiel in der Kirche, dessen Figuren während der Adventszeit laufend umgestellt werden oder der Weihnachtsschmuck, den die Kinder während der Sonntagsschule zusammen mit ihren Eltern und Grosseltern basteln und mit dem dann während des Gottesdienstes der Weihnachtsbaum geschmückt werden soll.
«Vieles passiert dann auch recht spontan, am Tag vorher oder im Gottesdienst manchmal sogar», so Bertram. In ihrem ersten Jahr in Stein am Rhein möchte sie denn auch nicht bereits einen Monat vor Weihnachten bestimmen, wie alles abzulaufen habe. «Ich bin gespannt, was den Steinern zu Weihnachten wichtig ist und wie ich es auffangen kann, um daraus eine gute Botschaft für möglichst viele Menschen zu machen.»
Bertrams liebster Teil der Weihnachtsgeschichte
Ihr Ziel sei es, während des Gottesdiensts ein Gemeinschaftsgefühl entstehen zu lassen. Das beziehe sich aber nicht nur auf ein kollektives «oh, das ist aber schön», wie sie sagt. «Die Aufgabe eines Gottesdiensts ist meines Erachtens auch, dafür zu sorgen, dass man sich über die Teile, welche einen besonders tief getroffen haben, noch weiter Gedanken macht.» Ob das der gebastelte Stern der Enkelin, ein Teil der Predigt oder ein Lied, das gesungen wurde, sei, mache keinen Unterschied. Wichtig sei bloss, dass man die Gedanken zu- und sich auf sie einlasse.
«Damals konnte man Gott die Hand schütteln.»
Bertram selbst fasziniere an der Weihnachtsgeschichte insbesondere die Inkarnation (Menschwerdung) Gottes in Form von Jesus Christus. «Damals konnte man Gott die Hand schütteln. Und heute ist das durch die biblischen Geschichten noch immer präsent und ein Stück Realität, auch für mich.» Aus gegebenem Anlass wird auch die Inkarnation Gottes eine Rolle in ihren Weihnachtspredigten um 17 und 22 Uhr spielen. Um aber jedes Jahr einen neuen Blickwinkel auf die Weihnachtsgeschichte finden zu können, sucht sie sich einen bestimmten Punkt oder einen bestimmten Gedanken aus, der sie besonders berührt und den sie weiterführen möchte.
Wie man eine gute Weihnachtspredigt schreibt
In ihrer vorherigen Gemeinde Scuol haben ihre Konfirmandinnen und Konfirmanden einen Weihnachtsfilm gedreht und unter anderem die Stallszene nachgestellt. «Und dann kommt da die Frage auf: Ein Stall und Kinder kriegen – wie soll das realistisch funktionieren?» In diesem Zusammenhang würden sich dann noch weitere Fragen stellen: «Wie ging es Maria, als da plötzlich der Verkündigungsengel vor ihr stand und sagte: ‹So, du bekommst jetzt ein Kind, und das ist übrigens auch noch das Gotteskind.› Wie haben die Leute auf die schwangere und noch unverheiratete Maria reagiert? Und hat Josef Maria bei der Geburt überhaupt geholfen?»
Durch diese Fragen entstehen Bilder, über die wiederum ein Bezug zu heute geschafft werden könne, so Bertram. «Wenn da junge Familien im Gottesdienst sitzen, dann wissen die doch alle, was das heisst, Kinder zu bekommen und plötzlich ganz vieles unter einen Hut bringen zu müssen.» Dann könne man sich überlegen, was nun eine positive Botschaft sein könnte, die die Menschen mitnehmen können.
Licht ins Dunkel bringen
Positive Worte können die Menschen in dieser dunklen Jahreszeit gut gebrauchen, findet Bertram. «Das Licht ist in dieser dunklen Jahreszeit die Botschaft: Wer das Licht nicht sieht, leidet.» Wo man sein Licht finden könne, sei individuell. Betroffenen könne sie nur raten, sich bei Bedarf zu melden. «Wir sind da und können reden.»
