Sozialdemokrat erobert Gemeindepräsidium in Feuerthalen
Holger Gurtner ist seit vier Jahren Feuerthaler Gemeinderat und obsiegt gegen Tom Frey (SVP) im Rennen ums Gemeindepräsidium. Dieses war 16 Jahren in SVP-Hand. Und: Zwei parteilose Frauen ziehen neu in den Gemeinderat ein.
Bis am späten Sonntagnachmittag waren die Feuerthaler Stimmenzähler emsig an der Arbeit – erst weit nach 17 Uhr stand das Resultat für die bevölkerungsmässig grösste Gemeinde im Bezirk Andelfingen fest.
Ein klassisches Links-rechts-Duell im Rennen ums Gemeindepräsidium hat mit 742 Stimmen Holger Gurtner (SP) ganz klar gegen seinen Kontrahenten von der SVP entschieden. Der seit 2022 amtierende Gemeinderat schafft das absolute Mehr (595 Stimmen) locker, während er Tom Frey (SVP) klar distanziert. Frey holt lediglich 324 Stimmen. Damit endet eine Ära von 16 Jahren, in der die SVP mit Gemeindepräsident Jürg Grau die Gemeindepolitik prägte. Grau ist nicht wieder angetreten.
«Ich will den Puls fühlen, den Leuten zuhören und eine breit abgestützte Politik machen.»
«Ich bin dankbar und überrascht über das deutliche Resultat», sagte Gurtner am Sonntag auf Anfrage. Der Mittvierziger vermutet, dass sein aktiver, breit aufgestellter und sichtbarer Wahlkampf Früchte getragen habe. Gurtners Wahlbudget sei bei rund 10’000 Franken gelegen, wovon die Parteikasse den Löwenanteil trug. «Ich freue mich sehr auf die Aufgabe. Ich will den Puls fühlen, den Leuten zuhören und eine breit abgestützte Politik machen», verspricht der zweifache Familienvater, der hauptberuflich Regionalleiter der Schulsozialarbeit ist.
Die Feuerthaler Stimmbeteiligung erreichte gut 59 Prozent – im Vergleich: Bei den letzten Erneuerungswahlen 2022 hatte sie nur rund 32 Prozent betragen.
Neu: Jessica Huber und Rahel Wenger
Das lag wohl auch an der spannenden Ausgangslage beim Gemeinderat. Nicht weniger als zehn Kandidierende hatten sich um einen Sitz im sechsköpfigen Gemeinderat beworben. Neben den vier Bisherigen, die wieder angetreten waren und wiedergewählt worden sind (Florian Schmid, parteilos, Holger Gurtner, Tonino D'Ascanio, GLP, und Igor Zanon, FDP), kommen zwei neue Gesichter dazu, und zwar zwei weibliche: Jessica Huber (parteilos) und Rahel Wenger (ebenfalls ohne Parteizugehörigkeit) arbeiten künftig im bisher rein männlichen Gremium mit.
«Und das am Internationalen Frauentag! Heute passt alles zusammen.»
Die 35-jährige Kommunikationsfachfrau Jessica Huber, die sogar das drittbeste Resultat von allen Kandidierenden erreicht hat, zeigte sich am Sonntag überglücklich: «Und das am Internationalen Frauentag! Heute passt alles zusammen», sagt sie am Abend. Sie und Wenger hatten kräftig und gemeinsam mobilisiert – und dennoch sei die Wahl alles andere als sicher gewesen. «Meine eigene Bubble versprach, mich zu wählen, aber was alle die anderen Leute tun, weiss man ja nicht.» Jetzt freue sie sich darauf, Verantwortung zu übernehmen – und auf ein Ressort.
Abgestraft wird auch im Gemeinderat die Volkspartei: Tobias Freitag und Tom Frey, der auch als Gemeindepräsidiumsmitglied neu angetreten war, verpassten den Einzug deutlich. Ein schwarzer Tag für die örtliche SVP, die am Sonntag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war.