Quaggamuschel im Bodensee: Ausbreitung verlangsamt sich, das Problem besteht aber weiterhin
Wie Umweltwissenschaftler herausgefunden haben, hat sich die bislang rasante Ausbreitung der Quaggamuschel im Bodensee verlangsamt. Doch das ist noch keine Entwarnung: Die invasive Art ist nach wie vor ein Problem.
Die Invasion der Quaggamuschel im Bodensee geht nicht mehr so rasant voran wie auch schon. Das bestätigt der Schweizer Umweltwissenschaftler Piet Spaak gegenüber der Nachrichtenagentur DPA. Spaak hat die Ausbreitung im Rahmen eines internationalen Forschungsprojekts untersucht. Bis in rund 30 Meter Tiefe ist der Seegrund bereits vollständig von den Muscheln besiedelt – dort fehlt ihnen inzwischen der Platz für weiteres schnelles Wachstum. In tieferen Wasserschichten schreitet die Ausbreitung langsamer voran, vor allem wegen der tieferen Temperaturen.
Es sei jedoch nur eine Frage der Zeit, bis die Quaggamuschel auch die tieferen Bereiche des Sees erobern werde, so Spaak. «So ist es in den grossen nordamerikanischen Seen passiert.» Wann selbst die tiefste Stelle des Bodensees in rund 250 Metern Tiefe betroffen sein wird, ist noch offen. «Das wird unsere weitere Forschung zeigen.»
Hohe Mehrkosten durch invasive Muscheln
Die Auswirkungen der invasiven Art sind bereits seit Jahren spürbar: Die Muscheln verstopfen Wasserleitungen und Filteranlagen, lagern sich in Schifffahrtsrinnen ab, die dadurch nicht mehr befahren werden können, und greifen massiv in das ökologische Gleichgewicht des Gewässers ein.
Auch Badegäste sind betroffen: An den Ufern häufen sich scharfkantige Muschelschalen, die schwere Schnittverletzungen verursachen können. Alexander Brinker, Leiter der Fischereiforschungsstelle in Langenargen DE, vermutet gemäss der DPA, dass Schwimmen im Bodensee künftig vielerorts nur noch mit Badeschuhen möglich sein könnte.
Die Quaggamuschel wurde vermutlich vor rund zehn Jahren über Boote eingeschleppt und hat sich seither explosionsartig vermehrt. Bislang gibt es keine wirksame Methode, ihre Ausbreitung nachhaltig zu stoppen. Auch der Verzehr der Muschel ist zwar möglich, so hat beispielsweise ein ETH-Forscher eine Würzsauce aus der Muschel entwickelt, wirklich geniessbar ist die Muschel aber nicht. «Sie hat keinen wirklichen Eigengeschmack und es fühlt sich so an, als würde man auf Gummi herumkauen», so Brinker.