Leidenschaft über Generationen: Warum Panini-Bilder noch immer so beliebt sind

Eva Schmid | 
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A young collector sticks a Panini World Cup sticker of the Switzerland's soccer national team in the official panini album of the 2026 FIFA World Cup USA Canada Mexico, in Lausanne, Switzerland, Saturday, May 16, 2026. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)
Noch immer begeistern sich Kinder, Jugendliche und auch so mancher Erwachsener für die Panini-Alben. Bild: Keystone

Kurz vor der Weltmeisterschaft werden Fussball-Sticker gekauft, getauscht oder es wird mit ihnen «gezockt». Und das seit mehr als 60 Jahren. Auch in Schaffhausen sind bis heute Junge und Ältere davon begeistert.

Es ist eine Leidenschaft, die Generationen verbindet: Die Panini-Fussball-Sticker sind noch immer stark nachgefragt. Das Sammelfieber vor jeder Fussball-Weltmeisterschaft hält bereits seit 65 Jahren an – auch in Schaffhausen. Schaut man sich aktuell in den Kiosken am Bahnhof um, findet man dort leere Ständer, in denen die Sticker-Hefte eigentlich stehen sollten. Die Nachfrage sei in den vergangenen Wochen und bis kurz vor Beginn der diesjährigen Spiele in Kanada, Mexiko und den USA so gross, dass man kaum mit der Lieferung hinterherkomme, sagt eine der Verkäuferinnen.

Ihre Kollegin erklärt, dass Schaffhausen vor jeder WM im Sammelfieber sei. Die Nachfrage wird auch dadurch angeregt, dass es pro Person ein Panini-Album gratis gibt. Vor allem Schüler und teilweise auch Schülerinnen würden am Kiosk in der Bahnhofsunterführung die Sticker kaufen. Ein Stockwerk weiter oben, so erzählt die dortige Verkäuferin, würden auch immer wieder Eltern für ihre Kinder ein Päckchen mit sieben Bildern auf dem Weg nach Hause mitnehmen.

Sammeln als Ur-Instinkt

Am zentral gelegenen Kiosk in Neuhausen sind die besten Käufer die Kinder vom gegenüberliegenden Schulhaus Kirchacker. Aber auch so manche Erwachsene, die seit vielen Jahren etliche Wochen vor der WM vorbeikommen, seien gute Kunden, erzählt die Frau am Stand. Sie würden dann auch gleich mehrere Päckchen an Klebebildern mitnehmen.

Gähnende Leere: Der Ständer mit den Panini-Alben ist so gut wie leer. Bild: Eva Schmid

Doch woher kommt die Faszination für die Panini-Bilder und warum verfallen Kinder in Zeiten zunehmender Digitalisierung so gerne in eine derart analoge Tätigkeit? Wir fragen nach bei jemandem, der beruflich viel mit Kindern zu tun hat. «Die Panini-Bildli sind bei den Kindern in unseren Treffs noch immer voll der Renner», sagt Luca Tissi, Teamleiter der Offenen Kinder- und Jugendarbeit der Stadt Schaffhausen.

«Es ist eine coole Art, miteinander in Interaktion zu treten.»

Luca Tissi, Teamleiter Offene Kinder- und Jugendarbeit Stadt Schaffhausen

Tissi ist mit seinem Team verantwortlich für die vier stationären Jugendtreffs in der Stadt, und im Sommer zusätzlich für das Spielmobil. «Sicher ist das Handy für die Kinder und Jugendlichen ein Thema, aber eben nicht nur. Ich glaube, das Sammeln der Bildli entspricht einem urmenschlichen Instinkt.» Für Tissi liegt die Erklärung der seit Jahren anhaltenden Faszination verschiedenster Generationen an den Panini-Bildern darin, dass die Lust am Sammeln dank unserer Vorfahren tief in unseren Genen steckt. «Ausserdem ist es eine coole Art, miteinander in Interaktion zu treten.» Neben dem Sammeln würden viele Kinder und Jugendliche noch immer um die Fussballbilder «zocken» und so stundenlang nachmittags ihren Spass haben.

Erst arm, dann weltweit bekannt

Dass so etwas Einfaches wie Fussball-Abziehbilder und -karten so einen riesigen Erfolg weltweit haben könnte, damit hat die italienische Familie Panini vor mehr als 70 Jahren wohl nicht gerechnet. Denn die Idee für die Sticker entstand aus der Not heraus. Die Mutter der italienischen Familie aus Modena musste nach dem Tod ihres Mannes schauen, wie sie ihre acht Kinder versorgen konnte.

Die Panini-Brüder Giuseppe, Umberto, Franco Cosimo und Benito im Jahr 1966 (v.l.) vor der selbst erfundenen Verpackungsmaschine Fifimatic. Bild: zVg

Die Familie war damals bitterarm. Mit dem Kauf eines Zeitungskiosks versuchte die Familie, irgendwie über die Runden zu kommen. Neben Zeitungen und Zeitschriften verkauften sie im Jahr 1955 auch vereinzelt Sammelbilder anderer Anbieter und brachten unverkaufte Restbestände unter die Leute. Doch erst als die Panini-Brüder auf einer Reise nach Mailand im Jahr 1960 eine Charge unverkaufter Fussball-Sammelbilder erstanden, ging das Geschäft so richtig los.

Zurück in Modena verpackten sie jeweils zwei Karten in ein Tütchen und verkauften diese. In kürzester Zeit, so wird es in der Firmengeschichte beschrieben, hatten sie drei Millionen Bilder verkauft. 1961 wurde dann das Panini-Unternehmen gegründet. Zunächst wurden die Päckchen mit den Sammelbildern in Hand- und Heimarbeit produziert, zum Mischen der Bilder wurde ein Butterfass benutzt. Einer der Brüder erfand in den 1970er-Jahren eine automatische Verpackungsmaschine, mit der man sicherstellte, dass in einem Päckchen keine Dubletten vorkamen. Das Unternehmen war bis 1988 in Familienbesitz, bevor es verkauft wurde.

Und nun endet eine Ära: Denn Panini-Alben wird es bald nicht mehr zur FIFA-Weltmeisterschaft geben. Der Weltfussballverband beendet die langjährige Partnerschaft mit dem Unternehmen aus Modena. Anstelle von Panini wird ab 2031 der US-Konzern Fanatics, Mutter des Herstellers Topps, die Sammelkarten herausgeben. Ob die Sammel-Leidenschaft in Schaffhausen dann auch mit dem neuen Anbieter weitergeht?

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