Klangreise zwischen Dunkel und Licht: Camerata Variabile mit eindrucksvollem Konzert in der Rathauslaube

Gisela Zweifel-Fehlmann | 
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Das Saisonkonzert der Camerata Variabile verband alte und neue Musik. Bild: Selwyn Hoffmann

Den aufmerksamen Zuhörerinnen und Zuhörern wurde am Samstagabend ein grossartiges Erlebnis mit vielen leisen Tönen in der Rathauslaube dargeboten.

Auf der Bühne stand ein umfangreiches Arsenal von Perkussionsinstrumenten für den innovativen jungen polnischen Schlagzeuger Mikolaj Rytowski. Trotz des bedrohlichen Titels «Kopfüber in den Abgrund» des zweiten Saisonkonzerts der «Camerata Variabile» unter der künstlerischen Leitung von Helena Winkelman, war es ein begeisternder Aufsteller. Es musizierten auch Sherniyaz Mussakhan, Violine, sowie die langjährigen Mitglieder der Camerata: Alessandro D’Amico, Viola, Christoph Dangel, Violoncello, Isabelle Schnöller, Flöte, und Stefka Perifanova, Klavier, in meisterhaftem Zusammenspiel: von intensiver Verinnerlichung in meditativen Stücken, mit hochkomplexen Rhythmen in avantgardistischer Musik der Gegenwart, nicht zuletzt auch mit einer Prise Humor und faszinierender Spielfreude.

Alte und neue Musik im Wechsel

Auf dem Programm stand eine raffinierte Mischung von neuer experimenteller Musik im kontrastierenden Wechsel zur überirdischen Schönheit harmonischer Barockmusik von Henry Purcell, Matthew Locke, Francesco Cavalli und Giovanni Kapsberger, wo der virtuose argentinische Lautenist Azul Lima als Gast des Ensembles mit seiner Theorbe, auch mit wunderschönen Improvisationen, massgeblich daran beteiligt war. Beifallsbezeugungen vom Publikum waren zwischen den Stücken ausdrücklich unerwünscht, um den musikalischen Ablauf nicht zu stören. Es beeindruckte, wie geschickt, mit einfachen musikalischen Mitteln, die einzelnen Sätze nahtlos aneinandergefügt wurden. Dadurch entstand eine Wechselwirkung, welche die ausgewogene Schönheit Alter Musik hervorhob, dagegen die neuen, provokativen Kompositionen noch verstörender wirken liess. Es war ein Ab und Auf von Fallen und Aufstieg, vom Dunkel zum Licht, von Trauer zur Freude, zusätzlich durch Lichteffekte verdeutlicht.

Zeitgenössische Musik aller Schattierungen

Die Flötistin Isabelle Schnöller spielte die elegische «Petite Suite», eine Trauermusik in drei Sätzen von Jörg Widmann (*1973), in der sich letztlich die Viola und zwei Gongschläge einbrachten. Als witziges Spektakel zeigte sich die Installation «Autoconcert» von Laszlo Vydovszky (*1944), wo Klangerzeuger an Fäden für vielfältige Geräusche abgeschnitten und zu Fall gebracht wurden. Vom in Wien gefeierten Schaffhauser Komponisten Beat Furrer (*1954) wurde ein wahnwitziges «Presto» für Flöte und Klavier mit schwierigsten rhythmischen Hürden dargeboten. Die Komponistin und Geigerin Helena Winkelman (*1974) entwickelte ihrerseits in «Gravitation» ein lebendiges Universum über einem perkussiven Klavierbass. Spielfreudig, tänzerisch munter war das Zwiegespräch von Flöte und Percussion von André Jolivet (gest. 1974). Von Morton Feldman (gest. 1987) stammten statische, voneinander abgesetzte Klänge mit Röhrenglocken, Klavier, Violine und Cello. Als eigenwillige Uraufführung entpuppte sich «(…) erratiques (…)» für das ganze Ensemble (ausser Theorbe) vom Komponisten Antoine Fachard (*1980), der sie selber leitete.

Als versöhnlicher Ruhe- und Höhepunkt von überirdisch verklärter Schönheit erklang im ersten Teil ein verinnerlichtes Andante aus einem Streichquartett von Franz Schubert, und ein mitreissender Tanzsatz von Henry Purcell bildete den feurigen Abschluss.

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