«Was die Musik spannend macht, ist die Entwicklung»

Autor
Schaffhauser N…

Jazz mit viel Raum und wohliger Wärme: Weird Beard spielten am Freitag im Haberhaus.

Ohne Bart: Dave Gisler (Gitarre), Martina Berther (Bass), Rico Baumann (Schlagzeug) und Florian Egli (Saxofon). Bild: Eric Bührer

von Dominic Caviezel

Im Kampf gegen die sich einschleichende Kälte füllten die vier Musiker von Florian Eglis Weird Beard am Freitagabend den Haber­haus-Keller mit wohlig-warmem Jazz. Die Band verbindet weiche Saxofon- und E-Gitarrenklänge mit vielseitigen Rhythmen zu einem dynamischen Stil voller Spontanität und Energie. Jedes Lied hat einen narrativen Bogen und vermag, nuancierte Stimmungen zu generieren. Entwicklung, nicht Repetition hält die Hörer in der Musik gebannt und macht das Zuhören aufregend. Der Abend war Teil der Konzertreihe von Live-Musikveranstaltungen.

Weird Beard entstand vor etwa zehn Jahren als Studienabschlussprojekt von Florian Egli. Der Saxofonist mit Trasadinger Wurzeln schreibt die Kompositionen, sieht diese aber lediglich als Startpunkt. Er erklärt: «Ich würde jetzt nicht sagen, dass sie todlangweilig sind, aber sie bieten eigentlich nicht wahnsinnig viel: ein Thema, eine Melodie und eine Idee vom Groove. Was die Musik spannend macht, ist die Entwicklung.» Die Stücke erwachen durch das Zusammenspiel der Musiker zum Leben, alle mit unterschiedlichen musikalischen Hintergründen und Akzenten.

«Wir versuchen, nicht zu schichten und noch einen draufzusetzen, sondern einen Horizont zu bedienen.»

Martina Berther, Bassistin

Der Raum für musikalische Experimente ist für die Band zentral. Anfangs habe es eine Zeit gedauert, doch mit viel Zusammenspiel und Gesprächen habe man diesen nun geschaffen, erklärt die Band. «Ich empfinde es als ein horizontales Hören anstelle von einem vertikalen. Wir versuchen, nicht zu schichten und noch einen draufzusetzen, sondern einen Horizont zu bedienen. So ist es auch immer offen, wer wohin geht», sagt Bassistin Martina Berther.

Das nächste grosse Projekt wird ein neues Album sein. In diesem soll insbesondere der zeitliche Raum erkundet werden, die Stücke sollen sich über zehn oder fünfzehn Minuten entwickeln können. «Wir wollen nicht einfach das Gleiche etwas anders oder etwas besser machen. Wir wollen, dass es frisch bleibt, sowohl für uns als auch für die Hörer», meint Schlagzeuger Rico Baumann. So überlegt sich die Band, für die Aufnahmen einen fünften Musiker ins Boot zu holen, damit der Einzelne sich stärker vom Thema lösen und ausprobieren könne. Es sei wie eine vierstöckige Torte, der man einen fünften Stock aufsetze, erklärt die Band: «Hoffentlich wird es dadurch noch besser, sicher sein kann man sich aber nicht.» Der Reiz des Neuen sei immer mit Risiko verbunden. «Aber das mögen wir auch – das Scheitern muss man als Chance sehen», so Egli.

Die Tischchen im eher kleinen Raum waren ziemlich gut besetzt, und das Publikum zeigte seine Freude. «Wir freuen uns immer, wenn wir spielen dürfen, weil wir das gerne machen, aber vor einem guten Publikum macht es einfach viel mehr Spass.», meinte Egli gegen Ende des Konzerts.

Zu einer zweiten Zugabe liessen sich die Musiker trotzdem nicht überzeugen. Wenn man einiges ungespielt lasse, kurble dies die CD-Verkäufe an, meinten sie lachend.

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