Angebot aus den USA für Aromat, Stocki und Co.: Muss Thayngen um sein «Knorri-Areal» bangen?
Kürzlich wurde bekannt, dass sich der Grosskonzern Unilever in Verkaufsgesprächen für seine Lebensmittelsparte befindet. So manchem Thaynger dürfte darob beinahe der Stocki im Halse stecken geblieben sein – was bedeutet diese Entwicklung für das «Knorri-Areal»? Der Gemeindepräsident beschwichtigt.
von Sandy Hedinger, Kay Fehr und Robin Blanck
Könnte der berühmteste Thaynger, der Knorrli, Amerikaner werden? Ist unser Schweizer Aromat in Gefahr – oder gar der gesamte Thaynger Standort der Unilever? Diese Fragen stellten sich wohl viele, als sie am Sonntag erfuhren, dass der britische Konsumgüterkonzern plant, sein Lebensmittelgeschäft zu verkaufen – und zwar an den US-Konzern McCormick & Company. Dazu würde auch die Marke Knorr gehören.
Der Konzern ist eng mit der Reiatmetropole verbunden. Auf dem «Knorri-Areal» unweit des Bahnhofs hat Unilever einen «Food-Hub» ins Leben gerufen: eine grosse Fläche, auf der sich verschiedene Unternehmen der Lebensmittelbranche niederlassen können. Die ersten Zuzüger haben ihre Arbeit dort schon länger aufgenommen. Was würde es für das Areal und die Firmen bedeuten, wenn ein amerikanischer Konzern dort neu das Sagen hat?
Gemeinde und Wirtschaftsförderung geben sich gelassen
Nachfrage beim Thaynger Gemeindepräsident Christoph Meister. Dieser plädiert dafür, ruhig Blut zu bewahren, denn er halte es für unwahrscheinlich, dass der Standort geschlossen werde. Bisher sei der Konzern mit den Zahlen aus Thayngen zufrieden gewesen, so Meister. Aus diesem Grund würde wohl auch ein anderer Besitzer im Reiat weiterproduzieren. Würde es aber doch so weit kommen, müsste sich die Gemeinde Gedanken dazu machen, wie man das Areal nutzen würde, sagt der Gemeindepräsident auf Nachfrage – auch Steuereinnahmen würden dadurch fehlen.
«Uns macht das nicht nervös.»
Für Wirtschaftsförderer Christoph Schärrer sind derartige Gespräche zwischen Unternehmen ein alltäglicher Vorgang, auch dass Unilever seine Food-Sparte verkaufen könnte, sei kein Novum: «Deshalb macht uns das nicht nervös», sagt Schärrer. Solche Verkäufe seien in den letzten 20 Jahren wiederholt vorgekommen – und das war nicht einfach negativ, «sondern hatte zuweilen sehr positive Auswirkungen, weil dadurch Strukturen in der Region übernommen und gestärkt wurden».
In welche Richtung sich ein Verkauf entwickle, sei auch stark abhängig davon, was für vergleichbare Standorte und Kapazitäten eine Käuferin bereits in der Schweiz habe, sprich: Es stellt sich die Frage, ob Synergien erzielt werden können. Gleichzeitig müssen sich internationale Firmen auch entscheiden, wie wichtig ihnen ein Produktionsstandort in der Schweiz ist – sowohl für den Schweizer Markt als auch für die Swissness als Verkaufsargument im Ausland.