Trainieren, wenn andere etwas trinken
Vier Thaynger Spitzensportler berichteten vorgestern im Restaurant Gemeindehaus darüber, was es braucht, um zu den Besten zu gehören – und was es mit sich bringt.
VON DARIO MUFFLER
Was für eine Dichte an Spitzensportlern, die Thayngen aufweist! Sagt der eine ab, weil er sich im Ausland aufhält, findet sich alsbald ein Ersatz für ihn. David Aregger, Patrice Bührer sowie Lukas und Mario Spengler hiessen schliesslich die Protagonisten am vorgestrigen Abend im Thaynger Restaurant Gemeindehaus. Bührer war kurzfristig für den Duathleten Andy Sutz eingesprungen.
Die Leidenschaft als roter Faden
Sie alle sind Meister ihres Faches. Am dritten Vortragsabend des Kulturvereins Thayngen-Reiat zeigte sich allerdings, dass hinter jedem Sportler ein ganz individueller Mensch steht. Was sie aber gemeinsam haben, ist die Leidenschaft. Denn Spitzensport schafft auch Leiden.
Jeder stellt sich als Erstes Verletzungen darunter vor. Davon konnte Patrice Bührer ein Liedchen singen. Der 18-Jährige, der bei den Kadetten Espoirs in der NLB sowie in der U-19-Handballnationalmannschaft spielt, meinte von sich, dass er leider verletzungsanfällig sei. Die Folgen einer Schulterverletzung würden ihn wahrscheinlich während seiner ganzen Karriere begleiten. Diesbezüglich beeindruckend ist seine Geduld. «Man muss sich die Pause nehmen, die es braucht», sagte er. David Aregger bezeichnete seinerseits als seinen «bitteren Moment» den Ermüdungsbruch einer Rippe. Er war im Winter 2015/2016 vom Spitzensport zurückgetreten, hielt aber gleich zu Beginn fest: «Ich bin noch immer Ruderer!»
Das Feuer brennt weiter, trotz allem, was im Winter vor den Olympischen Spielen nicht optimal gelaufen war. Mit einem neuen Nationalcoach kam eine neue Trainingsphilosophie, und getrieben vom Willen, es mit viel Training noch in den Doppelvierer zu schaffen, manövrierte sich Aregger ins Abseits. Er war ins Übertraining geraten und zog für sich schliesslich den Schluss, dass sein Körper für diese Trainingsstruktur nicht geeignet sei.
Vom steinigen Weg zum Profi
Areggers Schilderungen zeigten so auch auf, dass es mehr als nur körperliche Leiden sind, die der Spitzensport mit sich bringt. «Wir haben ausgerechnet, dass wir im Jahr nur 83 Tage zu Hause waren», so der Chemiestudent. «Das ist schon einschneidend.» Naheliegend war deshalb die Frage von Moderator Hans Peter Sorg, ob sich diese Opfer denn lohnen würden. Für Radtalent Mario Spengler war jedenfalls klar: «Für mich ist es kein Opfern. Ich mache es gerne. Ohne Radfahren wird mir langweilig.»
Sein Bruder Lukas pflichtete ihm bei. Der Sport habe ihnen bis zum heutigen Tag schliesslich bereits viel fürs Leben gegeben, vor allem Disziplin. «Man muss lernen, seine Zeit zu nutzen», sagte Lukas Spengler. «Wenn andere nach der Arbeit etwas trinken gehen, fahren wir eben noch ums Horn.» Für den gelernten Velomechaniker hat sich der Einsatz allerdings ausgezahlt. Er fährt ab 2017 in einem belgischen Profiteam. Bruder Mario will es ihm gleichtun. «Lukas ist in den letzten Jahren zu meinem Vorbild geworden», sagte er. «Bei Lukas sehe ich, wie er zum Erfolg kommt. Cancellara sehe ich nur siegen, ohne zu wissen, wie er es anstellt.» In drei bis vier Jahren will auch er vom Radsport leben können. Die Zeichen stehen gut.
So sieht es auch bei Bührer aus. «Ich hoffe, es in zwei bis drei Jahren in die erste Mannschaft zu schaffen», sagte er. Er sei sich bewusst, dass das ein grosser Sprung sei bei den Kadetten. Aber was wäre ein erfolgreicher Sportler ohne seinen Hunger nach Erfolg und den Glauben an den nächsten Sieg?
«Cancellara sehe ich nur siegen, ohne zu wissen, wie er es anstellt.»
Mario Spengler, Junger Thaynger Radfahrer