Warum Campen seit Jahrzehnten fasziniert – und für manche zum Geschäft wird
Denis Häcki aus Löhningen verkauft in zweiter Generation Wohnwagen, die sogar Minusgrade aushalten. Einer seiner liebsten Stellplätze liegt direkt vor seiner Haustür.
von Lisa Merz
Die Corona-Pandemie bescherte Campingverkäufer Denis Häcki so viel Arbeit wie noch nie in den 30 Jahren seit der Firmengründung von «Mobile Freizeit». Alle Hotels waren geschlossen, man wollte raus in die Natur. Im Jahr 2023 verzeichnete der Touring Club Schweiz fast eine Million Übernachtungen – das sind 60 Prozent mehr als vor der Verbreitung des Virus.
Camping bleibt beliebt
Die Anzahl der neu eingelösten Wohnmobile ist mittlerweile zurückgegangen. Auswertungen von Auto Schweiz zeigen, dass im Jahr 2025 von Januar bis März ein Drittel weniger Wohnmobile neu eingelöst wurden als im gleichen Zeitraum 2024. Der Kaufboom hat sich allgemein beruhigt, auf den Campingplätzen ist die Nachfrage aber weiterhin hoch. «Bei uns läuft es gut. Wir haben vor allem Kunden, die ein Premium-Produkt suchen und nicht schnell einen Camper kaufen. So ein Fahrzeug ist schliesslich auch eine Investition. Ferien in einem Hotel sind irgendwann vorbei, den Wohnwagen hat man mehrere Jahre.»
Sogar die Schränke und Schubladen werden beheizt
Die Mobile Freizeit GmbH vertreibt skandinavische Marken wie Kabe und Polar sowie Fahrzeuge von Megamobil. Diese sind extra für kalte Temperaturen – bis zu minus 30 Grad – gemacht. «Unsere Wohnwagen sind sehr gut isoliert und verfügen über eine Warmwasser-, eine Zentral- und Fussbodenheizung. Das ALDE-Heizsystem arbeitet mit der speziellen Flüssigkeit Glykol, die erhitzt wird und durch die Leitungen im Fahrzeug zirkuliert. So entsteht eine gleichmässige, angenehme Wärme – ähnlich wie bei einer Bodenheizung im Haus», erklärt Häcki.
Auch die Möbel sind hinterlüftet. Das heisst, dass es in den Schubladen und Schränken niemals kalt wird. «Das ist eine Spezialität der nordischen Bauweise von Wohnwagen. Die Luft zirkuliert ständig und wird durch eine Öffnung im Dach ab- und angesaugt.»
Mit dem Camper in die Skiferien
Gegründet wurde die Firma «Mobile Freizeit» von Urban Hinder, dem Vater von Denis Häcki. Er wollte mit dem Wohnwagen in die Ferien, aber nicht nur dann, wenn es warm war. Da ist er auf die skandinavischen Modelle gestossen und war begeistert. Nach einer Probesaison zur Miete hat er sich einen Wohnwagen der Marke Solifer gekauft. Auch der Nachbar fand Gefallen und fragte Hinder, ob er ihm einen organisieren könnte. So kam das Geschäft langsam ins Rollen. Zudem bietet das Unternehmen Wartungs- und Inspektionsarbeiten, Fahrzeugveredelung sowie Checks von elektrischen Systemen, Gas, Wasser und Heizung an.
Erfahrene Camper buchen im Voraus
Ein grosser Teil der Kundschaft von Häcki nutzt die Fahrzeuge auch im Winter. Einige gehen in den kalten Norden, andere haben einen fixen Stellplatz, zum Beispiel in Churwalden oder Lauterbrunnen. «Auch wir haben als Kinder so unsere Skiferien verbracht. Dank der guten Isolation ist es immer schön warm im Wohnwagen», sagt Häcki.
«Ferien in einem Hotel sind irgendwann vorbei, den Wohnwagen hat man mehrere Jahre.»
Einsteigern rät er, zuerst einmal einen Wohnwagen zu mieten. Denn manchmal ist die Realität doch anders als die Vorstellung von der mobilen Freiheit. Vor allem die erste Saison kann etwas anstrengend sein, weil viele Plätze bereits ausgebucht sind. «Ein Grund ist sicher, dass viele erfahrene Camper schon im Vorjahr ihren Lieblingsplatz buchen», erklärt Häcki. Für Kurzentschlossene verrät er seinen Tipp ganz in der Nähe: der Rheinwiese-Camping in Feuerthalen direkt am Wasser.
