Vom Einzahlungsschein zur App – «Vertrauen lässt sich nicht digitalisieren»
Katrin Hüppin arbeitet seit 25 Jahren bei Clientis BS Bank Schaffhausen. Ein Gespräch über Bezahlmethoden, persönliche Kontakte und künstliche Intelligenz.
Vom handgeschriebenen Zahlungsauftrag bis zur digitalen Beratung hat Katrin Hüppin den Wandel der Bankenwelt miterlebt. Die künstliche Intelligenz findet sie faszinierend, aber auch beängstigend. Für sie ist aber klar: Der Mensch soll immer im Zentrum stehen.
Frau Hüppin, Hand aufs Herz: Wird es nicht irgendwann langweilig, 25 Jahre bei einer Bank zu arbeiten?
Katrin Hüppin: Nein, überhaupt nicht. Es ist ein sehr abwechslungsreicher Beruf. Jeder Tag ist anders. Man weiss nie, wer zur Tür hereinkommt und welche Anliegen die Kundinnen und Kunden mitbringen. Genau das macht es spannend. Man ist nahe bei den Menschen und begleitet sie oft über viele Jahre hinweg.
Sie haben 1991 am Schalter der damaligen Spar- und Leihkasse Neunkirch begonnen. Was war zu jener Zeit anders als heute?
Sehr vieles war noch Handarbeit. Den Zahlungsverkehr haben wir praktisch komplett manuell verarbeitet. Einzahlungsscheine mussten erfasst, kontrolliert und weitergeleitet werden. Das erforderte viel Konzentration und Genauigkeit – zusätzlich zum normalen Schaltergeschäft. Auch Fremdwährungen wie die italienische Lira gehörten noch zum Alltag. Es war anspruchsvoll, aber auch eine gute Schule.
Wie hat sich der Arbeitsalltag seither verändert?
Die Digitalisierung hat vieles vereinfacht. Heute laufen Prozesse automatisiert, es gibt E-Banking und Apps. Gleichzeitig ist es auch eine Herausforderung. Es gab immer wieder Systemwechsel. Man muss bereit sein, Neues zu lernen. Ich sage offen: Gewisse Dinge muss ich zwei- oder dreimal machen, bis sie sitzen. Aber das gehört dazu.
«Wenn ich im Migros und Coop einkaufen gehe oder mit dem Hund unterwegs bin, bin ich für viele trotzdem ‹die Bank›.»
Hilft da der Austausch im Team?
Sehr. Die Jüngeren sind mit der Technik aufgewachsen, ich bringe dafür das Wissen von früher mit. Ich kenne den Weg eines Einzahlungsscheins von Anfang bis Ende. Dieses Zusammenspiel ist wertvoll. Man unterstützt sich gegenseitig.
Wenn Sie an Ihre Anfangszeit zurückdenken: Spielte es eine Rolle, dass Sie eine Frau in der Bankenwelt waren?
Man musste sich sicher beweisen – aber das muss man überall. Wenn man seine Arbeit gut macht, funktioniert es. Im Schalterbereich waren Frauen nie in der Minderheit, in der Geschäftsleitung hingegen schon eher. Das ist bis heute teilweise so. Aber ich habe mich nie benachteiligt gefühlt.
Sie kennen viele Ihrer Kundinnen und Kunden persönlich. Wie erleben Sie diese Nähe?
Das ist das Schöne an einer Regionalbank. Wir sind Dienstleister – das waren wir immer, und das sind wir geblieben. Es entstehen Beziehungen über Jahre hinweg. Das ist schön, bringt aber auch Verantwortung mit sich. Wenn ich im Migros und Coop einkaufen gehe oder mit dem Hund unterwegs bin, bin ich für viele trotzdem «die Bank».
Trotz Ihrer Begeisterung für die Bank ist auch Ihre Laufbahn nicht ohne Unterbruch verlaufen. Nachdem Sie über ein Jahrzehnt lang eines der Gesichter am Schalter der damaligen Spar- und Leihkasse Neunkirch waren, sind Sie nach einer Zwischenstation rund 10 Jahre später als Privatkundenberaterin zur BS Bank zurückgekehrt. Warum?
Ich war alleinerziehend, meine Tochter war damals acht Jahre alt. Meine damalige Teamleiterin hat mich angefragt, ob ich mir eine Rückkehr vorstellen könnte. Das hat gepasst. Ich konnte Teilzeit arbeiten, und die Vereinbarkeit mit meiner Tochter hat funktioniert. Das ist nicht selbstverständlich, und dafür bin ich dankbar.
Wenn Sie in die Zukunft blicken: Wie wird sich die Bankenwelt weiter verändern?
Künstliche Intelligenz ist ein grosses Thema. Sie ist faszinierend, aber auch beängstigend. Ich finde, es ist mehr beängstigend. Ich hoffe, dass man sich der Risiken bewusst ist. Für mich ist wichtig, dass bei aller Technik der Mensch im Zentrum bleibt. Am Ende geht es immer um Vertrauen – und das lässt sich nicht digitalisieren.
Bald gehen Sie in Pension. Wie sieht dann Ihre Zukunft aus?
Ich freue mich auf mehr Spontanität im Alltag nach der Pensionierung in zwei Jahren.