Trotz Knall an der Spitze der Ersparniskasse Schaffhausen: Nach vielen Personalabgängen beruhigt sich die Lage wieder

Fabian Babic | 
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Medienkonferenz Jahresabschuss 25. Ersparniskasse, Hannes Germann und Claudio Steffenoni, Vorsitzender der Geschᅢᄂftsleitung. Fotografiert am Dienstag, 17. Februar 2026, in Schaffhausen. (Roberta Fele / Schaffhauser Nachricht
Verwaltungsratspräsident Hannes Germann ist trotz aller Herausforderungen zufrieden mit dem Jahresergebnis. Bild: Roberta Fele

Trotz personeller Turbulenzen und eines schwierigen Zinsumfelds blickt die Ersparniskasse Schaffhausen auf ein solides Geschäftsjahr zurück. Eine Frage gilt es aber bald zu beantworten: Wer soll die älteste Bank Schaffhausens führen?

Der Knall vom vergangenen Jahr scheint allmählich verhallt zu sein. Im August gab die Ersparniskasse Schaffhausen bekannt, dass die Bank und ihre Chefin Ruth Mojentale getrennte Wege gehen werden. Hauptgrund dafür waren personelle Abgänge unter Mojentales Ägide. Rund ein Drittel der Belegschaft hat innerhalb eines halben Jahres gekündigt.

Die Situation hat sich inzwischen wieder beruhigt. Am Dienstag präsentierten Verwaltungsratspräsident Hannes Germann und Claudio Steffenoni, Vorsitzender der Geschäftsleitung, das Ergebnis für das Jahr 2025. Die Abgänge konnten wieder kompensiert werden. «Zusätzlich haben wir trotz der Turbulenzen des vergangenen Jahres unseren Personalbestand ausgebaut», erklärte Steffenoni. Auf SN-Nachfrage bestätigt der Bankchef, dass sich das Klima unter den Mitarbeitenden normalisiert habe. «Die Bank ist stabil aufgestellt. Das zeigt sich auch daran, dass wir nun mehr Mitarbeitende als im Vorjahr haben.»

Medienkonferenz Jahresabschuss 25. Ersparniskasse, Hannes Germann und Claudio Steffenoni, Vorsitzender der Geschᅢᄂftsleitung. Fotografiert am Dienstag, 17. Februar 2026, in Schaffhausen. (Roberta Fele / Schaffhauser Nachricht
Der Chef ad interim: Claudio Steffenoni hat das Ruder bei der Ersparniskasse übernommen, bis eine definitive Nachfolge gefunden ist. Bild: Roberta Fele

Dennoch bleibt der Fachkräftemangel ein Problem, das die Ersparniskasse beschäftigt. Steffenoni, der den Grossteil seiner Karriere in Zürich verbracht hat, hielt fest: «Dort ist der Pool an Talenten einfach anders als hier in Schaffhausen.» Und er gibt unumwunden zu: «Auch wir merken, was für eine Sogwirkung Zürich und zum Teil auch Winterthur auf uns haben. Das Lohnniveau ist in Zürich einfach höher.»

Chefsuche läuft seit Januar

Einen wichtigen Posten gilt es indes bald wieder zu besetzen: den Vorsitz der Bankleitung. Nach Mojentales Abgang ist Steffenoni aus dem Verwaltungsrat zurückgetreten, um diese Aufgabe vorübergehend zu übernehmen, bis eine definitive Lösung gefunden ist. Seit Anfang Jahr ist die Traditionsbank auf der Suche.

Auf die Frage, wie dieses Unterfangen läuft, hielt sich VR-Präsident Germann noch bedeckt. Allerdings sagte er: «Wir wollen einen gewissen Bezug zur Region gewährleisten. Daher sind die Bewerbungen aus der Region, die wir erhalten haben, spannend für uns.» Grundsätzlich hielt er fest: «Wir müssen jemanden haben, der führen kann und der glaubwürdig ist. Die Person soll die Verhältnisse hier kennen oder sich zumindest schnell damit vertraut machen können.»

«Bei der Regulierung wird das Korsett immer enger.»

Hannes Germann, VR-Präsident Ersparniskasse Schaffhausen

Trotz des Rumplers in der Chefetage sprechen die Zahlen für ein solides Geschäftsjahr: Die Bilanzsumme steigt um knapp 5 Prozent auf rund 1,07 Milliarden Franken. Auch bei den Kundengeldern und dem Hypothekarvolumen legt die Bank um jeweils rund 6 Prozent zu.

Nullzinspolitik erschwert Geschäft

Allerdings ist nicht überall ein Plus zu verzeichnen: Beim Geschäftserfolg, einer wichtigen Kennzahl für ein Finanzinstitut, macht sich ein leichter Rückgang bemerkbar. Dieser ist von rund 4,65 Millionen Franken auf 4,34 Millionen Franken zurückgegangen.

Mit ein Grund für den Dämpfer in der Erfolgsrechnung ist die Nullzinspolitik der Schweizerischen Nationalbank (SNB): Um der gesunkenen Inflation und dem starken Franken Rechnung zu tragen, senkte die SNB im vergangenen Jahr den Leitzins auf null Prozent. Dadurch ist es Banken möglich, Hypotheken günstiger zu vergeben. Allerdings ist demgegenüber die Zinsmarge zurückgegangen. «Das geht nicht spurlos an uns vorbei», sagte Steffenoni und verweist darauf, dass alle Banken mit dieser Herausforderung konfrontiert seien. Bei der Ersparniskasse führte dies dazu, dass der Netto-Erfolg aus dem Zinsgeschäft um rund 7,9 Prozent gesunken ist.

 

Hinzu kamen gestiegene Kosten im Personal- und IT-Bereich. Nicht zuletzt stellt auch der gestiegene Regulierungsbedarf, der ebenfalls mit höheren Kosten einhergeht, eine Herausforderung dar. «Bei der Regulierung wird das Korsett immer enger», sagte Germann. «Das ist unglaublich aufwendig.» Dementsprechend zeigt sich der VR-Präsident auch besorgt darüber, dass die Regulierungen im Nachgang der Credit-Suisse-Krise weiter verschärft werden könnten. Dies könne gerade für Kleinbanken eine umso grössere Herausforderung werden.

Vor diesem Hintergrund bezeichnete Steffenoni den Rückgang im Geschäftserfolg trotz allem als «vernünftig». Sein Fazit: «Das ist immer noch ein sehr gutes Resultat.» Daher darf sich auch die Hülfsgesellschaft Schaffhausen freuen. Traditionsgemäss erhält die gemeinnützige Gründerin der Ersparniskasse eine Spende von 100'000 Franken. Damit wird unter anderem der Betrieb der Gassenküche ermöglicht. Hinzu kommen die Erträge aus dem Suppentag, den die Bank vergangenen Samstag auf dem Fronwagplatz veranstaltete.

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