Nach Protesten in Zürich: Uber spaltet die Schaffhauser Taxibranche
Seit Jahresbeginn rollt Uber auch durch Schaffhausen. Während manche Fahrer in der App eine Chance sehen, wittern andere in den Angeboten des Techkonzerns eine Falle.
Mehr als 100 Fahrerinnen und Fahrer von Uber demonstrierten am Montag in Zürich gegen schlechte Arbeitsbedingungen. Der Konzern setze sie einem brutalen Lohn-Dumping aus. In den letzten Jahren seien die Einnahmen um bis zu 60 Prozent zurückgegangen, ein anständiges Leben sei mit diesem Hungerlohn schlechterdings nicht mehr möglich. Seit Anfang Jahr ist der US-Techkonzern auch in Schaffhausen aktiv. Der Fahrdienst wird hier allerdings nur lizenzierten Taxifahrerinnen und -fahrern angeboten.
Eine Anfrage bei den wichtigsten Anbietern im Kanton zeigt ein gemischtes Stimmungsbild: Grössere Taxidienste stehen Uber skeptisch gegenüber und verzichten auf eine Anbindung. Einige selbständige Taxifahrer sehen Uber hingegen positiv – auch wenn sie einen Teil ihres Verdiensts an den Techkonzern aus San Francisco abgeben müssen.
Lob für Uber
In Schaffhausen seien die Preise noch einigermassen akzeptabel, meint ein Fahrer von Stadt Taxi Schaffhausen, «ganz anders sieht es in Zürich aus, wo eine Fahrt manchmal fast günstiger ist als die öffentlichen Verkehrsmittel». Eine Katastrophe sei das für die dortigen Uber-Fahrer. Insgesamt sei das Umfeld aber auch hier schwieriger geworden. «Früher hatten wir von 6 bis 23 Uhr fast durchgehend Kundschaft, heute bin ich schon froh, wenn ich drei bis vier Stunden fahren kann.» Uber helfe ihm, Kunden zu finden, wenn gerade wenig laufe.
«Manchmal verdienen wir mit Uber sogar mehr als sonst.»
Auch Vadym Zagursky, der für Taxi 24 arbeitet, hebt die Vorteile von Uber hervor. Er habe bis jetzt nur gute Erfahrungen gemacht. «Manchmal verdienen wir mit Uber sogar mehr als sonst.» Für längere Fahrten – etwa zum Zürcher Flughafen – werde oft ohnehin nicht auf das Taxameter abgestellt, sondern es würden Pauschalpreise ausgehandelt. Die beliefen sich dann typischerweise auf etwa 100 Franken. «Mit Uber verdiene ich für die gleiche Fahrt dagegen 120 oder 130 Franken.»
Zudem habe er noch nie Kunden von Uber gehabt, die im Auto Probleme verursacht hätten. «Bei mir ist es nicht einmal zu einem Streit gekommen.» Nicht zuletzt würden die Fahrten infolge der automatischen Bezahlung über die App zuverlässig beglichen. Andere Verhältnisse herrschten in Zürich. «Arbeitskollegen von mir sind schockiert, man kann schon fast von einer modernen Sklaverei reden.»
Kritik am Konzern
Daniela Pavlovic von Taxi 2000 kann sich eine Zusammenarbeit mit Uber dagegen nicht vorstellen. «Uns gibt es schon lange, wir haben uns über viele Jahre hinweg einen Namen erarbeitet.» Da mache es wenig Sinn, sich an einen amerikanischen Konzern anzudocken, der landläufig nicht die beste Reputation habe. Uber sei am ehesten attraktiv für «Ein-Mann-Betriebe», die sich noch keinen grösseren Kundenstamm aufgebaut hätten. «Sie kommen damit teilweise zu mehr Arbeit, müssen aber auch mehr an Uber abtreten.» Es stehe zu befürchten, dass Uber mit der Zeit immer mehr für sich abzwacken wolle – nachdem die Taxifahrer vom Techkonzern abhängig geworden sind.
Die gleiche Befürchtung wird von einer anderen im Taxigewerbe tätigen Person geäussert, die aufgrund von pointierten Aussagen anonym bleiben möchte. «Die Preise werden immer weiter sinken und unser Gewerbe schliesslich kaputtmachen.» Taxifahrer, die sich auf Uber einlassen, seien selbst schuld, ihre Empathie für die Protestierenden in Zürich halte sich deshalb in engen Grenzen. Eine Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Konzern ist für die Person unvorstellbar. «Wir wollen dafür nicht unsere Stammkunden stehen lassen.»