«Grosse, schwere Teile produzieren wir am liebsten»: Zu Besuch beim Beringer Baukranhersteller
Der in Beringen angesiedelte Baukranhersteller Bachmann ist für seine hochstrebenden Maschinen bekannt. Dass er auch andere Spezialkonstruktionen wie zum Beispiel Tumbler für die Fleischveredelung, Aufhängevorrichtungen für Kinoleinwände oder den Beringer Randenturm fertigte, ist weniger augenfällig. Ein Werkstattbesuch.
von Sabine Bierich
Hinter den Werkhallen der Bachmann AG Beringen im Industriegebiet ragt ein Kran stolz in die Höhe, markiert imposant das Firmengelände. Am Boden stapeln sich Turmelemente für Kräne, riesige Stahlkonstruktionen. Mitte der 1960er-Jahre wurden hier die ersten und einzigen Baukräne der Schweiz produziert. Bis heute besitzt das Unternehmen die Potenz, XL-Kräne herzustellen und zu montieren. Ein weiteres Standbein der Firma war von Beginn an die Lohnfertigung, die Produktion diverser Maschinenbauteile oder ganzer Anlagen für unterschiedlichste Kunden. Später kamen die Vermietung und Wartung von Kränen dazu.
Schwungvoll öffnet Mike Bachmann die Tür zu den Werkhallen. Mitte der 1990er-Jahre kaufte er die Firma seinem Vater ab. Nun wird er selbst bald in den Ruhestand gehen. Gerade erst hat er glücklich die Nachfolge geregelt. Das Unternehmen geht an die Kaufmann Turmkrane AG (siehe Bericht SN 18. Juli 2025), die den Betrieb weiterführen soll.
In der Werkhalle stehen wir vor einem grossen Blechschneider, auch eine hydraulische Abkantpresse, mit der Bleche präzise gebogen werden, befindet sich hier. Wir sind im Reich der Schlosser und Schweisser. «Unsere Schweisser werden alle drei Jahre geprüft», sagt Mike Bachmann.
Funken sprühen. Über grosse Objekte gebeugt hantieren Arbeiter mit Schutzmasken und Schweissgeräten. Hier entsteht eine Schweisskonstruktion für ein Maschinengestell, dort wird für einen Kunden ein gebrauchter Kranturm revidiert. Wartungsarbeiten und Serviceleistungen sowie die Herstellung von Ersatzteilen bietet die Firma seit ein paar Jahren sogar für Mitbewerber der Branche an. Glänzende Betongewichtsschutzrahmen mit starken Betonträgern liegen am Boden. Die Werkstücke werden später mit Beton ausgegossen und bestücken die Gegenausleger der Kräne.
SwissCrane aus Beringen wird nicht nur in der Schweiz zum Hit
Dass in Beringen Kräne produziert wurden, war in den 1960er-Jahren dem Zufall geschuldet. Der Vater Hermann Bachmann und sein Companion Max Kögl gründeten die Bachmann AG, um Teile für die Maschinenbauindustrie zu fertigen. Ein Ingenieur, der bei Liebherr in Irland arbeitete, wollte in die Schweiz zurückkehren und stellte sein Know-how zur Verfügung. Die Bachmann AG begann Kräne zu entwickeln und zu produzieren. Das Resultat wurde SwissCrane getauft. «Ein englischer Name für ein Schweizer Produkt», weist Mike Bachmann hin, «war zu dieser Zeit völlig unüblich.» Dennoch, die Kräne aus der Heimat überzeugten die Schweizer Bauunternehmer, die liebevoll von ihrem «Swiss» redeten.
1965 verliess der erste SwissCrane das Werksgelände. Die Kranproduktion rückte in den Mittelpunkt. Die Lohnfertigung wurde zum Randgeschäft. Vertretungen des Unternehmens waren schweizweit zu finden. «Mit dem Geschäft ging es beständig bergauf, bis die Ölkrise kam», sagt Mike Bachmann. Die Ölpreiskrisen in den 1970er-Jahren schwächten das Unternehmen massiv. Die Nachfrage brach ein und man bangte, Löhne nicht mehr auszahlen zu können. «Damals fasste der Vater den Entschluss, ins Ausland zu gehen.» So erschloss man sich Märkte in der Türkei und Saudi-Arabien und konnte die Rezession durchstehen.
Bis heute arbeiten in der Bachmann AG Beringen kontinuierlich zwischen 15 und 25 Angestellte, darunter Schweisser und Schlosser, Ingenieure, Anlagen- und Apparatebauer. Auch hauseigene Monteure sowie Elektriker für die Kransteuerung und die Elektroantriebe beschäftigt die Firma. So können unter anderem Störungen der Kräne an den Baustellen direkt behoben werden. Anfang der1980er-Jahre wurde eine Tochterfirma für Kranvermietung gegründet. Dafür begann das Beringer Unternehmen, alte Kräne zurückzukaufen, arbeitete sie wieder auf und erweiterte so den Maschinenpark.
Eine Maschine für die Lebensmittelindustrie wird zum Renner
1984 begann Mike Bachmann in der Firma zu arbeiten, die er zehn Jahre später übernehmen sollte. Er war gelernter Maschinenmechaniker und hatte ausserdem gerade eine Lehre als Technischer Kaufmann absolviert. Sein Vater ermunterte ihn, bis er etwas anderes gefunden habe, doch bei ihm mitzuarbeiten. Die Arbeiten der Schlosser, die grossen Schweisskonstruktionen erschienen dem Sohn anfangs zu grob, die Werkteile zu massiv. Doch schon bald erkannte er seine Chance. Und heute besteht er darauf: «Grosse schwere Teile produzieren wir am liebsten.»
1980 wurde ein Kunde in der Firma vorstellig, der auf einer Produktmesse eine für die Fleischproduktion entworfene Maschine abgezeichnet hatte, einen Tumbler. Der Kunde wollte die Maschine modifiziert in rostfreiem Stahl nachgebaut haben. «Wir haben immer beides gemacht: Wir haben sowohl herkömmlichen Stahl verarbeitet als auch Edelstahl.» Man zeichnete eigene Entwürfe und produzierte ein Dutzend «Vakuum-Massier-Tumbler». Die Produktion des Tumblers wurde als Nebengeschäft eingestuft und der «Junior» damit betraut.
Der Tumbler wurde ein gefragtes Produkt und nicht nur in der Fleischveredelung eingesetzt. So dient er auch zum Würzen von Hähnchen, zum Salzen von Schaffellen, der Einarbeitung von Fischöl in Fischfutter und auch Nüsse können darin rundum mit Schokolade überzogen werden. Laut Mike Bachmann: «Eine Maschine mit vielen Möglichkeiten.» Sie sei abgegangen wie eine Rakete, in den besten Jahren verkaufte man hundertzwanzig Stück pro Jahr, insgesamt wohl um die tausend.
An die Halle mit den Schweissarbeiten schliesst sich die Strecke der spanabhebenden Bearbeitung an. «Wenn ein Schweissteil in ein Maschinenbauteil weiterverarbeitet wird, fallen Späne», erklärt Bachmann. An einem Werktisch schleift ein Arbeiter mit einer Flex ein Werkteil. Späne liegen ordentlich zusammengekehrt in Kisten. Vieles wird von Hand gebohrt, gefräst und geschliffen. Nicht wegzudenken sei das Bohrwerk, eine grosse Werkzeugmaschine, in die besonders wuchtige Bauteile eingespannt werden können. Die Maschine kann selbstständig sowohl bohren als auch fräsen.
Sonderanfertigungen, ausgerichtet auf spezielle Kundenwünsche
Spezielle Kundenwünsche haben das Unternehmen immer wieder vor Herausforderungen gestellt. So sollte für den Betreiber eines Open-Air-Kinos die Aufhängung für eine Kinoleinwand entwickelt werden. Dass das eine spannende Aufgabe war, bei der unter Zeitdruck auf den Punkt genau alles Hand in Hand funktionieren musste, vermittelt Mike Bachmann noch heute sehr plastisch. Pünktlich zur Kinoeröffnung wurde der Apparat aufgebaut am Zürichsee in Horn im Wasser. Die Leinwand lässt sich bei schlechtem Wetter hydraulisch einklappen. Das Pendant dazu wurde nach Sydney geliefert und steht dort neben dem Opernhaus im Meer. Auch nach Deutschland verkaufte sich die Anlage und hielt den strengen Prüfungen durch den TÜV stand. Für die Gemeinde Beringen fertigte man den Beringer Randenturm mit speziellen Gittern, durch die man nicht nach unten schauen kann.
In der Lackiererei werden mit Spritzpistolen Stahlkonstruktionen elektrostatisch mit Farbe beschichtet. Wie auf einem Drehspiess ist heute ein knallroter Kranturm eingespannt. «Der Grill», auf dem grosse Werkstücke gedreht werden können, ist eine Eigenkonstruktion.
1998 entschloss man sich für eine neue Baureihe von Kränen mit längeren Auslegern, da die Baustellen immer grösser wurden. «Ein hauseigener Monteur regte an, die Kranausleger, deren Verlängerung man bereits auf 55 m geplant hatte, noch auf 60 m zu erweitern», sagt Mike Bachmann. Zusehends sei modulares Bauen mit Fertigteilen ein Trend in der Baubranche, immer grössere und schwerere Teile, ganze Wohneinheiten gilt es zu bewegen. Gerade wenn bei grossen Kränen nicht die ganze Auslegerlänge verwendet wird, kann man ungleich höhere Lasten daran hängen. Mittlerweile sind die Ausleger 80 Meter lang.
Den letzten Kran lieferte man im Jahr 2021 aus. «Wenn wir heute einen Kran bauen würden», so Mike Bachmann, «bräuchte das ein bis anderthalb Jahre. Bei kontinuierlichem Bauen ginge es schneller. Es würde drei bis vier Monate dauern.» Sobald alle Teile hergestellt seien, sozusagen ab Lager verfügbar, benötige der Zusammenbau zwei Monate.
Momentan steht in der Firma einmal mehr die Lohnfertigung im Mittelpunkt. Man produziert vor allem Teile, die kurzfristig benötigt werden, zum Beispiel wenn unerwartet ein Kranportal gebraucht wird. In einer der Werkhallen lagern verschiedenste Ersatzteile, um Kunden schnell beliefern zu können. Sie werden laufend nachgefertigt.
Ein Artikel aus dem Magazin

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