«Wir mussten improvisieren, ­nahmen Hände und Füsse zu Hilfe»

Autor
Jeannette Vogel

Im Rahmen eines dreiwöchigen Praktikums in Schanghai hat Silvano Fuchs internationale Erfahrung gesammelt.

Die 27 Projektteilnehmer erhielten in Schanghai ein Zertifikat, auch der 18-jährige Lehrling Silvano Fuchs. Bild: zvg

Der Flug von Zürich nach Schanghai dauert 12 Stunden. Ende September reis- ten Elektronikerlehrling Silvano Fuchs und 26 weitere junge Leute aus den Kantonen Zürich, Zug und Luzern nach Asien, mit dem Ziel, ein dreiwöchiges Berufspraktikum in der chinesischen Grossstadt zu absolvieren.

Fuchs macht die Ausbildung zum Elektroniker bei BBC Bircher in Beringen. Er ist im 4. Lehrjahr. Der 18-Jährige nahm an einem Projekt von kantonalen Berufsbildungsämtern teil, mit dem die Mobilität in der Berufsbildung gefördert werden soll. Die Jugendlichen wurden im Rahmen eines Talentförderprogramms von ihren Berufsfachschulen ausgewählt. Sie sind entweder im 4. Lehrjahr oder haben die berufliche Grundbildung diesen Sommer abgeschlossen.

Projektarbeit ist in Gebrauch

Als Fuchs im Winter an der Informationsveranstaltung teilnahm, hielt sich seine Vorfreude in Grenzen, einerseits wusste er noch wenig über das Reich der Mitte, andererseits: «Fast alles, was ich in heute in den Händen halte, kommt aus China.» Noch während der Veranstaltung wendete sich das Blatt. «Ich war mir sicher, das Praktikum wird eine coole Sache.» Um vor der Abreise Chinesisch zu lernen, habe die Zeit nicht gereicht, so Fuchs. Vor Ort machte er dann aber gute Erfahrung mit dem Englisch-Chinesisch-Google-Übersetzer. Zwischendurch verständigte er sich in Chinas grösster Stadt mit Handzeichen.

Fuchs arbeitete im Agora Space, einem Coworking Space. «Wir haben dort eine Messstation entwickelt.» Der angehende Elektroniker glaubte zuerst, es handle sich um eine Art Beschäftigungstherapie, indes: «Unsere ‹Wetterstation›, sie kann sowohl den Stromverbrauch eines Gebäudes messen als auch die Internetqualität abbilden, ist in Gebrauch. Darüber freue ich mich sehr.» Die Herausforderung sei weniger das fachliche Können, so der Lehrling, sondern vielmehr der Umgang mit der begrenzten Infrastruktur gewesen. «Wir mussten häufig improvisieren, nahmen Hände und Füsse zu Hilfe. Etwas zum Löten haben wir schliesslich in einer Art Hobbyraum entdeckt.» Der «beste Nebeneffekt», so Fuchs, sei die Verbesserung seiner Englischkenntnisse: «Ich habe am Ende der drei Wochen sogar auf Englisch gedacht.»

«Seit meinem Asienaufenthalt kann ich mir ein Auslands­semester ­vorstellen.»

Silvano Fuchs, Elektronikerlehrling

Es habe Teamevents und Einblicke in chinesische Start-ups gegeben, erzählt Fuchs. Den Jugendlichen blieb auch Zeit für Sight- seeing. Der Neuhauser hat im 90. Stock eines Hochhauses Kaffee getrunken und ist mit dem Highspeed-Train in die Berge gefahren. «Zu viert haben wir dort eine Holzfabrik besichtigt.» Das Quartett hat sich vor Ort auch mit einer speziellen chinesischen Esstradi- tionen auseinandergesetzt. «Gerade als wir mit dem Essen fertig waren, wurde ein Hund geschlachtet», so Fuchs. Bei Chinas urbaner Bevölkerung werde das Essen von Hundefleisch von immer mehr Menschen als unangebracht angesehen, so Fuchs. Auf dem Land komme Hundefleisch dagegen noch häufiger auf den Tisch. «Ich bin aber ganz sicher, wir hatten Hühnchen zu Mittag.» Trotz der fremden Sitten hat der Elektronikerlehrling das Berufspraktikum in China genossen. Er werde nach seiner Lehre ein Studium absolvieren, ob Elektrotechnik oder Verkehrssysteme, sei noch offen, so Fuchs. «Seit meinem Asienaufenthalt kann ich mir auch ein Auslandssemester vorstellen. Allerdings lieber in Europa.»

Das Projekt wurde durch die nationale Agentur für Austausch und Mobilität, Movetia, mitfinanziert. Das Schaffhauser Berufsbildungsamt leistete einen Beitrag, ebenso wie die Berufsschule in Zürich. «Und von meinem Arbeitgeber habe ich drei Wochen freibekommen», freut sich Silvano Fuchs.

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