Vogelgrippe erreicht Zürichsee – Ufer von Rhein und Bodensee wird zum Beobachtungsgebiet
Nach einem bestätigten Fall von Vogelgrippe bei einer Graugans am Zürichsee hat das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) reagiert: Die Ufer von Rhein und Bodensee gelten ab sofort in einem drei Kilometer breiten Streifen als Beobachtungsgebiet.
von Till Burgherr und Elena Stojkova
In Männedorf, am Ufer des Zürichsees, wurde bei einer Graugans das Vogelgrippevirus nachgewiesen – der zweite Fall bei Wildvögeln in der Schweiz in dieser Saison. Bereits zuvor war im Kanton Bern eine infizierte Graugans gefunden worden, zudem traten Fälle am deutschen Bodenseeufer auf.
Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) erklärte daraufhin sämtliche Ufer der grossen Mittelland-Seen sowie der grossen Flüsse – darunter auch Rhein und Bodensee – zu Beobachtungsgebieten.
In Schaffhausen werden nun Geflügelhalter, die im Beobachtungsgebiet liegen, direkt angeschrieben und über die erhöhten Präventionsmassnahmen informiert, wie Kantonstierarzt Peter Uehlinger bestätigt. Ziel ist, die Ausbreitung des Virus und die Einschleppung in die Geflügelhaltung zu verhindern: Hausgeflügel soll also nicht mit Wildvögeln in Kontakt kommen. Massnahmen sind beispielsweise, Hühner getrennt von Gänsen und Enten zu halten oder den Auslauf für Hausgeflügel auf einen vor Wildvögeln geschützten Bereich zu beschränken. Eine Gefahr für Menschen besteht nicht.
Die Wahrscheinlichkeit des Auftretens der Vogelgrippe bei Wildvögeln – die Hauptüberträger sind Wasservögel – in Schaffhausen sei durch die Nähe zum Rhein und Bodensee erhöht, so Uehlinger. Tierhalter müssen Auffälligkeiten wie vermehrte Todesfälle oder Krankheitsanzeichen ihrem Tierarzt melden. «Dies gilt auch für kleine Hobbyhaltungen mit einigen wenigen Tieren.» Wer tote Wildtiere finde, solle diese nicht berühren und den Fund dem Veterinäramt oder der Polizei melden.
In die Region kommen viele Wildvögel, um zu überwintern oder um Zwischenhalt zu machen. «Dies erhöht die Gefahr für den Eintrag des Vogelgrippevirus beträchtlich», so Uehlinger. Im Moment lasse sich schwer abschätzen, ob, wie in den letzten zwei Jahren, nur vereinzelt Vogelgrippefälle festgestellt werden oder ob plötzlich massenhaft an Vogelgrippe verendete Tiere gefunden werden. Letzteres kam in der Region auch schon vor. «Wichtig ist auf jeden Fall, die Einschleppung der Krankheit in Hausgeflügelbestände zu verhindern, weshalb die korrekte Umsetzung der Biosicherheitsmassnahmen sehr wichtig ist.»