Bundesrat im Kanton: So oft besuchte Alain Berset die Region

Ralph Denzel | 
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So sah man ihn nicht oft in Bern: Berset beim Bundesratsausflug 2022 am Rheinfall. Bild: Melanie Duchene

Der auf Ende Jahr scheidende Bundesrat Alain Berset war öfter in der Region Schaffhausen unterwegs. Wir schauen auf ein paar seiner erinnerungswürdigsten Besuche.

Alain Berset tritt als Bundesrat ab. Nach drei Legislaturperioden ist für ihn Schluss. «Ich habe noch nie so lange im gleichen Job gearbeitet», sagte er an einer Pressekonferenz in Bern. Über seinen Rücktritt sagte der Bundesrat: «Wenn man weniger als acht Jahre bleibt, gibt es wohl Probleme. Wenn man länger als zwölf Jahr bleibt, hält man sich für unersetzbar. Ich habe alles gegeben, jetzt ist der richtige Zeitpunkt für den Rücktritt.» Was jetzt für den 51-jährigen Bundespräsidenten kommt, liess er offen – vielleicht wolle er mit Yoga beginnen. 

Wenn er Ende Jahr sein Amt abtritt, hat er vielleicht aber auch Zeit, den Kanton Schaffhausen öfter zu besuchen. Diesen hatte er in den elf Jahren in Bern mehr als einmal besucht. Meistens fiel der Bundesrat dabei mit trockenem Humor auf, manchmal aber auch mit kleineren Fauxpas. 

Wir blicken zurück. 

Bundesratsbesuch 28. März 2012

Der damalige «Neu»-Bundesrat Alain Berset im Gespräch mit ein Schaffhauserinnen und Schaffhausern. Archivbild: Selwyn Hoffmann

Sein erster Besuch fand 2012 statt. Berset war erst seit knapp drei Monaten Bundesrat, als er und seine Kollegen den Kanton Schaffhausen besuchten. «Alain Berset war gestern beim Publikum sehr begehrt und wird die Stadt anlässlich des Jazzfestivals erneut besuchen», schrieben die SN damals. Für den gebürtigen Freiburger eine Premiere, denn zuvor war er noch nie im nördlichsten Kanton der Schweiz gewesen, wie er zugab. «Lieber spät als nie», sagte Berset damals. 
Von allen Schaffhausern hatte Berset in den ersten drei Monaten damals am meisten Kontakt mit Parteigenosse und dem damaligen Nationalrat Hans-Jürg Fehr, den er mehrmals getroffen hatte. 

Besonders beliebt waren Selfies mit Berset bei jungen Menschen. Archivbild: Selwyn Hoffmann

Auffällig war damals, wie viele Mädchen im Teenageralter sich mit dem Bundesrat Alain Berset ablichten lassen wollten. Auf die Frage, wieso genau mit diesem Bundesrat, antworteten alle dasselbe: «Er ist so schön.»
 

Jazzfestival-Eröffnung, 2. Mai 2012

Jazz-Fan Berset eröffnete das Jazzfestival 2012. Bild: zvg

Kurze Zeit später war der Bundesrat erneut in Schaffhausen, erneut für eine Premiere: Noch nie hatte ein Bundesrat das Schaffhauser Jazzfestival eröffnet. Berset, der selbst begeisterter Jazz-Pianist ist. Dabei adelte er die Veranstaltung mit den Worten. «Wir haben einige Jazzfestivals in der Schweiz, das von Schaffhausen gehört zu den wichtigen. Diese Vielfalt zeigt, dass der Jazz in der Schweiz seinen Platz hat und es dafür ein Publikum gibt.»

Selbst in die Tasten griff er allerdings nicht: «Mir bleibt als Bundesrat nicht mehr viel Zeit, um zu üben.» Ein kleiner Fauxpas geschah dem Bundesrat damals aber ebenfalls: So verwechselte er den Vorläufer des «Stars in Town», «das festival» mit dem Jazzfestival.

Hannes Germanns Empfang als Ständeratspräsident, 27. November 2013

Alain Besert zusammen mit Hannes Germann und dessen Frau am Schaffhauser Bahnhof. Bild: Selwyn Hoffmann

Als Hannes Germann 2013 Ständeratspräsident wurde, war ebenfalls Berset mit von der Partie. In Schaffhausen würdigte er den Politiker als einen der einflussreichsten Parlamentarier. «Er ist ein pragmatischer Optimist, der sich den Realitäten stellt und das Beste daraus macht», charakterisierte Berset den neuen Ständeratspräsidenten, dem er viel Freude im Amt wünschte.

Warum dabei der SP-Politiker Berset den SVPler Germann begleitete, konnte der Bundesrat ebenfalls erklären: «Wir Bundesräte wechseln uns bei solchen Anlässen ab. Da ich Hannes Germann aus der gemeinsamen Zeit im Ständerat und aus der Kommission für Wirtschaft und Abgaben gut kenne, war es naheliegend, dass ich ihn begleite.»

Das sollte dann aber auch für lange Zeit der letzte Besuch des Bundesrates in der Region sein, von einem Vortrag im Jahr 2017 abgesehen. 

Besuch der IWC und des Impfzentrums, 17. Mai 2021

Der Bundesrat in Schaffhausen. Bild: Melanie Duchene

Die Covid-Pandemie war in ihrem zweiten Jahr, Alain Berset wohl einer der gefragtesten und auch kontroversesten Politiker der Schweiz. Wöchentlich stellte er sich in Bern den Fragen der Journalistinnen und Journalisten rund um Abstandsregelungen, Impfungen, Testungen und Lockerungen. 

Bei seinem Besuch im Kanton Schaffhausen sprach er dann vom «Schaffhauser Wunder». Er spielte damit auf eine Schlagzeile eines Artikels aus dem vergangenen Winter an, in dem der Kanton Schaffhausen wegen seiner tiefen Fallzahlen als besonders vorbildlich dargestellt wurde. «Der Kanton hat uns immer mal wieder überrascht mit seinen Fallzahlen», sagte Berset und merkte an, dass Schaffhausen ja eine grosse Pendlermobilität nach Deutschland und in andere Kantone habe.

Bundesratsbesuch, 1. Juli 2022

So sah man Berset selten: der Bundesrat im Sommerlook am Rheinfall. Bild: Melanie Duchene

Ein Jahr später sah die Welt dann schon wieder ganz anders aus: Alle Covid-Massnahmen in der Schweiz waren gekippt, der Bundesrat konnte entspannt, ohne Maske oder Abstandsregelungen, den Rheinfall besuchen.

Innen- und Gesundheitsminister Berset erhielt dabei Komplimente für seinen Kleidungsstil. Er trug Weste, Hemd, Jeans und Turnschuhe – alles farblich abgestimmt und leicht. War er schon in Sommerferienstimmung? «Die Arbeit wird nicht aufhören, aber es ist auch wichtig, dass wir einen Moment der Entspannung finden.» 

Beim Empfang auf dem St. Johann war Berset dann auch dieses Mal im Mittelpunkt: Nicolas Rimoldi, der Präsident von «Massvoll», einer Bewegung, die regelmässig die Corona-Politik der Regierung kritisierte, hatte seinen Besuch bereits im Vorfeld angekündigt.

Berset mit Nicolas Rimodli von «Massvoll». Bild: Melanie Duchene

Die Diskussionen waren hitzig, aber es blieb ruhig. 
 

Bundeszmorge in Stein am Rhein, 1. August 2022

Berset in Stein am Rhein. Bild: Roberta Fele

Einen Monat später war Berset schon wieder in der Region unterwegs. Dieses Mal ging es für ihn nach Stein am Rhein, wo er beim «Bundeszmorge» gastierte und eine Festrede hielt.

Seine Rede stand im Zeichen des Miteinanders, des Dialoges. «Wenn es heutzutage an einem nicht mangelt, dann sind es Meinungen», startete Berset und fügte hinzu: «Meinungen wachsen uns allen wie Haare. Aber sie wachsen nicht bei allen, ich meine die Haare, nicht die Meinungen.»

Danach stand er den Kollegen des SHf Rede und Antwort. 

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