Ein anspruchsvolles Jahr für den Lipo-Park

Autor
Daniel Jung

Vor zwölf Monaten wurde mit dem Möbelmarkt der Gewerbeteil des neuen Fussballstadions eröffnet. Noch sind nicht alle Fragen rund um die grosse Sportstätte gelöst.

Bald ist es ein Jahr her, dass am 24. November 2016 mit dem Möbelmarkt Lipo der erste Teil des neuen Fussballstadions im Herblingertal eröffnet wurde. Das erste Spiel des FC Schaffhausen fand dann drei Monate später gegen den FC Winterthur statt.

«Ich kann nicht verstehen, dass man uns mit je knapp 2000 Besucher so enorme Auflagen macht.»

Aniello Fontana, Präsident FC Schaffhausen

Sind die Verantwortlichen des FC Schaffhausen zufrieden mit ihrer neuen Spielstätte? «Das Stadion gefällt uns gut», sagt FCS-Geschäftsführer Marco Truckenbrod Fontana. «Wir sind im Lipo-Park zu einer heimstarken Mannschaft geworden.» Natürlich würde sich der FCS über mehr Zuschauer in der Arena mit 8200 Plätzen freuen. Der aktuelle Schnitt von knapp 2000 Zuschauern entspreche aber dem Budget. Auch die Gastteams seien ­jeweils positiv überrascht von der ­modernen und grosszügigen Infrastruktur.

Wartezeiten beim Catering

Für Unzufriedenheit bei den Matchbesuchern hatte in den ersten Monaten das Essens- und Getränkeangebot im Stadion gesorgt, wo oft lange Wartezeiten entstanden. «Hier konnten wir einige Verbesserungen erzielen», sagt Truckenbrod Fontana. Im Sektor B, wo sich die «Bierkurve» der Heimfans befindet, wurde eine zusätzliche Getränkeausgabe eingerichtet, im Sektor C konnte die Versorgung ebenfalls verbessert werden. «Wir sind froh, dass die Besucher nun schneller zu ihrem Getränk kommen», sagt der Geschäftsführer.

Strenge Brandschutzvorgaben

Zu den Engpässen beim Catering hätten auch die strengen Auflagen der Feuerpolizei bezüglich der Fluchtwege beigetragen, erklärt FCS-Präsident ­Aniello Fontana. «Es war für uns sehr schwierig, hier eine gute Lösung zu finden.» Der Bratwurstverkauf war dabei nicht das einzige Problem: Ganz generell hat der FCS im Lipo-Park klar strengere Brandschutzauflagen zu erfüllen als noch im alten Stadion auf der Breite. «Ich kann nicht verstehen, dass man uns mit knapp 2000 Besuchern so enorme Auflagen macht», sagt Fontana.

Auch er sehe die Sicherheit an erster Stelle. Jedoch werde in verschiedenen Fragen nur wenig Augenmass angewandt. «Wir sind immer noch daran, Erfahrungen zu sammeln, und versuchen, die Verbesserungen im Rahmen unserer bescheidenen finanziellen Mittel umzusetzen», sagt Fontana.

Guter Austausch mit der Polizei

Ein gutes Einvernehmen besteht heute zwischen dem FCS und der Schaffhauser Polizei. «Der Austausch zwischen unseren Sicherheitsverantwortlichen und der Polizei funktioniert gut», sagt Truckenbrod Fontana. Bei Grosseinsätzen der Polizei werden dem FCS 25 Prozent der Kosten verrechnet.

Der Schaffhauser Sicherheitsreferent Simon Stocker beurteilt die Zusammenarbeit zwischen der Stadt und dem FCS positiv. Er sagt: «Wir stehen mit den wichtigsten Akteuren in regelmässigem Kontakt.» Erkannte Probleme könnten dadurch zeitnah besprochen und entsprechende Massnahmen evaluiert werden. Einzig die Umsetzung gewisser Punkte, etwa bei der Parkierung rund ums Stadion, laufe manchmal etwas harzig, so Stocker.

Bei gewissen Spielen wird der FC Schaffhausen von der Polizei verpflichtet, Bustransporte vom Schaffhauser Bahnhof zum Stadion anzubieten. Ziel ist es, die Fangruppen auseinanderzuhalten. Diese Transporte führen die VBSH im Auftrag der Stadion Schaffhausen AG durch, die auch die Kosten trägt.

Teure Bustransporte

Darin eingeschlossen wären auch allfällige Schäden durch Fans, wie der Schaffhauser Finanzreferent Daniel Preisig erklärt. «Die VBSH und die Stadion Schaffhausen AG haben dazu einen Zusammenarbeitsvertrag unterzeichnet», so der Stadtrat. Die Anzahl der eingesetzten Busse wird von der Stadion AG jeweils anhand des erwarteten Zuschaueraufkommens festgelegt. «Die Erfahrungen mit den Fantransporten sind sehr gut», so Preisig. Es seien bisher auch keine Vandalismusschäden zu verzeichnen.

«Grundsätzlich habe ich Mühe damit, dass wir die Transporte bezahlen müssen», sagt Truckenbrod Fontana. Auch hier, so ergänzt Aniello Fontana, seien dem FCS wiederum sehr hohe Auflagen gemacht worden. «Es steht in keiner Baubewilligung drin, dass wir Busfahrten organisieren müssen», sagt er. Dennoch konnten auch bei dieser Frage für den Verein bereits Verbesserungen erzielt werden. «Wir konnten uns mit der Polizei darauf einigen, dass wir die Busse nur bei gewissen Spielen einsetzen müssen», sagt Truckenbrod Fontana.

Neue Treppen für die Haltestelle

Bei der Bahnhaltestelle Herblingen sind aktuell noch nicht alle Fragen gelöst. Weiterhin gilt hier ein interimistisches Sicherheitskonzept, bis alle baulichen Massnahmen umgesetzt sind. Im definitiven Konzept sind drei zusätzliche Treppen vorgesehen, zwei aufseiten des Stadions, eine auf der gegenüberliegenden Seite.

Das entsprechende Baugesuch wurde bereits vor mehreren Monaten eingereicht. Das deutsche «Bundeseisenbahnvermögen» forderte jedoch noch weitere Unterlagen als Voraussetzung für seine Zustimmung. Diese Unterlagen – unter anderem zur Beleuchtung und zum Blitzschutz der Treppen – werden momentan von der Baufirma Methabau erarbeitet.

«Das Bewilligungsverfahren ist hier sehr aufwendig und komplex», sagt Michael Scheiwiller, Leiter Gewerbebau bei Methabau. Er ist aber überzeugt, dass hier letztlich eine gute ­Lösung zustande kommt. «Wenn die Treppen eingebaut sind, dann ist der bauliche Teil des Sicherheitskonzepts vollumfänglich umgesetzt», sagt Scheiwiller.

Er räumt ein, dass Methabau von der komplexen Situation rund um die Bahnstation Herblingen etwas überrascht wurde – hier sind erhebliche Mehrkosten entstanden. Die Firma Fontana Invest, welcher der Stadion-teil gehört, muss zusätzlich rund 650 000 Franken an den Umbau der Bahnhaltestelle Herblingen bezahlen. «Das ist für uns eine grosse Herausforderung», sagt Fontana. Hätte der FCS diese Verpflichtung im Februar nicht unterzeichnet, hätte er keine Spielbewilligung vom Stadtrat erhalten. «Wir hatten damals keine andere Möglichkeit», so Fontana.

Auch wenn die Treppen bald realisiert sind, läuft das Sicherheitsmonitoring durch die Polizei weiter. Erst rund ein Jahr nach Fertigstellung der Aufgänge könnten dann auch andere Grossveranstaltungen wie Konzerte im Lipo-Park stattfinden, für die das Stadion bislang noch nicht zugelassen ist. «Vielleicht wäre das ab 2019 möglich», sagt Fontana. «Hier fehlen uns gewisse Einnahmen in der Kasse.» Grössere Sorgen bereiten dem FCS aber die Mehrkosten des Stadionbetriebs im Vergleich zum Breite-Stadion.

Ein Fussballgrossanlass findet aber bereits morgen Freitag im Lipo-Park statt: ein WM-Qualifikationsspiel der Schweizer Damen-Nationalmannschaft. Ab 19 Uhr treffen die Fussballerinnen auf Weissrussland.

Verkauf des Kopfbaus geplant

Der Gewerbeteil des Stadions ist im Besitz der Firma Methabau, die das ganze Projekt realisiert hat. Zuletzt hat dort die Firma Regus sogenannte Co-Working-Arbeitsplätze eröffnet – Büroräume, die tageweise gemietet werden können. Mitte September hat zudem das Fitnesscenter Clever-Fit eröffnet, das erfolgreich gestartet ist. «Damit sind jetzt fast 95 Prozent der Flächen vermietet», sagt Michael Scheiwiller von Methabau. Mit dem Mietstand ist er zufrieden.

Langfristig will die Firma die Immobilie aber verkaufen. «Wir haben hier keinen Zeitdruck und stehen noch nicht kurz vor einem Abschluss», sagt Scheiwiller. Methabau sei daran, ein sauberes Paket zu schnüren, um einen nachhaltigen Verkauf zu realisieren. Ein genauer Zeitplan steht dabei noch nicht fest.

Daneben führt die Firma Mieterausbauten und letzte Arbeiten am Stadion durch. «Für den Fussball würden auch wir uns wünschen, dass noch ­etwas mehr Zuschauer zu den Spielen kommen», sagt er. Denn er sei überzeugt, dass der Lipo-Park ein sehr gelungenes Stadion sei: «Wir sind stolz auf das Bauwerk», sagt er.

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