Hilfe für Betroffene von häuslicher und sexueller Gewalt: Forensic Nurses nun auch in Schaffhausen
Wer kümmert sich um Opfer von sexueller oder häuslicher Gewalt, wenn Opferberatungsstellen geschlossen sind? Der Kanton Zürich setzt auf Forensic Nurses, die Spuren sichern, beraten und vermitteln. Nun führt auch Schaffhausen den Dienst ein.
Die Schweiz hat das Übereinkommen des Europarates zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt, die Istanbul-Konvention, bereits vor mehr als zehn Jahren unterzeichnet. In der Folge hat der Regierungsrat den Kantonalen Aktionsplan zur Umsetzung der Istanbul-Konvention 2022–2026 verabschiedet, welcher den Zugang zu geeigneten Schutz- und Unterstützungsangeboten für Gewaltbetroffene sicherstellen soll. Ein Bericht zeigte kürzlich auf, dass der Kanton auf einem guten Weg ist, aber noch einiges an Handlungsbedarf besteht.
Beispielsweise war es Betroffenen von häuslicher Gewalt bisher gar nicht und Betroffenen von sexualisierter Gewalt nur eingeschränkt möglich, sich nach erlebter Gewalt ohne Anzeige bei der Polizei forensisch untersuchen zu lassen und hierbei dokumentierte Verletzungen und sichergestellte Spuren für eine allfällig spätere Strafverfolgung gerichtsverwertbar aufbewahren zu lassen. Diese Lücke konnte nun mit der Einführung des «Aufsuchenden Dienstes Forensic Nurses» geschlossen werden, schreibt der Kanton in einer Mitteilung.
Mehr Anzeigen als zuvor
Der «Aufsuchende Dienst Forensic Nurses» wurde im Frühling 2024 als Pilotprojekt am Institut für Rechtsmedizin der Universität Zürich gestartet und schnell wurde klar: Die Nachfrage ist da. 2025 lag sie mit 512 Fällen klar über den Erwartungen. In 13 Prozent der Fälle wurde nachträglich eine Anzeige erstattet, was im Vergleich zu früheren Zeiträumen ein hoher Wert sei, heisst es in der Mitteilung. Auch eine Evaluation der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW hebe hervor, dass das Angebot einen klaren Mehrwert bietet. Daher wird der «Aufsuchende Dienst Forensic Nurses» per 1. Januar 2027 im Kanton Zürich auch in den Regelbetrieb überführt.
Wie der Dienst genau funktioniert, können Sie in folgendem Artikel nachlesen:
Mit dem Abschluss einer entsprechenden Leistungsvereinbarung zwischen der Universität Zürich und dem Departement des Innern kann das Angebot des «Aufsuchenden Dienst Forensic Nurses» nun auch im Kanton Schaffhausen genutzt werden. «Damit konnte ein fachlich und qualitativ hoch kompetenter Anbieter zur Umsetzung der Massnahmen des Kantonalen Aktionsplans zur Umsetzung der Istanbul-Konvention gewonnen werden», heisst es in der Mitteilung.
Für Betroffene kostenlos
Betroffene von häuslicher oder sexualisierter Gewalt, welche primär keine Anzeige bei der Polizei erstatten, jedoch eine Befund- und Spurensicherung wünschen, können rund um die Uhr die Notfallstation des Kantonsspitals Schaffhausen aufsuchen. Zudem ist vorab auch eine kostenlose telefonische Beratung (+41 80 009 09 09) möglich. Sämtliche durch die Mitarbeitenden des «Aufsuchenden Dienstes Forensic Nurses» erhobenen Befunde und sichergestellten Spuren werden anschliessend für die nächsten 15 Jahre am Institut für Rechtsmedizin der Universität Zürich für eine allfällige spätere Auswertung aufbewahrt. Die Inanspruchnahme des Dienstes inklusive der Aufbewahrung der sichergestellten Spuren ist für die Betroffenen kostenlos. Der Kanton Schaffhausen übernimmt im Rahmen der Leistungsvereinbarung die jährlich anfallenden Kosten von rund 95'000 Franken.

