Es bebt am Fusse des Reiats
Die «Drachä Brunnä Chrächzer» erschütterten wieder einmal so richtig Thayngen. Ab Mittwoch stand der Narrenbaum im Zentrum des Dorfes. Das bedeutete vier Tage Thaynger Fasnacht mit Kinderumzug und Besuch von über 40 Guggen-Gruppen am Samstagnachmittag.
Es waren die 15 «Narrenbäumler», die den langen Baum auf ihren Schultern zum Kreisel vor die Bibliothek getragen hatten, musikalisch unterstützt von der Kinderguggenmusik «Drachä Brunnä Quiiitscher». Bald war der Narrenbaum gestellt, und es regnete Konfetti aus fast 20 Metern Höhe über die unzähligen jubelnden Familien mit gegen 400 maskierten Kindern. Ab jetzt regierten die Fasnächtler das Dorf. Auf der Bühne des Reckensaals tobte bald eine Konfettischlacht, danach wurden im Rahmen des Kindermaskenballs die besten Kostüme ausgezeichnet.
Bis zum Donnerstagabend war der Reckensaal in eine Alphütte verwandelt. Multimusikant Chris Metzger versetzte seine Fans so richtig in Festlaune. Diese waren, wie es die langjährige Thaynger Fasnachtstradition verlangt, im Nachthemd, Pyjama oder einem Trainer zum «Hemdglunggi» erschienen, damit sie sich nach dem Feiern direkt in ihre Betten plumpsen lassen konnten. Somit waren die Thaynger endgültig in Stimmung versetzt für den eigentlichen Höhepunkt ihrer Fasnacht, den grossen internationalen Umzug am Samstagnachmittag.
Feiern bis in die Morgenstunden
An jenem Morgen wurden die Guggendelegierten von nah und fern im «Drachä-Chäller» beim Schulhaus empfangen. Das Personal im Café «Beck vo de Biber» hatte bald schon alle Hände voll zu tun, wurde doch das kleine Lokal «guggenweise» heimgesucht, die mit Köstlichkeiten versorgt werden wollten. Kurz vor 15 Uhr war Aufbruch zum Umzug. Dann war der Teufel los und das im wahrsten Sinne des Wortes.
Über 40 Gruppen mit über 1000 Teilnehmenden setzten sich lautstark in Bewegung. Darunter waren «gfürchige», lärmige Gestalten. Viele Hexen, die Süssigkeiten verteilten oder wild mit Konfetti um sich warfen; nicht zu vergessen die ohrenbetäubend Paukenden und Musizierenden. Wer dem Lärm und der bunten Hinterlassenschaft des Umzuges folgte, landete unweigerlich dort, wo nun die Luft vibrierte, wo es nach Suppe, Steaks, Raclette und Kaffee duftete. Gegen Abend wankten dort auch ganz grosse, meist geschlossene Anhängerwagen seltsam auf und ab, hin und her. In diesen Guggen-Wagen wurde jetzt, zu lauter Musik, ausgelassen die Fasnacht tanzend gefeiert.
«Um 22 Uhr verstummen die Boxen», versicherte OK-Präsident Luciano Trani, «Nachtruhe wird einkehren.» Nicht aber im Reckensaal, wo ein DJ noch lange für Stimmung sorgte. Um Mitternacht wurden die «Drachä Brunnä Chrächzer» im Saal nochmals bejubelt. Dort und im «Drachä-Chäller» wurde noch lange gefeiert bis weit in die Thaynger Morgenstunden hinein.