Influencer «Bireweich» steht wegen Diskriminierung vor Gericht: Anwalt beantragt Freispruch und Entschädigung

Fabienne Jacomet | 
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Weil er die Spieler der Schweizer Fussballnationalmannschaft beleidigte, wurde Influencer Mirco Casorelli, der auf Social Media als «bireweich» bekannt ist, wegen Diskriminierung und Aufruf zu Hass angeklagt. Im Vorfeld der Verhandlung rief er zu Demonstrationen vor dem Schaffhauser Kantonsgericht auf. Wir sind vor Ort und berichten live aus der Verhandlung.

Ticker

09:34
Fazit der angereisten Supporter

Stefan und Eva kommen nach dem ersten Teil der Verhandlung auf ein Gespräch vorbei. Es sei sehr spannend gewesen, sagt Stefan. Noch habe er aber nicht mit Eric Weber sprechen können. Er lässt aber durchblicken, dass er gerne ein Video mit Weber drehen würde – für die eigene Social-Media-Reichweite. Der 21-Jährige fühlt sich zudem inspiriert: Er möchte eines Tages gerne im juristischen Bereich arbeiten, sagt er. Eva hat derweil gerade Bescheid erhalten, dass sie ihren Lehrabschluss bestanden hat.

09:33
Verhandlung wird unterbrochen

Die Anhörung ist vorbei, das Gericht zieht sich zur Beratung zurück. Um 11:45 Uhr geht es weiter.

09:31
Hat ein Spieler Casorelli anzeigen wollen?

Ein Blick auf die Anzeigeschrift. Ein Spieler habe sich scheinbar beim SFV gemeldet, worauf eine Anzeige stattgefunden habe, so Haefelin. Doch diese Darstellung erweise sich als falsch. Denn aus einem Nachrichtenverlauf eines Chats, den der Anwalt vorliegen habe, gehe hervor, dass der Spieler sich gar nie beklagt habe.

09:26
Blick auf die Geschichte des Angeklagten

Der Hintergrund seines Mandanten sei eindeutig, so Haefelin. Sein ganzes Leben sei er als «Tschingg» und «Spaghettifresser» bezeichnet worden. Er habe also selbst Erfahrungen mit Rassismus gemacht.

Sein bester Freund sei Albaner. Seine Frau Saskia stamme aus Sri Lanka. Wäre Casorelli Rassist, wäre das alles nicht der Fall, so Haefelin. Zudem bezeichne der Angeklagte seine Freunde oft als «gfürchige Gestalt» und sie ihn dafür als Käse. Wäre dies ernst gemeint, würde keine Freundschaft bestehen, sagt der Anwalt.

09:19
SFV hätte sich besser informieren müssen, sagt der Anwalt

Casorelli habe sogar auf Kommentare unter seinen Videos geantwortet und erklärt, dass es sich dabei um Satire handle. Wenn er seine Aussagen ernst gemeint hätte, so der Anwalt, hätte er nicht auf solche Kommentare geantwortet. Zudem hätte er auch nicht auf Kommentarschreiber geantwortet, die sagten, er habe recht. Diesen habe er stets klargemacht, dass er kein Rassist sei.

Er habe nicht erreichen wollen, dass Hass verbreitet werde. Er habe nur aufzeigen wollen, wie absurd es sei, wie jemand sich so aufrege, wenn Fussballspieler die Hymne nicht mitsingen. Er sei davon ausgegangen, dass sich Konsumenten informieren, woher die Videos stammen. Und vom SFV hätte er erwartet, dass dieser vor der Anzeige andere seiner Videos konsultiert und im Gesamtkontext betrachtet.

Zudem fänden Menschen aus dem Balkan oder vom afrikanischen Kontinent die Videos lustig.

09:09
Anwalt beantragt Freispruch

Damit ist die Beweisaufnahme abgeschlossen. Anwalt Haefelin beantragt Freispruch und Entschädigung für Casorelli. «Fakt ist, dass Mirco Casorelli unter seinem selbstironischen Pseudonym die rassistischen Aussagen einer anonymen Drittperson parodiert hat.» Er habe diese Art von Mensch übertrieben dargestellt und sich damit über diesen Menschen lustig gemacht. Wenn Karikatur nicht geschützt werde, bedeute das das Ende der Kunst- und Medienfreiheit, so Haefelin.

Die Menschenwürde werde nur dann verletzt, wenn einer Personengruppe die Gleichwertigkeit als menschliches Wesen abgesprochen wird. Einzelne Äusserungen dürften dabei nicht aus dem Gesamtzusammenhang gerissen werden. Äusserungen, die in politischen Debatten gemacht werden, seien nicht strikt an ihrem Wortlaut zu messen, weil sie stark vereinfacht und verkürzt würden. Die Kritik einzelner Verhaltensnormen von Personengruppen verletze die Menschenwürde nicht per se.

Casorelli habe als Comedian diese Personengruppen nicht herabgewürdigt. Dem durchschnittlichen Konsumenten des Contents von Casorelli müsse es klar sein, dass es sich dabei um Parodie handle. Die Staatsanwaltschaft unterstelle dem Konsumenten, er sei dumm und könne Satire nicht erkennen, so Haefelin.

09:07
Satire gross auf dem Profil

Das eine sei, wie er es gemeint habe, das andere aber, wie es verstanden werde, sagt die Richterin. «Auf meinem Account ganz oben steht, dass ich Satire betreibe», sagt Casorelli. Das sei eindeutig.

09:01
Eigentlich sei es Rassismus gegen Schweizer

«Ich mache mich lustig über die Schweizer Bünzli.» Es gehe eigentlich genau gegen jene, die rassistisch gegenüber der Schweizer Nati seien. Diese Personen parodiere er. Dann müssten ja auch Schauspieler angezeigt werden, sagt Casorelli. Nachdem er Hasskommentare erfahren hat, habe er nicht aufgehört, weil er von Freunden ermutigt wurde, dass er diese Bünzli-Rolle so gut spielen könne.

Aber es habe ja auch Schweizer gegeben, die die Hymne nicht gesungen haben, sagt die Richterin. Die habe er ausgelassen. «Die haben alle gesungen», sagt Casorelli. Er sei sich ziemlich sicher. Und falls einer nicht gesungen hätte, hätte er dort auch negativ kommentiert.

Es löse in ihm keine Emotionen aus, wenn die Schweizer Nati spiele. Er interessiere sich für die italienische Nati. «Von mir aus können alle elf Spieler den Doppeladler zeigen und nicht singen, es ist mir egal.» Er habe einfach lustig sein wollen.

08:54
«Wieso ist niemand hier, der sich angesprochen fühlt?»

«Aufruf zu Hass ist ein ernstes Thema», sagt Casorelli zu seiner Verteidigung. Es sei ein Missverständnis, er habe diese Dinge nicht so gemeint. Er glaube, der SFV wolle einfach ein Zeichen gegen Rassismus setzen. Und nun sitze er hier, obwohl er das offensichtlich nicht so gemeint habe. «Und den SFV scheint es auch nicht zu interessieren, es ist ja niemand von denen da. Wieso ist niemand hier, der sich angesprochen fühlt?»

Wieso man Satire erkennen müsse, wenn man Casorelli nicht persönlich kenne, fragt die Richterin. «Es ist ja so überspitzt, dass man es sehen muss», sagt er. Er habe beispielsweise nie das N-Wort gesagt und nie einzelne Ethnien hervorgehoben. Genau aus diesem Grund. Zudem wehrt er sich gegen den Vorwurf, dass er direkt auf dunkelhäutige Spieler herangezoomt hätte. Das stimme nicht, er habe auch auf weisse Spieler gezoomt. Er selbst sei auch immer als «Tschingg» beschimpft worden.

Es sei schwierig zu beurteilen, wieso die Zuschauerinnen und Zuschauer nicht verstehen würden, dass es überspitzt gemeint gewesen sei. Er habe deshalb auch die Art und Weise, wie er die Videos gefilmt hat, angepasst. Am Anfang sei er nicht mit seinem Gesicht aufgetreten. In späteren Videos habe er dann sich selbst auch gefilmt, damit die Leute sehen, dass er eine andere Person imitiert. «Ich heisse Bireweich auf Social Media. Nicht Urs Hugentobler. Da müsste man doch auch merken, dass ich das nicht ernst meine.» 

Die Mehrheit der Leute, die die Videos sehen, würde ihn verstehen, sagt er. Das zeigten die Kommentare unter seinen Videos.

08:52
Verlesung des Strafbefehls führt zu Gelächter im Saal

Bei der Verlesung des Strafbefehls verwirft Casorelli die Hände. Und auch auf den Zuschauerrängen hagelt es Gelächter, als vorgelesen wird, wie Casorelli in seinen Videos Dinge sagte wie «der isst sicher Kebab zum Zvieri». Casorelli dreht sich zur Zuschauertribüne um und gibt ein Zeichen, sich bitte zusammenzureissen. Doch das Gelächter geht weiter.

08:49
Drei Vorstrafen im Strafregister

Die Richterin erinnert Casorelli daran, dass er schon drei Vorstrafen hat: Dabei ging es um ein Verkehrsdelikt, Waffenbesitz und Betäubungsmittel. Beim Verkehrsdelikt ging es um einen Halt in einem Tunnel, er habe kein Benzin mehr gehabt. Beim Waffenbesitz um Schreckschusspistolen, die er zu Hause gehabt hat. Die letzte Strafe sei wegen Kiffen gewesen. «Ich kiffe aber seit acht Jahren nicht mehr.» Sei das alles, fragt die Richterin. Alles, von dem er wisse. «Und jetzt diese SFV-Sache», sagt Casorelli und lacht.

08:45
Die Sache mit den Einbussen

Der Influencer verdient sein Geld mit Kooperationen und Werbung für einen Süssigkeitenladen. Etwa 8000 Franken verdiene er pro Monat. Es variiere eben stark, und genau das sei jetzt zum Problem geworden. Wegen des Falls habe er massive Einbussen erfahren. Wenn er gewusst hätte, was mit seinen Videos geschieht, hätte er sich darin anders ausgedrückt, sagt er. «Eine Anklage kommt bei den Firmen nicht gut an.»

08:43
«Es ist eine Gerichtsverhandlung, kein Zirkus»

Die Richterin mahnt die anwesenden Zuschauerinnen und Zuschauer, dass sie sich benehmen sollen. Wenn dies nicht geschehe, würden polizeiliche Massnahmen ergriffen. «Es ist eine Gerichtsverhandlung und kein Zirkus.»

08:42
Die Verhandlung beginnt

Jetzt geht der Prozess los. Die Staatsanwaltschaft verzichtet auf Anwesenheit. Auch vom SFV ist niemand da.

08:34
Im Gespräch mit Mirco Casorelli

Der Influencer nimmt sich kurz Zeit für ein Gespräch. Es sei lächerlich, dass er sich für seine Videos nun vor Gericht verantworten müsse. Er vermute, dass es keinen Freispruch geben werde und sagt, er ziehe auf jeden Fall weiter, so wie es sein Anwalt bereits bestätigt hat. Es gehe ihm dabei auch nicht um die Busse, die er bezahlen müsste. «Das interessiert mich nicht.» Es sei der Imageschaden und die Künstlerfreiheit.

Eric Weber dreht derweil seine Runden bei den anwesenden Journalisten und ruft «Free Bireweich». Im Gespräch sagt er nochmals, dass es eine Frechheit sei, dass man seine Meinung nicht äussern dürfe. Casorelli habe doch recht.

Influencer "Bireweich" (Mirco Casorelli) muss sich vor dem Schaffhauser Kantonsgericht verantworten., v.l. Mirco Casorelli, Eric Weber - Grossrat Basel-Stadt, Freitag, 19.06.2026, Schaffhausen (Roger Hofstetter/Schaffhauser Nachrichten)
Der rechtsextreme basler Politiker Eric Weber stellt sich hinter Casorelli. Bild: Roger Hofstetter

Darauf angesprochen, dass auch Weber denkt, er meine seine Videos ernst, sagt Casorelli, er werde Weber gerne sagen, er solle aufhören, solche Dinge zu sagen. Er wolle nicht recht haben, es sei schliesslich Parodie. Gleichzeitig witzelt er mit anderen Supportern, dass er der Rassist sei, «passt auf, ich bin Rassist».

Nur weil er sich mit Personen wie Weber abgebe, heisse das nicht, dass er mit ihnen einig sei. Bei Anwalt H. sei es genau gleich. Er zeigt auf die anwesende Menschenmenge: «Die haben vielleicht alle irgendwie Dreck am Stecken.» Das heisse nicht, dass er nicht mit ihnen reden könne. Mit H. kollaboriere er wegen der Einnahmen. Er lebe halt vom Influencen. Zudem seien wegen der Anzeige des SFV viele Firmen abgesprungen.

08:17
Casorelli will notfalls bis vors Bundesgericht

Noch bevor die Verhandlung begonnen hat, macht Casorellis Verteidiger Walter M. Haefelin klar: Notfalls gehen sie bis vors Bundesgericht. Einen eventuellen Schuldspruch des Schaffhauser Kantonsgerichts würden sie nicht akzeptieren und das Urteil stattdessen an die nächsthöhere Instanz weiterziehen.

08:07
Reges Treiben und prominente Unterstützung vor dem Kantonsgericht

Kurz vor dem Beginn der Verhandlungen haben sich diverse bekannte Personen vor dem Schaffhauser Kantonsgericht eingefunden: Neben Mirco Casorelli und Eric Weber ist auch der als Rash Junior bekannte Influencer Rash Junior Zamorano aufgetaucht. Diverse Schaulustige beobachten das rege Treiben am Freitagmorgen.

Mirco Casorelli (2. v.l.) und Eric Weber (rechts) unterhalten sich vor dem Schaffhauser Kantonsgericht. Bild: Fabienne Jacomet
Der als Rash Junior bekannte Influencer Rash Junior Zamorano (Mitte) gehört scheinbar ebenfalls zu den Unterstützern von Casorelli. Bild: Fabienne Jacomet

 

08:12
Gespräch mit zwei Supportern des Influencers

Bereits im Zug von Winterthur nach Schaffhausen sitzen zwei junge Menschen, die für den Prozess in die Stadt kommen. Einer davon ist Stefan. Er sei selbst ein Influencer, sagt er, und verfolge Casorelli schon lange. Für ihn ist klar, dass dieser nur Spass mache, und er findet, es gelte auf Social Media auch Kunstfreiheit. Diese solle nicht eingeschränkt werden. Bezüglich der Verbindung zu Eric Weber meint er, es sei zwar verwerflich, wie sich dieser äussere, aber er sei halt ein Meme und eine lustige Persönlichkeit. Stefan sei überhaupt nicht einverstanden mit Webers Aussagen, und er wolle ihn auch darauf ansprechen. Aber für ihn sei auch zu wenig klar, wie Rassismus zu definieren sei und wann etwas strafbar ist. Auch deshalb könne es spannend sein, was bei der Verhandlung rauskomme. Und was, wenn das Gericht das Urteil der Staatsanwaltschaft bestätigt? Supportet er Casorelli dann weiterhin? «Ich weiss es noch nicht.»

Mit Stefan im Zug sitzt Eva. Auch sie findet, es gebe wichtigere Themen, mit denen sich die Gerichte befassen sollten. Und im Übrigen auch der SFV: «Die sollen sich besser mal für die Sicherheit der Fans in den Stadien einsetzen.» Auch sie findet Eric Webers Aussagen nicht in Ordnung. Aber man müsse verstehen, dass er halt eine Internetsensation geworden ist und die Ausschnitte seiner Aussagen, die zu Memes geworden sind, seien halt lustig. So sei es auch bei anderen problematischen Persönlichkeiten, bei denen Bilder oder einzelne Aussagen viral gingen. Wenn sie lustig seien, hinterfrage man die Person als Ganzes nicht mehr.

07:55
Rechtsradikaler Politiker setzt sich für Casorelli ein

Eric Weber war aber nicht nur Gast in Casorellis Podcast. Er zeigt sich auch mit einem «Free Bireweich»-Schild in dessen Videos. Er fordert, dass Casorelli freigesprochen wird und will heute vorbeikommen. Genauso wie der Influencer «dewinterhurer» alias Adrian Moucharfiech, der auch die Seite «Szene isch Winti» betreibt.

In einem Mail an die SN-Redaktion schreibt Weber, dass die «Free Bireweich»-Schilder seine Idee gewesen sind. Er erwarte, dass auch Follower von Casorelli mit solchen Schildern auftauchen. Er rechne mit 250 Menschen, schreibt er. Und auch Milieu-Anwalt H. solle zugegen sein. Diesem ist bis im Februar 2027 ein Berufsverbot auferlegt worden. Er ist in den Fall Fabienne W. verwickelt, bei dem noch immer die Gerichtsverhandlung aussteht.

Casorelli ist immer wieder in Videos von H. zu sehen und bewirbt dessen Firma. Auch auf seiner Website macht Casorelli Werbung für die Firma des Anwalts. Dafür wurde er von einigen seiner Follower kritisiert. Gegenüber den SN erklärte er: «Ich mache das wegen des Geldes, nicht um H. zu unterstützen. Und ich will ihn auch nicht in Schutz nehmen.» Pro Video kassiert Casorelli eine ordentliche vierstellige Summe. 

 

07:45
Provokation im Vorfeld der Verhandlung

Casorelli sagt, die Videos seien reine Parodie gewesen. Er habe lediglich einen typischen «Schweizer Bünzli» imitiert, der die Spieler der Nationalmannschaft, welche nicht mitsingen und einen Migrationshintergrund haben, kritisiere. Er sei es leid, das immer wieder zu erklären, sagt er in einem Video. Wie sei es so schwer, das zu verstehen. Er habe das schon als kleiner Bub mit seinen Freunden auf dem Pausenplatz gemacht. Es sei ihm doch egal, wer von wo stamme und wer die Hymne singe und wer nicht. Zudem störe es ihn, dass manche Leute sagen, er habe mit seinen Videos recht. Es sei nur Parodie, er meine das nicht so und er wolle nicht, dass seine Follower denken, er sympathisiere mit Menschen, die solche Gedanken haben.

Während Casorelli erklärt, er habe massiven Imageschaden erlitten, provozierte er im Vorfeld der Verhandlung aber weiter. So lud er den rechtsextremen und mehrfach wegen Rassendiskriminierung verurteilten Basler Grossrat Eric Weber in seinen Podcast ein und postet Videos mit Weber, in denen dieser diverse rassistische Aussagen macht. Wie beispielsweise, es komme «zu viel Dreck aus Afrika» in dieses Land. Casorelli antwortet auf diese Aussagen in jedem Video, dass er sich davon distanziere. Aber reicht das?

Die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus (EKR) beschäftigt sich mit solchen Themen und hat die Videos von Casorelli analysiert. Gegenüber den SN schreibt die EKR, dass eine Distanzierung im Gesamtkontext beurteilt werden muss. «Wie ernsthaft die Distanzierung gemeint ist, lässt im Kontext des ganzen Videos Raum für Interpretation. Eine Distanzierung, die nur zum Zweck der Abwendung allfälliger rechtlicher Konsequenzen abgegeben wurde, ist vermutlich nicht ernst gemeint», so die EKR. «Hinzu kommt, dass das Video mitsamt den problematischen Aussagen veröffentlicht wurde. Grundsätzlich hätten rassistische Aussagen vor der Veröffentlichung auch herausgeschnitten werden können. Sofern die Aussagen im Video als strafbar beurteilt werden, stellt sich tatsächlich die Frage, ob sich auch die Person strafbar macht, die das Video mitsamt den fraglichen Inhalten veröffentlicht hat.»

 

 

19.06.2026, 07:30
Von der Staatsanwaltschaft bereits verurteilt

Heute muss sich Mirco Casorelli, besser bekannt als «bireweich», vor dem Schaffhauser Kantonsgericht verantworten. Der 40-jährige Schaffhauser Influencer wurde von der Staatsanwaltschaft 2024 verurteilt, weil er sich in seinen Videoreihe «Singkontrolle» rassistisch über Spieler der Schweizer Fussballnationalmannschaft geäussert hat. So bezeichnetet er Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri als «Schachtelgrinde». Zudem bezeichnete er Spieler afrikanischer Abstammung als «gfürchigi Gstaltene», während er Spieler mit heller Hautfarbe dagegen mit den Worten «schöni blondi Höörli» kommentierte. Casorelli wehrte sich gegen die Verurteilung, weshalb es heute zur Verhandlung kommt. Seine Begründung: Er habe durch seine Verurteilung «massiven Imageschaden» erlitten, es gebe viele Firmen, die nicht mit ihm zusammenarbeiten wollten. Ihm droht eine Busse sowie ein Eintrag im Strafregister.

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