WM bedeutet wiederkehrendes Tippspiel-Trauma

Fabienne Jacomet Fabienne Jacomet | 
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France's Kylian Mbappe (10) celebrates after scoring their third goal during the World Cup Group I soccer match between France and Senegal in East Rutherford, N.J., near New York, Tuesday, June 16, 2026. (AP Photo/Steve Luciano)
Kylian Mbappé war in der 1. Halbzeit gegen Senegal blass – und hielt meine Hoffnung auf einen gelungenen Tipp so ziemlich lange hoch. Bild: Keystone

An jedem Fussballturnier wird fleissig getippt. Für Fussballfreunde resultiert daraus oft eine Blamage – und Fussballneulinge trumpfen auf.

Frankreich gewinnt den Titel. Das behaupte ich vor jedem Turnier, das «Les Bleus» spielen – und zwar immer. Seit ich zum ersten Mal einen der Tipp-Zettel ausgefüllt habe, die bei meiner Mutter in der Firma ausgeteilt wurden. Das war noch bevor Zinédine Zidanes berühmter Kopfnuss gegen Marco Materazzi im WM-Final 2006. Das analoge Tippspiel wurde mittlerweile abgeschafft – aber online tippe ich weiter mit, weil es einfach dazugehört.

Wer nun denkt, ich hätte deshalb darauf getippt, dass Frankreich sein erstes Spiel gegen Senegal gewinnt, liegt falsch. Und genau das ist das Problem. Ich toleriere Fussball nicht nur, ich liebe ihn – und denke beim Tippen zu viel nach. Wenn ich bei meinen «Analysen» also sehe, wie sich Frankreich in der Vorbereitung gegen vermeintlich schwächere Gegner abmüht und mal wieder interne Mini-Streitereien dominieren, während Senegal liefert und als absolute Einheit auftritt, tippe ich auf ein 1:1. Immerhin kriege ich dafür einen Punkt, weil Senegal ja auch ein Tor geschossen hat.

Wie kann es sein, dass ich jedes Mal falsch tippe, frage ich mich, wenn ich morgens jeweils auf die Rangliste im Tippspiel schaue. Und ich wünsche mir die analoge Zeit zurück: Damals hätte ich nicht vergleichen können. Aber jetzt rutsche ich, die während der Liga-Saison beinahe jedes Wochenende im Fussballstadion anzutreffen ist und sich kaum ein grosses (und auch kein kleines) Spiel entgehen lässt, in der Rangliste immer weiter ab: Saudi-Arabien vs. Uruguay? Falsch getippt. Gut, vielleicht muss ich akzeptieren, dass die besten Zeiten von Uruguay vorbei sind. Aber jeder andere Fussballromantiker hat hier wohl ähnlich getippt wie ich. Trotzdem schaffe ich es gekonnt, bei allen Spielen falsch zu liegen.

«Immerhin sind die Kollegen von der Sportredaktion mit ihren Tipps auch nicht so erfolgreich.»

 

Die hingegen, die einfach wild drauflos tippen, ohne vorher auch nur einen Match gesehen zu haben, sind erfolgreich. Das wiederholt sich Turnier für Turnier. Soll ich meine Strategie anpassen? Vielleicht einfach immer das Gegenteil von dem tippen, das ich eigentlich erwarte? Habe ich auch schon mal probiert – und natürlich ging es in die Hose. Deshalb habe ich mich für einmal entschieden, meine Tipps für die kommende zweite Runde nicht anzupassen. Ich füge mich meinem Schicksal als Fussball-Aficionada und gleichzeitig schlechteste Tipperin im Unternehmen.

Immerhin bleiben mir ein paar Trostpflaster: 1. Die Kollegen von der Sportredaktion sind mit ihren Tipps auch nicht so erfolgreich. 2. Diese Art von Tippen kostet nichts und macht trotzdem Spass. 3. Ich kann immer noch recht haben, wenn ich sage, Frankreich wird Weltmeister.

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