Diese Hallauer Firma sorgt für Rutschspass im Sommer
Die Firma Klarer Freizeitanlagen AG in Hallau sorgt regelmässig im Sommer dafür, dass Bäder noch mehr Spass machen: Seit mehr als 40 Jahren baut diese Wasserrutschen – und hat noch einige Ideen für die Zukunft in petto.
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In diesem Gebäude, im Industriegebiet von Hallau, soll also «Spass gebaut» werden? Von aussen sieht man davon ehrlicherweise erst mal wenig. Das mit weissem Profilblech verkleidete Firmengebäude wirkt so unscheinbar, dass wir selbst nochmals schauen müssen, ob dies der richtige Ort ist. An einer Glastür finden wir dann die Aufschrift «Klarer Freizeitanlagen AG». Mit dieser dürfte jede und jeder, der einmal in einem Wasserpark war, in Berührung gekommen sein – entweder direkt auf dem eigenen Hintern oder in einem Reifen.
Seit über 40 Jahren baut die Firma aus Hallau Wasserrutschen und hat dabei schon die eine oder andere Weltneuheit entwickelt.
Vom Schneider zum Rutschenbauer – dank Kindern
Die Räume, in denen «Rutschenträume» wahr werden, wirken wenig spektakulär und könnten ein x-beliebiges Büro sein. Mehrere Raumteiler stehen vor den Schreibtischen, an denen gearbeitet wird, ein grosser, schwarzer Hund hat es sich auf dem Boden bequem gemacht und hebt desinteressiert den Kopf, als wir eintreten. Was aber nicht viele Firmen haben, sind die Auszeichnungen, die in den Raumteilern zu finden sind: Dort findet man mehrere Preise für besonderes Rutschen-Design. Direkt am Eingang zu den Büroräumen entdecken wir ein Zertifikat des Guinness-Buchs der Weltrekorde für den Rekord, die längste Indoorwasserrutsche der Welt gebaut zu haben, die «Magic Eye» in der Therme Erding.
Co-Geschäftsführer Stefan Klarer begrüsst uns und führt uns in einen Besprechungsraum. An den Wänden findet man Bilder von lachenden Menschen, die, wie sollte es anders sein, Rutschen hinuntersausen.
«Gegründet wurde die Firma von meinem Vater», erinnert sich Klarer, der diese jetzt in zweiter Generation zusammen mit seiner Schwester Claudia führt. Dieser war eigentlich Schneider, kam aber irgendwann mit Glasfaser in Kontakt und hat sich darauf spezialisiert. Erst nutzte er dieses Material nur für Bauern in der Region, ehe er eines Tages eine Anfrage für eine Rollschuhbahn bekam. «Wir Kinder haben damals jeden Donnerstag in der Produktion mitgearbeitet und mussten die Bahnen polieren», so Klarer. Wie Kinder nun mal sind, habe man dann irgendwann die nassen Lappen als Rutschhilfe benutzt und sei so über die Bahn geschlittert. Mit einem Lächeln erinnert sich Klarer, dass sein Vater im ersten Moment alles andere als begeistert war davon. «Aber da hat er dann auch Potenzial gesehen, dass man wohl doch mehr machen kann.»
«Kein Schwein macht sich wohl Gedanken, wenn er eine Rutsche runterrutscht, wie wird die hergestellt oder woher die kommt.»
So ging es los, dass die Firma sich auf Rutschen spezialisierte – und bis heute 779 in 22 Ländern aufgestellt hat. Dabei wurden mittlerweile fast 48 Kilometer Rutschfläche verbaut. «Wirklich gestartet hat es dann, als wir den Auftrag für das ‹Alpamare› in Pfäffikon bekamen», erinnert sich Klarer.
Dort durfte sich die Firma «austoben», wie er es bezeichnet, und entwickelte einige der Rutschen, die bis heute Kultstatus unter Rutschbegeisterten haben.
Was Rutschen so beliebt und besonders macht
Praktisch jedes Bad in der Region, welches eine Rutsche sein Eigen nennt, hat diese von der Firma Klarer. Bekannt ist das Unternehmen, abgesehen von Fachkreisen, dafür trotzdem eher nicht. «Kein Schwein macht sich wohl Gedanken, wenn er eine Rutsche runterrutscht, wie wird die hergestellt oder woher die kommt, sondern die Leute wollen einfach nur Spass haben», sagt Stefan Klarer und muss lachen. Und Spass, das merkt man in diesem Gespräch, kann man bauen.
Das hat mehrere Gründe. Einerseits bieten Rutschen immer einen gewissen Nervenkitzel, vor allem bei den neueren Entwicklungen. «Wasser, Kurven, Fliehkräfte, Geschwindigkeit, das alles bekommt man in einer Rutsche», sagt der Experte.
Für ihn hat es aber auch was mit Bewegung zu tun. Man bewegt sich ja auch viel, wenn man in einem Schwimmbad ist. «Wer dann am Abend ins Bett geht, wird wohl meistens sehr gut schlafen, weil man ausgepowert ist, vom ganzen Hoch- und Runterrennen.»
«Wasser, Kurven, Fliehkräfte, Geschwindigkeit, das alles bekommt man in einer Rutsche.»
Ausserdem könne praktisch jede und jeder rutschen. «Es braucht keine Vorbereitung, kein Training, wenngleich manchmal etwas Mut. Einfach reinsetzen und los geht es!», so Klarer.
Zudem seien Rutschen mittlerweile eben nicht mehr nur Röhren, die einen von einem Startpunkt zu einem Zielpunkt bringen. «Früher hatten wir vielleicht zwei Lichter in einer Rutsche: Grün zum Starten und Rot zum Warten», so der Rutschenexperte. Heute werden darin ganze Lichtshows eingebaut, die teils wildeste Formen annehmen. In ganz modernen habe man sogar LED-Wände, die spezifisch nach den Wünschen des Rutschenden andere Szenarien erzeugen.
Wenn nur unten ankommen nicht mehr reicht
Aber für echte «Rutschenfreaks» reicht das noch nicht, diese wollen oft mehr; noch mehr Nervenkitzel, schneller, weiter und wilder. «Da kommen dann Windkanäle und Looping-Rutschen ins Spiel», so Klarer. Windkanäle etwa sind ebenerdig, allerdings gibt es hinter dem Rutschenden einen grossen Ventilator, der Windgeschwindigkeiten von bis zu 100 km/h zustande bringt. Die Mitfahrer können dann mit bis zu 60 km/h durch die Röhren geschossen werden.
Wie soll das weitergehen, fragen wir den Experten. Es gibt doch jetzt praktisch schon alle möglichen Ideen für Rutschen, kann da überhaupt noch was kommen? Stefan Klarer grinst auf diese Frage nur. «Wir haben hier ein Buch mit ungefähr 50 Rutschenideen.» Ins Detail will er da natürlich nicht gehen, auch weil bei vielen nicht sicher ist, ob diese sicher genug werden würden. «Die Sicherheit ist immer an erster Stelle», so Klarer.
Das wird geregelt durch die Europa-Norm EN 1069. Darin ist genau beschrieben, was eine Wasserrutsche darf – und was nicht.
Der Chef testet noch selbst – zumindest meistens
Ein Beispiel: die erste von ihm entwickelte Looping-Rutsche. «Diese haben wir auf dem Gelände aufgebaut und dann einen Testdummy durchgeschickt», erinnert sich der Rutschenbauer. An dieser Puppe war ein g-Messer befestigt, also ein Gerät, welches die Beschleunigungskräfte misst. Auf einer rasanten Achterbahnfahrt wirken etwa 2 g bis 3 g auf den menschlichen Körper, höchstens mal 5. Als der Dummy im Auslaufbecken ankam, staunten die Rutschenbauer nicht schlecht, als sie sahen, dass die Puppe teils zwischen 7 und 9 g aushalten musste. Zum Vergleich: Das ist die Kraft, die bei Kampfjets bei voller Geschwindigkeit auf einen Menschen wirkt, das Neunfache des eigenen Körpergewichts. «Das war natürlich nicht möglich, diese so zu bauen», so Klarer. Am Ende wurde die gesamte Anlage etwas schräger gelegt und so der Looping entschärft.
Bilder: zVg/Wikimedia/Radio Munot
Apropos Testen: Das macht bei Klarer oft noch der Chef selbst, auch wenn er nicht mehr auf jede geht. «Ich bin jetzt in einem Alter, in dem ich weiss, dass ich auch auf meine Gesundheit achten muss», sagt er und schmunzelt. Was würde er denn etwa nicht mehr runterrutschen? «Eine Freifallrutsche etwa», so der Experte. Diese seien ihm dann doch ein bisschen zu wild geworden.
Wen das aber nicht abschreckt und wer sieht, dass die Firma wieder eine neue Rutsche auf ihrem Gelände testet, kann gerne fragen, ob er auch mal darf, so Klarer. «Wir freuen uns, wenn auch mal Fachfremde sich auf unsere neuste Attraktion wagen.»
So kamen ein paar Glückliche etwa vor einiger Zeit in den Genuss, die erste Stehrutsche der Firma noch vor allen anderen zu testen. «Das war sehr spannend, vor allem, da wir dort merkten, dass man doch ein bisschen Übung braucht, um dort runterzukommen», erinnert sich Klarer.
