Titeltraum geplatzt: Kadetten verlieren drittes Finalspiel, Kriens-Luzern ist Meister
Die Kadetten Schaffhausen verlieren auch das dritte Spiel der Playoff-Finalserie und müssen den Meistertitel an den HC Kriens-Luzern abtreten.
Wachablösung im Schweizer Handball: Zum ersten Mal seit 2021 heisst der Meister nicht Kadetten Schaffhausen. Mit einem 39:33-Sieg in der Munotstadt entscheidet der HC Kriens-Luzern die Playoff-Finalserie im dritten Spiel für sich und sichert sich somit den ersten Meistertitel seiner Vereinsgeschichte. Nach dem Ertönen der Schlusssirene brechen in der BBC-Arena alle Dämme. «Meister, Schwiizer Meister», hallt es durch das Rund. Sektkorken knallen, der Meisterpokal wird in die Höhe gestemmt, Lametta, soweit das Auge reicht.
Es sind Szenen, die man in der BBC-Arena nur zu gut kennt. Allerdings sind die Rollen diesmal vertauscht: die Kadetten als enttäuschter Verlierer, der dem neuen Meister zwar fair, aber doch zähneknirschend gratuliert. Der Frust über den verpassten Titel ist riesengross. «In drei Spielen die Meisterschaft zu verlieren, dazu noch mit dem Heimvorteil, tut schon sehr weh», gibt Captain Luka Maros niedergeschlagen zu Protokoll. An die Rolle als Finalverlierer muss man sich bei den Kadetten erst gewöhnen.
«Schade, dass wir unsere
Saison nicht krönen können»
Schnell kommen erste Fragen auf, wie es denn überhaupt so weit kommen konnte. Der souveräne Hauptrundensieger, der danach mit sechs Siegen makellos in die Finalserie einzieht, um dort in drei Partien alles zu verspielen. «Es ist sehr schade und bitter, dass wir unsere sehr gute Saison nicht mit dem Titel krönen können», sagt Cheftrainer Hrvoje Horvat. Auch für ihn ist das Scheitern ein neues Gefühl. In seiner Amtszeit hat der Kroate bisher immer den Meistertitel gewonnen. Nun, ausgerechnet in seiner Abschiedssaison, verpasst er das grosse Ziel. Nach drei Jahren bricht Horvat seine Zelte in Schaffhausen ab – und kehrt mit seiner Familie in die kroatische Heimat zurück, wo er ab der kommenden Saison den Rekordmeister RK Zagreb übernehmen wird.

Trotz vieler Emotionen ordnet der Trainer das Scheitern gewohnt sachlich ein: «Wir haben in allen drei Spielen nicht genug Substanz gefunden. Die Geschlossenheit und den Killerinstinkt, der uns über die letzten Jahre so ausgezeichnet hat, haben wir in diesem Finale vermissen lassen.» Das dritte Spiel der Serie am Samstagabend in der BBC-Arena steht sinnbildlich dafür.
Eigentlich machen die Kadetten kein schlechtes Spiel, liegen in einer – wieder einmal – sehr torreichen Partie lange in Führung, verpassen es dann aber in der entscheidenden Phase, das Pendel auf ihre Seite kippen zu lassen. Kriens-Luzern hingegen wirkt körperlich und mental bereiter, griffiger, williger – und ist deshalb der verdiente Meister. Dazu ist den Innerschweizern, die sich auf die nächste Saison hin nochmals verstärken und sich anschicken, die Dominanz Schaffhausens nachhaltig zu durchbrechen, zu gratulieren.
Das letzte Saisonspiel ist
auch geprägt von Abschieden
Für die Kadetten kommt das letzte Saisonspiel schneller als erhofft. Und damit auch für einige Spieler der letzte Auftritt im orangen Dress. Marvin Lier beendet nach 19 Jahren im Spitzensport seine beeindruckende Karriere. Zwar habe sich der 33-Jährige das Ende seiner Laufbahn anders vorgestellt, «doch blicke ich dennoch mit viel Stolz zurück. Der verpasste Titel schmälert meine Karriere in keiner Weise.»
Auch für Moreno Car und Juan Castro Alvarez war es das letzte Spiel für die Kadetten. Sie hätten sich gerne mit dem Titel verabschiedet, doch bleibt dieser Wunsch unerfüllt. Nach der harten Bruchlandung hilft der Blick nach vorn: «Analysieren, aufstehen – und wieder angreifen», so Maros’ Kampfansage.

