Zwischen Holztäfer und Hightech

Lisa Merz | 
Lesenswert
Noch keine Kommentare
Im Nordteil des Stadthausgevierts gibt es auch Wohnungen. Sie bestechen durch einen Mix aus Alt und Neu. Bild: Roberta Fele.

Joshua Schneider war der erste Bewohner im renovierten Nordteil. Er öffnet seine Türen – und jedem Gast das Herz.

Joshua Schneider steht in der Küche, wäscht gerade noch eine Pfanne ab und stellt ein paar Gläser in das Spülbecken. «Sorry, meine Eltern kommen heute zu Besuch, und ich bin schon seit Tagen am Vorbereiten. Es gibt ein Fünf-Gänge-Menü», sagt er und öffnet als Beweis den Kühlschrank. Dieser ist randvoll gefüllt mit Tupperdosen, Schälchen und Vakuumbeuteln. Es gibt gebratene Jakobsmuscheln mit gepickeltem Kürbis, Papaya-Chutney und Pekannusskrokant. Steinpilzravioli mit Schalotten, Petersilie und Gruyère. Swiss-Beef-Filet, Cole Slaw, Crunchy Fries und Selleriejus. Mousse au Chocolat, Cheesecake und Erdbeergelée.

Auf das Sofa hat hat Joshua Schneider über drei Monate gewartet

Er lacht und führt ins nur zwei Schritte entfernte Wohnzimmer. Dort fällt einem als Erstes das ockergelbe Sofa auf. Es ist L-förmig geschnitten und mit Samtcord bezogen. «Auf dieses Stück habe ich über drei Monate gewartet», sagt der 25-Jährige. «Weil das Treppenhaus schmal ist, haben wir das erste nicht in die Wohnung bekommen, und ich musste ein anderes bestellen. Aber die Geduld hat sich gelohnt, ich möchte es hier richtig schön haben, weil das meine erste richtige eigene Wohnung ist.»

Joshua Schneider sagt, dass er noch nie in so einer schönen Wohnung gelebt habe. Bild: Roberta Fele.

Joshua Schneider wohnt seit März 2025 an der Safrangasse im sanierten Nordteil des Stadthausgevierts. Er war der erste Bewohner des Gebäudes. Damals ist er wegen des Jobs von Deutschland nach Schaffhausen gezogen. Er arbeitet nur ein paar Treppenstufen entfernt im Restaurant Klosterhalle als Kellner «mit Leib und Seele», wie er sagt. Sein Chef habe ihm geholfen, die Wohnung zu finden. «Es war gar nicht so einfach. Alles, was ich bis dahin gesehen habe, war mir irgendwie zu alt oder zu wenig zentral», sagt Joshua Schneider. «Diese Wohnung habe ich besichtigt, als sie noch im Rohbau war. Da ich aber wusste, dass mein Chef einen guten Geschmack hat und selbst ahnte, wie es etwa aussehen wird, habe ich den Vertrag einfach unterzeichnet.»

Der Holzboden ist ein Original-Überbleibsel

Die Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung an der Safrangasse misst 51 Quadratmeter. «Die grosse Herausforderung beim Bauen war es, dem Denkmalschutz, dem Brandschutz und der Technik gerecht zu werden», erzählt der zuständige Architekt Adrian Langhart vom Schaffhauser Büro Ulmer Ledergerber Architekten. «Deshalb variiert der Ausbau von Stock zu Stock und von Zimmer zu Zimmer.» Das Täfer und die Holzdecken in Joshua Schneiders Wohnung wurden erhalten, alte Farbtöne wieder aufgenommen. So sind die Fliesen in der Küche in Terrakotta und Weiss gehalten. In den übrigen Räumen wurde auf zwei Grautöne gesetzt.

Die moderne Küche ist der Lieblingsplatz von Joshua Schneider. Hier kocht es gerne mehrgängige Menüs. Bild: Roberta Fele.

Der Holzboden ist ein Original-Überbleibsel. Er wurde geschliffen und versiegelt. «Er ist megaschön und ein richtiges Highlight. Vor allem wenn man weiss, dass er so alt ist», sagt Joshua Schneider. «Die Wohnung ist für mich der perfekte Mix zwischen Vintage und modernem Standard.» So findet man nicht nur Holztäfer, die Wohnung punktet mit einem neuen Bad und einer neuen Küche. «Sie ist mein absoluter Lieblingsort. Noch nie konnte ich mich so austoben beim Kochen wie hier, das ist für mich ein richtiger Luxus. Früher in Deutschland hatte ich gerade mal eine Herdplatte.» Beim Ausbau wurde darauf geachtet, dass die Küche optimal in die vorhandenen Strukturen passt. Farbgebung inklusive: Die Abdeckung ist aus einem grauen Naturstein, die Küchenrückwand mit nudefarbenen Keramikfliesen versehen.

«Der Ausbau variiert von Stock zu Stock und von Zimmer zu Zimmer.»

Adrian Langhart, Architekt Nordteil

Eine eigene Küche und eine eigene Dusche sind für Joshua Schneider nicht selbstver­ständlich. «Ich bin mit siebzehn ausgezogen und wohnte damals in einem Zimmer, das sieben Quadratmeter gross war. Danach wechselte ich in eine WG, wo ich als Einziger den Müll rausgebracht habe. Dann hatte ich ein Zimmer in der Wohnung einer 50-jährigen Frau, mit der ich mich gut verstanden habe. Aber so etwas ganz Eigenes zu haben, ist für mich ein grosser Traum.»

Im Wohnzimmer wird gechillt

Die Wohnung an der Safrangasse befindet sich mitten in der Altstadt. Vor allem am Wochenende könne es manchmal laut werden am Abend. «Daran habe ich mich aber schnell ge­wöhnt, und ich bin ja auch ständig on tour. Entweder im Gym, in den Bergen, oder ich geniesse das grosse kulturelle Angebot in Schaffhausen. Dort, wo ich aufgewachsen bin, war der Weihnachts­markt das einzige Highlight. Hier gibt es so viele Konzerte, im Sommer die Freibäder am Rhein und im Winter sogar einen Saunamarathon!»

Wenn Joshua Schneider mal chillt, dann am liebsten im Wohnzimmer. Das Licht muss gemütlich sein, deshalb auch die dreibeinige Stehlampe, die den Raum indirekt in schummriges Licht taucht. «Ich will hier schliesslich nicht lesen.» Den Kabelsalat hinter dem Flatscreen werde er noch ordnen und in die Vertiefung in der Wand Bretter anbringen. Neben dem Sofa steht ein Holzpult. «Hier bearbeite ich Fotos und Videos, die ich selber mache. Oder tüftle ich an meiner Musik – eine Mischung aus Hip-Hop und Pop.» Wichtig sei, authentisch zu sein, dass man ehrliche Texte schreibe. «Bei mir kommt alles vom Herzen, und ich achte sehr auf meine Worte.»

Weil das Gebäude unter Denkmalschutz steht, hat man gewisse Teile erhalten: so zum Beispiel das originale Treppenhaus und die Jugendstilfassade. Bild: Roberta Fele.

Dass Joshua Schneider ein Perfektionist ist, merkt man nicht nur daran, dass er vor Gebrauch jedes Glas poliert oder extra für die Einladung seiner Eltern eine Menükarte kreiert hat, sondern auch, als er auf den braun-blau-gemusterten Teppich im Wohnzimmer zu sprechen kommt. Der sei auf der einen Seite etwas heller gewesen, das habe ihn zu Beginn unheimlich gestört. Zum Glück habe das Sonnenlicht diesen Unterschied ausgeglichen. Dass er keinen Esstisch hat, ist hingegen eine bewusste Entscheidung. «Ich habe ja die grosse Couch und den Salontisch, das finde ich viel cooler.»

Ist dieser Artikel lesenswert?

Ja
Nein

Kommentare (0)

Neuen Kommentar schreiben

Diese Funktion steht nur Abonnenten und registrierten Benutzern zur Verfügung.

Registrieren