Lieber Staub als mehr Gummi – das sagen die Gegner der Asphaltierung auf dem Randen

Till Burgherr (tbu) | 
Lesenswert
Noch keine Kommentare
Neu asphaltierte Teststrecke, Randenᅢᄐberfahrt. Bei Mᅢᄂserich Parkplatz, fotografiert am Dienstag, 16. September 2025, in Beggingen. (Roberta Fele / Schaffhauser Nachr
Eine asphaltierte Teststrecke bei der Randenüberfahrt in Beggingen sorgt für Diskussionen. Bild: Roberta Fele

Asphalt auf der Randenüberfahrt sorgt für Wirbel. Umweltverbände, Grüne und SP-Politiker haben eine Volksinitiative gegen einen staubfreien Hartbelag der Strecke lanciert. Sie warnen vor mehr Verkehr und zerschnittenen Lebensräumen für Kleintiere.

Die Randenüberfahrt ist nicht durchgängig asphaltiert, auf dem Guetbuck gibt es einen Abschnitt mit Naturbelag. Die Pläne einer möglichen Asphaltierung des gut zwei Kilometer langen Abschnitts zwischen Hemmental und Beggingen sorgen für heftige Reaktionen. Befürworter argumentieren seit Längerem, sie wollen den Staub auf der Strecke reduzieren, dies wirbelt aber umso mehr Emotionen auf bei Pro Natura und Gegnern, die negative Folgen für Natur und Erholungsraum befürchten.

Am Dienstag haben Vertreter der Grünen, der SP und von Pro Natura Schaffhausen die Volksinitiative «Ja zum Schutz des Randen – gegen Asphaltierung und Massenverkehr» lanciert. 1000 Unterschriften sollen gesammelt werden, um die Pläne zu stoppen. Kantonsrat Roland Müller (Grüne) hatte diesen Schritt bereits gegenüber den SN angekündigt, nun macht er Nägel mit Köpfen.

Auslöser des Streits um den Belag ist ein politischer Vorstoss von alt Kantonsrat Peter Werner (SVP), der im März letzten Jahres mit 30 zu 18 Stimmen überwiesen wurde. Darin wird ein staubfreier Hartbelag auf dem betroffenen Abschnitt gefordert. Der Regierungsrat hat dazu bereits Teststreifen mit unterschiedlichen Belägen angelegt. Das ging Kantonsrat Müller viel zu schnell – er möchte den Prozess entschleunigen und die Bevölkerung über die Frage des Belags entscheiden lassen.

Barriere für Kleintiere

Eine Asphaltierung hätte weitreichende ökologische Folgen, warnt nun auch Pro Natura Schaffhausen. Co-Präsident Urs Capaul betont insbesondere die Auswirkungen auf Kleintiere. «Kleintiere kreuzen asphaltierte Strassenflächen praktisch nie», sagt er. Stattdessen würden solche Flächen gemieden.

Urs Capaul, Co-Präsident Pro Natura Schaffhausen (links), Roland Müller, Kantonsrat (Grüne), Patrick Portmann, Kantonsrat SP, Raphael Mettler, Co-Präsident Pro Natura Schaffhausen, und Daniele Furter, Kantonsrätin (Grüne), bei der Lancierung der Volksinitiative zum Schutz des Randen.

Asphalt bedeute Lebensraumverlust. Zudem heize sich der Belag stark auf und könne «für Kleintiere lebensbedrohlich werden».

Hinzu komme die Zerschneidung von Lebensräumen. «Das führt zu isolierten Populationen, reduziert die genetische Vielfalt und macht Tiere anfälliger für Krankheiten», so Capaul.

Besonderer Lebensraum

Raphael Mettler, der mit Capaul das Co-Präsidium von Pro Natura teilt, hebt die Bedeutung des Randen hervor. «Das Gebiet ist eine geschützte Kulturlandschaft mit Trockenwiesen, Orchideen und vielfältigen Lebensräumen», sagt er. Es gehöre zu den «letzten Naturjuwelen unseres Kantons».

Neu asphaltierte Teststrecke, Randenᅢᄐberfahrt. Bei Mᅢᄂserich Parkplatz, fotografiert am Dienstag, 16. September 2025, in Beggingen. (Roberta Fele / Schaffhauser Nachr
Einer der neuen Testabschnitte auf dem Randen. Bild: Roberta Fele

Eine asphaltierte Strasse würde diese Landschaft zerschneiden und wie eine Barriere wirken. Diesen Fehler dürfe man nicht wiederholen, warnt Mettler mit Blick auf bereits beeinträchtigte Gebiete.

Mehr Verkehr befürchtet

Kritik kommt auch aus der Politik. «Eine weitere Asphaltierung wird massiv mehr Verkehr generieren», warnt Kantonsrätin Daniela Furter (Grüne). Eine bequemere Strecke ziehe mehr Pendler an. Die Randenüberfahrt sei «nicht als Durchgangsstrasse gedacht», sondern diene als Zubringer.

Seit der Eröffnung des Galgenbucktunnels 2019 bestehe zudem eine Alternative. «Wir haben nicht einen neuen Tunnel gebaut für über 200 Millionen Franken, nur damit danach trotzdem über das Naherholungsgebiet gefahren wird.»

Auch Sicherheits- und Erholungsaspekte sprechen aus ihrer Sicht gegen das Projekt. Asphaltierte Strassen würden schneller befahren und seien «gefährlich für Langsamgehende und Erholungssuchende». Der Randen dürfe nicht zum «Paradies für den Autoverkehr» werden.

Ins gleiche Horn bläst SP-Kantonsrat Paddy Portmann, der auch im WWF Schaffhausen Mitglied ist. Er warnt ebenfalls vor Mehrverkehr und vor Autofahrern, die sich nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzung halten würden.

Staub als Streitpunkt

Die Befürworter eines festen Belags führten vor allem die Staubbelastung ins Feld. Diese könne Pflanzen schädigen, etwa bei der Fotosynthese behindern, hiess es. Dies halten die Gegner wie Portmann für ein Scheinargument. Capaul wiederum schlägt eine Alternative vor: «Die Staubbelastung kann ganz einfach reduziert werden – etwa durch tiefere Geschwindigkeiten.» Statt 40 Kilometer pro Stunde «genügen auch 30 oder weniger». Der Gummiabrieb sei schlimmer als aufgewirbelter Staub. Darum könne man gut mit dem jetzigen gelbbraunen Jurakalkmergel leben.

Derzeit testet der Kanton auch einen schwarzen Alpenkalk-Belag, heisst es. Dieser soll weniger Staub verursachen, so die Hoffnung. Pro Natura betont jedoch, dass Materialien aus der Region bevorzugt werden sollen. Dazu zähle der Jurakalkmergel, der gelbbraune Belag, der jetzt hauptsächlich den Abschnitt prägt. Portmann wiederum betont, dass jeder festere Belag zu «mehr Verkehr führt». Darum sei man gegen die Experimente des Regierungsrats.

Ist dieser Artikel lesenswert?

Ja
Nein

Kommentare (0)

Neuen Kommentar schreiben

Diese Funktion steht nur Abonnenten und registrierten Benutzern zur Verfügung.

Registrieren