In der reparierBar wird geleimt, gelötet und genäht. Alltagsgegenstände bleiben somit länger funktionsfähig

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Freiwillige schenken kaputten Geräten ein zweites Leben. Bild: Jeannette Vogel

Seit über zehn Jahren gibt es die Schaffhauser reparierBar. Freiwillige treffen sich in der Stahlgiesserei, um Alltagsgegenstände wieder instand zu stellen. Ihre Motivation: die Abfallschwemme eindämmen. Und: anderen Menschen eine Freude machen.

von Vincent Fluck

Beim Eintreten fühlt man sich sofort wohl. Der Blick fällt als Erstes auf die Bar. Dort bereitet eine Frau Kaffee zu, richtet auf Tellern belegte Brote und Kuchenstücke an. Diese kann man sich an mehreren Orten im heimelig beleuchteten Raum zu Gemüte führen, zum Beispiel in der Sofaecke oder an den Beizentischchen am Fenster.

Nein, wir befinden uns nicht in einem Café. Das heisst: Doch, eigentlich schon, denn der Raum «Nachbar» in der Stahlgiesserei ist als Begegnungsort gedacht und wird unter anderem als Erzählcafé, Coworkingspace und für Spieleabende genutzt und am letzten Samstag im Monat jeweils vom Verein «reparierBar Schaffhausen» gemietet. Dann stehen defekte Alltagsgegenstände im Zentrum, die an vier langen Tischen in der Mitte des Raums von Freiwilligen instand gestellt werden.

Die Bewirtung ist eine angenehme Nebenerscheinung, gehört aber zum Konzept. Denn die Dienste der reparierBar kann man ohne Voranmeldung nutzen, weshalb sich gelegentlich Schlangen bis hinaus vor die Tür bilden. Mit Sandwich und Kuchen lässt sich besser warten.

Gute Stimmung in der Werkstatt

«Es ist wichtig, dass dieser Raum schön ist», sagt Sibylle Parodi, eine der mitwirkenden Freiwilligen. Die Leute, die die reparierBar besuchten, seien zuweilen gestresst. In der angenehmen Umgebung beruhigten sie sich, kämen mit anderen in Kontakt. Die gute Stimmung im Raum sei einer der Gründe, weshalb sie sich hier engagiere. «Von Jung bis Alt, von links bis rechts: Die Leute kommen alle mit der gleichen Motivation hierher, die des Reparierens», sagt sie mit einem Lächeln.

Ursprünglich war die gelernte Werklehrerin für den Vorstand des Trägervereins angefragt worden. Nachdem ihre Kinder herangewachsen waren, hatte sie wieder etwas mehr Zeit. Doch sie merkte bald, dass ihr die Vorstandsarbeit nicht lag. Hingegen gefiel es ihr sehr, an den Reparatur-Samstagen die Gäste zu empfangen und mit der Zeit als Tagesleiterin Koordinationsaufgaben zu übernehmen. Pro Samstag sind jeweils etwa 25 Freiwillige im Einsatz.

Eine andere Mitwirkende ist Charlotte Hauser. Sie stiess vor etwa elf Jahren zum Team, kurz nach der Gründung der reparierBar. Sie kam zusammen mit ihrem Mann Walter, als dieser das Pensionsalter erreicht hatte. Nie hätte sie gedacht, dass sie so lange bleiben würde. Anfänglich half die einstige Ärztin im Bistro. Inzwischen empfängt sie die Gäste, steht ihnen beim Ausfüllen des Anmeldeformulars zur Seite und weist sie dem geeigneten Reparateur zu. «Eine Zeit lang kannte ich alle und wusste, worin die Stärke jedes Einzelnen liegt.»

Zu Beginn bestand die Gruppe vor allem aus Pensionierten. Im Lauf der Jahre rückten jüngere, zum Teil noch berufstätige Leute nach. Auch wenn sie nun nicht mehr alle so gut kennt, findet Charlotte Hauser diesen Wechsel wichtig. Denn mit den jüngeren Reparateuren kommt auch das Wissen über neuere Technologien in die Gruppe.

Geräte lassen sich schlecht öffnen

Einer der Reparateure ist Geri Bollinger. Er beschäftigt sich an einem der Tische in der Raummitte mit einem Gerät, das der Fusspflege dient. Es trägt den Namen «Podolog Nova» und verfügt über einen integrierten Staubsauger, der die abgeschliffenen Hornhautpartikel aufnimmt. Weil Bollinger mit seinem Latein am Ende ist, macht er den Platz einem Kollegen frei und hat nun ein bisschen Zeit, aus der Werkzeugkiste zu plaudern.

Gelernt hat Bollinger Elektromechanik, war dann aber im Flötenbau tätig und ist nun im Pensionsalter. Wie er sagt, liege das Problem bei elektrischen Geräten oft beim Stromkabel. Im November sei das zum Beispiel bei einem Staubsauger der Fall gewesen. «In zehn Minuten hatten wir das Kabel geflickt.» Allerdings brauchte es nachher zwei Stunden, um das Gerät wieder zusammenzubauen. Das sei häufig so. Die Geräte seien nicht dafür gemacht, dass man sie auseinandernimmt und repariert.

Für Bollinger liegt der Lustgewinn nicht nur darin, dass ein kaputtes Gerät am Schluss wieder funktioniert. Wichtig sei auch die Freude der Besitzerinnen und Besitzer. «Wenn eine emotionale Verbundenheit da ist, kann man sie wirklich glücklich machen.» Er erzählt die Geschichte einer Italienerin, die mit ihrer Pastamaschine in die reparierBar kam. Der Motor liess sich zwar nicht mehr flicken, aber Bollinger fand einen Weg, wie sich die Maschine stattdessen mit einem Akkubohrer antreiben liess. Die Frau strahlte.

Schon dreimal umgezogen

Seit der Gründung im Jahr 2014 ist die reparierBar mehrmals umgezogen. Zuerst war sie in der Breite in einem Mehrfamilienhaus. Dann wechselte sie ins Familienzentrum Kirchhofplatz, wo jedes Mal die Arbeitstische auf- und am Schluss wieder abgebaut werden mussten. Als Nächstes folgte das ehemalige Pflegezentrum beim Kantonsspital. Der dortige Raum stand der reparierBar uneingeschränkt zur Verfügung, musste aber, als der bevorstehende Abriss nahte, wieder verlassen werden.

«Einer der wichtigsten Ansätze ist die Verlängerung der Lebensdauer von Produkten.»

Simon Furter, Geschäftsleiter WWF Schaffhausen

Jetzt ist die reparierBar erneut im Zentrum, im Raum «Nachbar». Laut Charlotte Hauser ist die Zahl der Besucherinnen und Besucher gestiegen. «Seit wir hier sind, hat es angezogen.» Sie vermutet, dass sich das Angebot immer mehr herumspricht. Im Durchschnitt kommen etwa 80 Personen.

Dieser Erfolg führt dazu, dass die Raumgrösse nun langsam knapp wird. Kommt dazu, dass die Raumbeleuchtung für die Wartenden zwar sehr gemütlich, für die Reparateure aber eher zu schwach ist. Und am Ende des Tages muss auch hier alles weggeräumt werden. So ist es denkbar, dass das Team früher oder später erneut umziehen wird.

In der reparierBar werden auch Messer geschliffen. Walter Bernath in Aktion. Bild. Jeannette Vogel

Vorstandsmitglied Martin Schwarz erzählt, dass ein Ausbau des Angebots auf mehr als einen Anlass pro Monat diskutiert wird. Beschlossen sei aber nichts. Finanziell stehe der Trägerverein jedenfalls nicht schlecht da. Wer die Dienste der reparierBar nutze, zeige sich oft mit einer Spende erkenntlich. Zuweilen werde der Verein auch mit Geld aus einer Erbschaft bedacht. Und 2018 habe er den mit 5000 Franken dotierten Prix Benevol des Kantons erhalten.

Generell sei viel Sympathie da. «95 Prozent der Leute finden die reparierBar eine lässige Sache.» Schwarz hat im Vorstand die Aufgabe des Freiwilligenkoordinators, da er gerne Kontakt mit Menschen hat. Auch das Reparieren liegt dem ausgebildeten Chemiker. Er kümmert sich um elektromechanische Geräte und zuweilen auch um Informatik. Als die Firma Microsoft kürzlich den Support für das Computerbetriebssystem Windows 10 aufgab, half er beim Umrüsten auf Windows 11. Er betont, dass in der reparierBar nicht nur technische Geräte instand gestellt werden. Unter anderem erhalten auch Textilien und Holzgegenstände ein neues Leben.

Reparieren oft weniger teuer als Neukauf

Das Problem bei der Fusspflegemaschine «Podolog Nova» ist noch immer nicht gefunden. Mittlerweile hat sich Walter Hauser dazu gesellt. «Er ist oft unsere letzte Chance», erzählt einer der Reparateure. Hauser war in seiner beruflich aktiven Zeit ETH-Ingenieur und befasste sich mit Regeltechnik und Medizintechnik. Er liebt die geistigen Herausforderungen, die die defekten Geräte ihm stellen. «Wenn es bloss um das Ersetzen von Baugruppen geht, braucht es mich nicht», sagt er.

Die Besitzerin der Fusspflegemaschine, eine Frau im mittleren Alter, sitzt daneben. Sie wohnt in einer Vorortsgemeinde und ist zum ersten Mal in die reparierBar gekommen. Sie erzählt, was sie sich überlegt hat: Eine neue Maschine zu kaufen, würde schätzungsweise 1000 Franken kosten. Die alte dem Hersteller zur Reparatur einzuschicken, würde mit 600 Franken belastet. «Ohne Garantie auf Erfolg.»

Am Nebentisch sitzt eine Kundin mit Nähmaschine. Mit Hilfe von ChatGPT ist sie zu Hause zum Schluss gekommen, dass es vermutlich nur einen Tropfen Öl braucht. An die betreffende Stelle zu gelangen, erweist sich aber auch in diesem Fall als Knacknuss. Reparateur Ruedi Köllner ist mehr als eine Stunde lang mit dem Auseinandernehmen der Maschine beschäftigt.

Am letzten Samstag im Monat

Die Anlässe der reparierBar finden jeweils am letzten Samstag im Monat statt (ausser im Juli und im Dezember). Nächste Termine: Samstag, 25. April, Samstag, 30. Mai und Samstag, 27. Juni, jeweils von 10 bis 16 Uhr in der Stahlgiesserei 15B, Schaffhausen.
Infos: reparierbarschaffhausen.ch

Eine weitere Kundin ist mit einem Miele-Staubsauger da. Man sieht seiner zerkratzten rotbraunen Kunststoffhülle an, dass er schon seit rund 20 Jahren im Einsatz ist. Dennoch ist die Besitzerin überzeugt, dass sich der Defekt beheben lässt. Sie ist zum ersten Mal in der ReparierBar und hat vom Hörensagen davon erfahren. «Es ist gut, dass es diesen Ort gibt», sagt sie.

Bei der «Podolog Nova» kann auch Walter Hauser nicht helfen. Aber er gibt nicht auf. Er verspricht der Besitzerin, dass er das Gerät zu sich nach Hause nehmen wird. Es handle sich dabei um ein Markenprodukt von guter Qualität. «Vielleicht werde ich mit dem Hersteller Kontakt aufnehmen.» Geräte nach Hause zu nehmen gehört nicht zum Service der reaparierBar, aber einige der Reparateure bringen es einfach nicht übers Herz, das Mögliche unversucht zu lassen.

Kunden mit kleinem Budget

Unter den Reparateuren hat es auch Frauen. Eine von ihnen ist die pensionierte Irene Habermacher, die sich selbst als Hobbynäherin bezeichnet. Sie lebt den Gedanken des Recyclings und trägt Secondhand-Kleider. Es störe sie auch nicht, wenn darauf ein Flicken zu sehen sei. «Die Flut an Abfall, die wir produzieren, macht mich fertig», sagt sie. Dagegen müsse man etwas tun.

Sie ist gerade damit beschäftigt, bei einer Kinderhose den losen Gummizug zu ersetzen. Die Besitzerin, eine Ukrainerin, ist zum ersten Mal da und fragt, wie viel das Ganze denn kosten wird. Irene Habermacher erklärt ihr, dass es gratis sei, sie aber nach Gutdünken etwas in die Kollekte geben könne.

Dass sie mit ihrer Arbeit private Nähateliers konkurrenziert, glaubt Irene Habermacher nicht. «Ich gehe davon aus, dass die meisten, die hierherkommen, nicht das Geld haben, um sich ein Atelier zu leisten.» Einige der Kundinnen hätten ihre Kleider früher selbst geflickt, seien nun aber aus Altersgründen nicht mehr dazu in der Lage. Nach Möglichkeit würden die Kundinnen und Kunden in die Reparatur einbezogen. «Die Idee ist, dass wir das zusammen machen.»

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