Bombendrohung am Gega: Verfahren gegen Jugendlichen eröffnet, Schulsozialarbeit im Einsatz
Neue Entwicklung im Fall der Bombendrohung im Schaffhauser Schulhaus Gega: Die Schaffhauser Polizei teilt mit, dass gegen den Jugendlichen ein Verfahren eröffnet wurde. Stadtrat Marco Planas lobt die Schulleitung.
von Julia Wichmann und Dario Muffler und Enya Dalle Feste
Am Tag nach der Bombendrohung im Schulhaus Gelbhausgarten in Schaffhausen kehrt langsam die Normalität zurück. Von aussen sieht alles wie immer aus.
Im Hintergrund läuft nun aber einiges. Inzwischen ist klar: Beim Tatverdächtigen handelt es sich um einen 13-jährigen Schüler aus der Stadt Schaffhausen. «Dieser Schüler hat in einer persönlichen Äusserung eine Bombendrohung ausgesprochen, woraufhin die Schulleitung unmittelbar die Polizei informiert hat», sagt Polizeisprecher Patrick Caprez im Gespräch mit den SN.
Caprez sagt zwar, dass es sich gemäss aktuellen Erkenntnisstands offensichtlich um keine ernstgemeinte Aussage des Schülers gehandelt habe. «Wir lassen uns im Nachhinein lieber vorwerfen, dass der Einsatz, beziehungsweise das Aufgebot, zu gross waren, als die Lage unterschätzt zu haben», erklärt Caprez das Grossaufgebot mit Spürhunden und Spezialisten des Forensischen Instituts Zürich. Gefunden haben die Polizisten nichts: weder Bomben, noch Attrappen oder Substanzen.
Der Jugendliche konnte bereits gestern Abend zusammen mit seinen Eltern polizeilich befragt werden, wie Caprez weiter sagt. «Der Schüler konnte nach der Befragung entlassen werden.»
Schüler war polizeilich nicht bekannt
Wie es mit dem 13-Jährigen weitergeht, das liegt nun in den Händen der Jugendstaatsanwaltschaft. Denn diese hat ein Verfahren gegen den Jugendlichen eröffnet.
Gegenstand laufender Ermittlungen ist, ob der Schüler den Lehrpersonen schon aufgefallen war in der Vergangenheit. Polizeilich war der Schüler zum Zeitpunkt der Äusserung hingegen nicht bekannt, sagt Caprez.
Caprez bestätigt zudem, dass bereits verschiedene Videos zum Vorfall im Netz herumgeistern.
Schule läuft wieder
Die SN erreichen Schulreferent Marco Planas am Freitagmorgen, als er unterwegs ist. «Gemäss meinem Informationsstand hat der Unterricht heute Morgen regulär stattgefunden», sagt er. «Das Angebot der Schulsozialarbeit ist sowohl von Lehrpersonen als auch von Schülerinnen und Schülern in Anspruch genommen worden.» Dass so ein Angebot rasch verfügbar war, sei geschätzt worden. «Auch nächste Wochen stehen die Mitarbeitenden der Schulsozialarbeit für die Aufarbeitung der Geschehnisse bereit», so Planas.
Der Stadtrat lobt auf Nachfrage die Schulleitung. «Sie hat nach dem Krisenkonzept der Schulen der Stadt Schaffhausen gehandelt», so Planas. Das heisst, sie hat sowohl Polizei als auch die Bereichsleitung unmittelbar informiert. «Wir werden nächste Woche selbstverständlich die Situation nochmals genau analysieren, um herauszufinden, ob gewisse Abläufe noch weiter verbessert werden können.»
Wie Planas weiter ausführt, seien Schulleitungen und Lehrpersonen geübt in der Umsetzung dieses Konzeptes, das bei Amok- und Brandfällen zum Einsatz kommt. «Es gibt regelmässig Evakuierungsübungen und Schulungen aller Mitarbeitenden», sagt er.
Und angesprochen auf die vermeintlich nicht ernst gemeinte Aussage des Schülers, das den Grosseinsatz ausgelöst hat, sagt er ernst: «Mit solchen Aussagen macht man keine Witze, so etwas muss man ernst nehmen!»
Den mutmasslichen Täter auf dem Stock
Augenschein vor Ort. Ein Schüler erzählt ziemlich genau 24 Stunden danach, wie der Alarm für ihn mitten in der Physiklektion losging. «Es war der normale Feueralarm, aber über die Durchsage erklärte man uns, dass wir die Türen abschliessen und von den Fenstern wegtreten sollen. Das fand ich etwas komisch, denn bei Feuerübungen hiess es immer, man solle an den Fenstern versuchen, auf sich aufmerksam zu machen.»
Einige Minuten später werden die Schülerinnen und Schüler sowie Lehrpersonen dazu aufgefordert, das Schulhaus zu verlassen und sich bei einem Sammelplatz einzufinden. «Irgendwie hatte meine Klasse hier aber schon mitbekommen, dass es sich um einen Amoklauf oder etwas Ähnliches handelt, denn wir hatten auf dem gleichen Stock Unterricht wie der mutmassliche Täter», erinnert er sich.

Die plötzliche Kehrtwende der Angaben, die Ungewissheit und die polizeilichen Spürhunde, die überall auf dem Pausenplatz unterwegs waren, führten dazu, dass einige Kinder noch mehr eingeschüchtert wurden, als der alleinige Alarm das schon tat. «Ich würde schon sagen, dass teilweise Panik ausbrach. Einige Kinder mussten sogar weinen», erzählt der Achtklässler. Er selbst habe sich auf dem Weg aus dem Schulhaus mehr Sorgen um seine Freunde im Bach gemacht, da diese Klassen nicht evakuiert wurden.
Die Kinder und Jugendlichen hielten sich zirka eine Stunde im Feuerwehrdepot auf, wie der Schüler erzählt, bis sie nach Hause durften. Davor wurde ihnen genau erklärt, wo sie nicht durchlaufen durften, und sie wurden auf direktem Weg über den ersten Fussgängerstreifen bei der Baustelle an der Bachstrasse geschickt.
Eine Lektion Zeit für Austausch
«Heute Morgen war es schon ein bisschen komisch, wieder in die Schule zu kommen, vor allem auch, weil ich nicht wusste, was jetzt genau passiert ist und ob die Gefahr ganz aufgehoben war», erinnert sich der Jugendliche.
Seine Lehrperson habe ihm und seiner Klasse eine ganze Lektion Zeit gegeben, um sich über das Erlebte auszutauschen und um die Fragen der Schülerinnen und Schüler zu beantworten und so hoffentlich einige Sorgen zu lindern.