Kinderleicht? Wie Gross und Klein Fake News im Netz erkennen können

Till Burgherr (tbu) | 
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Martin Sengel, Geschᅢᄂftsfᅢᄐhrer des go tec! Labors und Markus Bauer, IT-Sicherheitsexperte und Technologie-Botschafter von Arconis, sprechen ᅢᄐber ihre Zusammenarbeit fᅢᄐr mehr Sicherheit im Netz. Fotografiert am D
Markus Bauer (links), IT-Sicherheitsexperte von Acronis, tauscht sich in Neuhausen mit Martin Sengel, Geschäftsführer des «go tec!»-Labors, über Technik und Gefahren im Internet aus. Bild: Enya Dalle Feste

Beim Windsurfen ist es gefährlich, wenn zu viele auf derselben Welle reiten. Im Internet ist es ähnlich, man bewegt sich schnell mit den Kollegen in der gleichen Blase. Da gilt es auszubrechen. Zwei Experten geben Sicherheitstipps fürs Surfen in digitalen Gewässern.

Als Markus Bauer, IT-Sicherheitsfachmann des Cybersecurity-Unternehmens Acronis, mit den «Schaffhauser Nachrichten» durch das Labor von «go tec!» in Neuhausen schlendert, wandert sein Blick neugierig durch die Räume. Es sind Kabel und Bauteile zu sehen, daneben stehen kleine Roboter. Schnell wird klar: Hier wird getüftelt, gebaut und ausprobiert.

«KI neigt dazu, immer eine Antwort zu geben, auch wenn sie eigentlich keine hat.»

Markus Bauer, IT-Sicherheitsfachmann des Cybersecurity-Unternehmens Acronis

Bauers Blick bleibt schliesslich an einer kleinen Drohne hängen. Martin Sengel, Geschäftsführer des «go tec!»-Labors, hält das selbst programmierte Gerät in den Händen. Fliegen kann die Drohne im Moment nicht, sie muss erst repariert werden. Doch das spielt keine Rolle. Bauer betrachtet interessiert die Technik mit den feinen Propellern und lässt sich die Einzelheiten zur Programmierung erklären. «So hätte ich als Kind am liebsten auch gelernt», sagt der IT-Sicherheitsexperte. Er meint damit den Zugang zur Technik und Informatik, der hier auf spielerische und praxisnahe Weise vermittelt wird.

Zusammenarbeit mit Experten im Labor

Die Stiftung «go tec» und das Cybersecurity-Unternehmen Acronis arbeiten künftig enger zusammen, um Schülerinnen und Schüler noch besser für Gefahren im Internet zu sensibilisieren. Diese Woche war der Experte von Acronis bei einem Kurs dabei. Vom Kindergarten bis zur Kantonsschule kommen Kinder ins Labor. Im «go tec!» werden Themen aus verschiedenen Bereichen behandelt. Dazu gehören Mechanik, Arbeiten mit Holz und Löten. Aber auch Robotik, Programmieren und virtuelle Realität sind Teil des Angebots. Dabei taucht auch immer wieder die zentrale Frage auf: Wie bewegt man sich sicher im Internet?

«Grundsätzlich gehen Kinder sehr offen und neugierig an digitale Themen heran», sagt Sengel von «go tec!». «Aber sie sollten auch verstehen, was hinter der Technik steckt und wo Gefahren liegen können.» Gerade bei künstlicher Intelligenz sei das wichtig, ergänzt Bauer. Programme wie Chatbots würden von Jugendlichen oft selbstverständlich genutzt. «Künstliche Intelligenz hat ein riesiges Potenzial – auch zum Lernen oder für Hausaufgaben», sagt er mit einem Schmunzeln. «Aber man muss immer hinterfragen: Stimmt das überhaupt, was mir die KI sagt?» Denn die Systeme arbeiten mit Trainingsdaten, deren Herkunft oft unklar ist. «KI neigt dazu, immer eine Antwort zu geben, auch wenn sie eigentlich keine hat», sagt der IT-Experte. Fachleute sprechen von sogenannten Halluzinationen: Die künstliche Intelligenz liefert überzeugende Antworten, die aber schlicht falsch sein können.

Martin Sengel, Geschᅢᄂftsfᅢᄐhrer des go tec! Labors und Markus Bauer, IT-Sicherheitsexperte und Technologie-Botschafter von Arconis, sprechen ᅢᄐber ihre Zusammenarbeit fᅢᄐr mehr Sicherheit im Netz. Fotografiert am D
Markus Bauer, IT-Sicherheitsexperte und Technologie-Botschafter von Acronis, ist täglich mit Hackerangriffen konfrontiert. Bild: Enya Dalle Feste

Während des Gesprächs werfen sich Sengel und Bauer immer wieder gegenseitig Beispiele und Ratschläge zu. So entstehen praktische Ratschläge für Kinder und Eltern:

1. KI-Antworten kritisch hinterfragen

«Gerade Chatbots wirken sehr überzeugend», sagt Markus Bauer. «Aber man weiss oft nicht, woher die Daten stammen.» Deshalb sollte man Antworten von künstlicher Intelligenz stets überprüfen.

Wenn man etwas liest oder sieht, lohnt es sich, die Information durch eine weitere, unabhängige Quelle zu bestätigen. «Eine zweite Quelle zu prüfen, ist eine der wichtigsten Regeln», sagt Martin Sengel. Seriöse Beiträge nennen in der Regel ihre Quellen oder verweisen auf Studien und offizielle Daten. Hilfreich sei zudem zu prüfen, woher die Information ursprünglich stammt, wer sie veröffentlicht hat und ob etablierte Medien mit hohen journalistischen Standards darüber berichten.

2. Filterblase erkennen und daraus ausbrechen

Algorithmen zeigen oft Inhalte, die zur eigenen Meinung passen. «Wenn man etwas fünfmal sieht, vielleicht auch noch von Freunden geteilt, glaubt man schnell, es sei wahr», sagt Bauer. Dass ein Kollege auf seinem Handy dasselbe Video sieht, ist noch kein Beweis für dessen Echtheit. «Oft bewegt man sich in der gleichen Blase im Netz», sagt Bauer. Algorithmen zeigen Nutzern meist Inhalte zu ähnlichen Themen, deshalb tauchen identische Beiträge schnell im Freundeskreis auf, auch wenn sie nicht unbedingt stimmen.

3. Vorsicht bei reisserischen Meldungen

«Je reisserischer etwas daherkommt, desto grösser ist die Chance, dass es nicht stimmt», sagt Sengel. Besonders bei spektakulären Behauptungen ist Skepsis angebracht.

4. Nachrichten nicht sofort teilen

Viele Falschmeldungen verbreiten sich, weil Inhalte impulsiv weitergeschickt werden. «Wenn man denkt: Das muss ich sofort teilen – dann lieber kurz innehalten», sagt Sengel.

Auch Bauer empfiehlt eine einfache Strategie: «Wenn eine Mail oder Nachricht emotional wirkt, nicht sofort reagieren.» Manchmal hilft es, eine Stunde zu warten und die Situation noch einmal ruhig zu betrachten.

5. Medienkompetenz früh lernen

«Wenn ich nicht weiss, wie eine Technologie funktioniert, kann ich auch kaum beurteilen, ob etwas richtig oder falsch ist», sagt Markus Bauer. Deshalb ist es wichtig, sich sowohl mit neuen als auch mit bereits etablierten Technologien auseinanderzusetzen. «Nur so versteht man die Prozesse im Hintergrund und kann Informationen besser einordnen.»

Trotz aller Risiken sehen beide Experten die digitale Entwicklung grundsätzlich positiv. Technologie bietet enorme Chancen – in der Medizin, in der Forschung oder in der Robotik.

Und manchmal, sagt Sengel, haben Kinder sogar einen Vorteil gegenüber Erwachsenen. «Wenn sie programmieren, legen sie einfach los.» Erwachsene hingegen überlegen oft zuerst, was alles schiefgehen könnte. «Sie sind zu verkopft», sagt Bauer schmunzelnd.

Ganz ohne Risiken ist das Experimentieren allerdings nicht – speziell in Foren im Netz. «Das Internet vergisst nicht», sagt Bauer. Und ein anonymer, rechtsfreier Raum ist es ebenfalls nicht.

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