Bernina verlagert Produktion nach Thailand – 27 Mitarbeitende gekündigt

Jurga Wüger | 
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Bernina schliesst das Konsultationsverfahren ab und verlagert die Produktion ins bestehende Werk in Thailand. Bild: Keystone

Die Bernina International AG hat das Konsultationsverfahren zur geplanten Verlagerung der Produktion vom Standort Steckborn in das firmeneigene Werk Thailand am Mittwoch abgeschlossen. Betroffen sind 27 Mitarbeitende. Es tritt ein Sozialplan in Kraft, der durch zusätzliche unterstützende Massnahmen ergänzt wird.

Am 12. Januar hatte Bernina kommuniziert, dass eine Verlagerung der Fertigung nach Thailand maximal 40 Personen betreffen würde. Das Unternehmen steht aufgrund der anhaltenden Frankenstärke und des schwachen Dollars unter wirtschaftlichem Druck.

Bernina International AG

Die Unternehmen der Bernina Textilgruppe gehören zur weltweit tätigen Familienholding Fritz Gegauf Holding AG. Die Bernina International AG mit Hauptsitz in Steckborn, Schweiz, nimmt eine führende Stellung im Premiumsegment für Näh- und Sticksysteme ein. Der konsolidierte Jahresumsatz der Bernina Textilgruppe betrug 2024 rund 251 Millionen Franken. Steckborn bleibt mit mehr als 300 Mitarbeitern Hauptsitz und alleiniger Entwicklungsstandort von Bernina. Weltweit beschäftigt die Bernina Gruppe mehr als 1200 Personen.

Nach einem «konstruktiven Dialog» mit der Mitarbeitervertretung hat die Geschäftsleitung am Mittwochnachmittag ihren Entscheid kommuniziert: Die Montage des Modells Bernina 990 und Teile der mechanischen Fertigung werden von Steckborn in das bestehende Werk Thailand verlagert. Prototypenbau sowie das Logistikzentrum für Zubehör und Ersatzteile verbleiben in Steckborn.

27 Mitarbeitende sind betroffen

Betroffen sind 27 Mitarbeitende, für die der bestehende Sozialplan in Kraft tritt. Dieser wird ergänzt durch zusätzliche Massnahmen zur sozialverträglichen Gestaltung des Übergangs, welche von der Geschäftsleitung auf Antrag der Mitarbeitervertretung beschlossen wurden.

«Für zwei der betroffenen Personen bestehen interne Anschlusslösungen. Die anderen 25 Personen werden bei der Stellensuche begleitet und unterstützt», so heisst es in der Medienmitteilung.

Mit der nun beschlossenen Massnahme wird das Modell Bernina 990 ab Mai durch Bernina Thailand hergestellt. Das Werk Bernina Thailand besteht seit 1990, ist im Besitz der Bernina Textilgruppe, steht unter Schweizer Leitung und wurde in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich modernisiert und ausgebaut. Es gilt als eines der technologisch führenden Werke für Haushaltnähmaschinen weltweit.

Angesichts der wirtschaftlichen Herausforderungen, insbesondere der Währungsentwicklung und der Marktlage in den USA, sei die Bündelung der Produktion im Werk Thailand unvermeidlich gewesen, sagt Kai Hillebrandt, CEO Bernina International AG.

Verpflichtet, «den langfristigen Erfolg zu sichern»

«Wir sind verpflichtet, den langfristigen Erfolg von Bernina zu sichern. Die Verlagerung ermöglicht es uns, gegenüber unserer internationalen Konkurrenz langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.» Die USA sind für Bernina der mit Abstand wichtigste Absatzmarkt. Fast drei Viertel des gesamten Gruppenumsatzes werden in den USA erwirtschaftet (2024: 73,1 Prozent). «Die starke Aufwertung des Frankens gegenüber dem US‑Dollar und anderen Währungen belastet Bernina erheblich.»

Trotz der Verlagerung der Fertigung soll «die DNA des Unternehmens schweizerisch» bleiben. Am Standort Steckborn sind mehr als 300 Personen für Bernina tätig. Die gesamte Entwicklung, Qualitätsmanagement, Prototypenbau, Teile des Testings, Verwaltungsfunktionen sowie der zentrale Zubehör‑ und Ersatzteillogistik-Hub sind hier angesiedelt und dauerhaft in Steckborn verankert. Insgesamt beschäftigt die Bernina Gruppe 1200 Personen in mehreren Tochtergesellschaften rund um die Welt.

Nachgefragt: Wie unterstützt Bernina ihre betroffenen Mitarbeitenden?

Matthias Fluri, Mediensprecher der Bernina International AG, beantwortete die Fragen der «Schaffhauser Nachrichten» zur Zukunft der betroffenen Angestellten schriftlich.

27 Mitarbeitende verlieren ihre Stelle. Über welchen Zeitraum verfügen sie, um eine neue Anstellung zu finden? Wie wird Bernina die Mitarbeitenden dabei unterstützen?

Matthias Fluri: Es sind gesamthaft 27 Personen betroffen. Für zwei gibt es eine interne Anschlusslösung. Die Kündigungen wurden am 18. Februar ausgesprochen. Bernina wird die verbleibenden 25 Personen während der Kündigungsfrist bei der Stellensuche eng begleiten und unterstützen. 

Am 12. Januar war von 40 Personen die Rede. Warum hat sich die Zahl reduziert?

Die Reduktion hat mit Vorschlägen der Mitarbeitervertretung im Konsultationsverfahren zu tun. Über die Verlagerungsmassnahmen wurde nach einem Konsultationsverfahren entschieden, welches von der Geschäftsleitung in einem offenen Dialog mit Mitarbeitervertretung geführt wurde. Die Mitarbeitervertretung hat den Prozess sehr sorgfältig durchgeführt. Die Vorschläge wurden von der Geschäftsleitung ebenso sorgfältig geprüft. Als Ergebnis dieses Dialogs werden bestimmte Verlagerungsmassnahmen nicht umgesetzt. Es haben keine Frühpensionierungen stattgefunden.
 
Welche konkreten Leistungen umfasst der bestehende Sozialplan?

Bernina bedauert die Kündigungen sehr und setzt sich für möglichst gute Lösungen für die betroffenen Mitarbeitenden ein. Es gibt für Bernina einen allgemein gültigen Sozialplan, der im Oktober 2024 von Geschäftsleitung und Mitarbeitervertretung für die Jahre 2025-2027 ausgehandelt wurde. Dieser greift bei allen Entlassungen aus wirtschaftlichen Gründen. Auf Antrag der Mitarbeitervertretung hat die Geschäftsleitung zusätzliche Massnahmen zur bestmöglichen Unterstützung der Betroffenen beschlossen. Das gesamte Unterstützungspaket beinhaltet finanzielle Leistungen, vor allem aber die optimale Unterstützung der Betroffenen bei der Stellensuche. Der Fokus liegt auf der raschen Wiederintegration in den Arbeitsmarkt.

Gibt es Mindest- oder Höchstbeträge, die den Betroffenen ausbezahlt werden? Wie wurden diese berechnet?

Wir nehmen nicht im Detail Stellung zum Inhalt des Sozialplans und zu den zusätzlichen Leistungen, die auf Antrag der Mitarbeitervertretung beschlossen wurden.
 

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