Es gibt keine Ausreden mehr! So einfach integrieren Sie Bewegung in den Alltag

Dario Muffler | 
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Dario Muffler Zeigt Fitnessᅢᄐbungen, Mittwoch, 14.01.2026, Schaffhausen (Roger Hofstetter/Schaffhauser Nachricht
Dario Muffler ist ausgebildeter J+S-Trainer in der Leichtathletik und war Mitglied des Duathlon-Nationalkaders. Bild: Roger Hofstetter

Dass Bewegung gesund ist, weiss eigentlich jeder. Und doch hadern viele damit. Dabei gibt es viele Möglichkeiten, sich im Büro, im Haushalt oder im öffentlichen Raum körperlich zu betätigen. Das sind die besten Bewegungs-Tipps der SN.

Der Jahresbeginn steht für Vorsätze – die man meist schon bald wieder über den Haufen wirft. Das liegt oftmals daran, dass man sich zu viele und zu hohe Ziele steckt. Viele Menschen wünschen sich zu Beginn des Jahres, sich mehr zu bewegen, und kaufen sich ein Abo für ein Fitnesscenter. Für mich gehört Bewegung seit der Primarschule in grossem Ausmass dazu: Mehrere Stunden Sport in der Woche waren und sind die Regel. Doch das muss gar nicht das Richtige für alle Menschen sein.

Kontinuität und keine Perfektion

Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt allen Erwachsenen 150 bis 300 Minuten Bewegung mit mittlerer Intensität pro Woche (das gibt im Minimum gerade mal etwa 20 Minuten am Tag) oder 75 bis 150 Minuten bei hoher Intensität. Eine hohe Intensität zeigt sich gemäss Definition durch beschleunigte Atmung und leichtes Schwitzen. Das Sprechen fällt während der Aktivität zunehmend schwer.

Typische Aktivitäten sind etwa Tanzen, Fussballspielen oder zügiges Schwimmen. Die mittlere Intensität zeichnet sich durch eine erhöhte Herz- oder Atemfrequenz aus. Wer während der Aktivität noch sprechen, aber nicht mehr singen kann, bewegt sich mit mittlerer Intensität. Für Kinder und Jugendliche werden über die Woche verteilt mindestens 60  Minuten Bewegung mit mittlerer Intensität, für Kinder unter 5 Jahren sind 180 Minuten Bewegung täglich empfohlen.

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Wer kein Handtuch oder Theraband zur Hand hat, nimmt einfach ein T-Shirt. Bild: Roger Hofstetter

Theraband wirkt Wunder – Handtuch tuts auch

Für Arme und Rumpf gibt es ein Sporttool, das wenig Platz braucht und vieles kann: Das Theraband, irgendein anderes Gummiband oder auch ein Handtuch tun es auch. Es gibt unzählige Übungen, die man mit Therabändern machen kann. Unser Alltag ist geprägt vom Auf-Bildschirme-Starren. Die Folge sind ein verspannter Nacken und verkrampfte Schulterpartien. Die sogenannte Rotatorenmanschette, welche das Schultergelenk stabilisiert, kann einfach trainiert werden.

Greifen Sie mit beiden Händen das Theraband. Ziehen Sie es auseinander, indem Sie Ihre Arme in den Schultern so weit wie möglich nach aussen rotieren. Halten Sie diese Stellung für einen Moment und kommen Sie wieder zurück zur Ausgangsposition. Achten Sie darauf, dass die Ellenbogen immer nahe an Ihrem Oberkörper bleiben.

Eine zweite Übung funktioniert so, dass Sie sich auf das Band stellen und die gestreckten Arme vorn hinaufbewegen, sodass sie in der Endposition ein Y darstellen. Achten Sie dabei darauf, dass die Schulterblätter unten bleiben – darauf liegt der Fokus während der ganzen Bewegung. Für beide Übungen gilt: zwei- bis dreimal 10 Wiederholungen.

Die Empfehlungen machen klar: Es braucht keine täglichen Joggingrunden oder den mehrmaligen Besuch eines Fitnessstudios, um sich ausreichend zu bewegen. Die mehrfache Ironman-Weltmeisterin Daniela Ryf betont, wie wichtig dabei eine Regelmässigkeit ist, und sagt: «Hör auf zu fragen: ‹Habe ich Lust dazu?› Sondern beginne zu fragen: ‹Was ist das Minimum heute?›»

Mit einfachen Gebrauchsgegenständen und in alltäglichen Situationen lassen sich gut Bewegungen integrieren. Das hilft übrigens nicht nur dem Körper, sondern auch der psychischen Gesundheit: Eine systematische, wissenschaftliche Analyse von 97 Studien hat ergeben, dass körperliche Aktivität einen positiven Effekt bei Depressionen, Angstzuständen und psychischen Belastungen hat. Und für alle, die in ihrem Berufsalltag viel sitzen müssen: Eine US-amerikanische Studie hat zudem gezeigt, dass 5-minütige Bewegungspausen alle 30 Minuten das Risiko für Herzkrankheiten und andere chronische Krankheiten deutlich senken können. Aus der Trainingswissenschaft weiss man zudem, dass kurze, intensive Aktivitäten einen teilweise besseren Effekt auf die Fettverbrennung haben als längere, nicht so intensive.

Nutzen Sie Treppen vielfältig

Treppen sind eine Einladung, sich kurz zu bewegen. Der Klassiker: Steigen Sie die Treppen hoch, statt den Lift zu nehmen. Laufen Sie auch mal in einer Pause zwei Stockwerke hinauf und wieder herunter, um Ihren Puls etwas in die Höhe zu treiben. Alternativ können Sie Treppenstufen nutzen, um Ihre Wadenmuskulatur zu stärken. Stellen Sie sich an die Kante, sodass die Fersen über die Treppe hinausragen. Drücken Sie sich hoch auf den Vorfuss und dann ganz langsam, kontrolliert so weit nach unten, wie es geht. Beginnen Sie zweibeinig, wenn Sie dreimal 10 Wiederholungen schaffen, dann versuchen Sie es einbeinig.

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Beim Treppensteigen kann man diese Übung einbauen. Bild: Roger Hofstetter

Der Grund dafür ist der Nachbrenneffekt. Schon sehr kurze, aber intensive Intervalle – zum Beispiel mehrere 20- bis 30-Sekunden-«Sprints» mit Pausen, insgesamt nur wenige Minuten Höchstbelastung – können den Energieverbrauch in den Stunden danach messbar erhöhen. Man könnte sagen: Es ist genauso effektiv, wie wenn Sie 30 Minuten joggen gehen.

Kisten, Harasse und volle Einkaufstaschen

Die Gesundheitswissenschaftler sind sich inzwischen einig, dass nicht nur Ausdauer zu einer gesunden Lebensweise gehört, sondern auch Kräftigung beachtet werden muss. Bereits ab dem 30. Lebensjahr beginnt die Muskelmasse, weniger zu werden, was im höheren Alter oft zu Einschränkungen im Alltag führt. Entgegenwirken kann jede und jeder, indem er beispielsweise gefüllte Einkaufstaschen für ein paar Minuten trägt. In der Trendsportart Hyrox gibt es sogar eine Disziplin, die genau das abbildet: den sogenannten Farmers Carry.

Wer es etwas ausgeklügelter, aber noch immer alltagstauglich will, nimmt sich in jede Hand ein Sixpack eines Getränks (oder einen Harass) und macht dreimal 10 Kniebeugen. Stellen Sie sich dazu schulterbreit stabil hin. Lassen Sie die Arme gestreckt und gehenSie so in die Knie, als ob Sie sich hinsetzen würden. Achten Sie darauf, dass die Knie nicht zu weit über die Zehenspitzen ragen. Eine weitere Übung: Wenn Sie in jede Hand eine Flasche aus dem Sixpack nehmen, dann können Sie verschiedene Übungen für den Schulterbereich und die Arme machen. Strecken Sie die Arme nach vorn und führen Sie sie nach aussen, bis sie auf der Höhe der Brust in einer Linie sind – immer gestreckt bleiben.

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Kniebeugen sind sehr effektiv, als Gewicht eignen sich auch Einkaufstaschen. Bild: Roger Hofstetter
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Auch zwei Flaschen reichen schon, um den Oberkörper und vor allem die Arme zu trainieren. Bild: Roger Hofstetter

Tanzen Sie!

Tanzen ist gleich in mehrerlei Hinsicht gesund. Zum einen bewegen Sie sich, zum anderen konnten Wissenschaftler nachweisen, dass Tanzen positive Effekte fürs Gehirn hat. Es werden verschiedene Areale im Gehirn aktiviert und Botenstoffe und Hormone ausgeschüttet. Hinzu kommt, dass die rhythmischen Bewegungen und das bewusste An- und Entspannen einen positiven Effekt auf das Nervensystem haben. Deshalb: Für eine kurze Bewegungspause mit hohem Wert für die mentale Gesundheit einfach Kopf­hörer rein und während der Dauer eines Songs tanzen!

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Und am Ende einfach Spass haben – ein durchgetanztes Lied ist bereits Sport und setzt Endorphine frei. Bild: Roger Hofstetter

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