Petition erfolgreich: Schaffhausen verzichtet auf Aufwertung am oberen Lindli
Die Stadt Schaffhausen plante im oberen Abschnitt des Lindli eine Verbesserung der Aufenthaltsqualität. Doch der Widerstand war gross – und erfolgreich. Die Stadt verzichtet nun weitgehend auf die geplante Aufwertung.
Eine Aufwertung an einem ruhigen Flecken direkt am Rhein sollte es werden: Vorgesehen waren unter anderem eine Terrainaufschüttung gegen die Rheinhaldestrasse, ein moderner Trinkbrunnen, steinerne Sitzstufen zum Rhein hin sowie eine verkleinerte Liegewiese. Weil die Stadt ihre Pläne öffentlich auflegte, ohne vorgängig das Gespräch mit Anwohnern und Nutzerinnen zu suchen, regte sich rasch Widerstand. Die Anwohnerin Marleen Schyvens begann zunächst im Quartier, später stadtweit Unterschriften zu sammeln. Im Sommer 2024 reichte sie schliesslich eine Petition mit rund 1300 Unterschriften im Stadthaus ein.
«Die Nachricht freut uns sehr. Es ist immer deutlicher geworden, dass für eine Aufwertung gar kein zwingender Handlungsbedarf besteht.»
Schyvens, die mit ihrem Ehemann Martin Keiser das historische Haus direkt hinter der sogenannten Trottenwiese bewohnt, kritisierte den aus ihrer Sicht unnötigen «Aufwertungswahn». Der Ort sei genau so wertvoll, wie er heute sei, argumentierte sie – niedrigschwellig, offen und nicht durchgestaltet.
Stadt hat Umfrage gemacht
Die Stadt setzte sich daraufhin mit den Petitionärinnen und Petitionären zusammen und beurteilte das Projekt neu. Bereits früh wurde die geplante Geländemodellierung verworfen, «sodass die Liegewiese in der bestehenden Form nicht tangiert wird», wie die Stadt mitteilt.
Im Sommer 2025 liess Grün Schaffhausen das angepasste Projekt zudem durch eine Befragung von 34 zufällig ausgewählten Nutzerinnen und Nutzern überprüfen. Die Resultate wurden anschliessend mit einer Delegation der Petition diskutiert. «Dabei zeigte sich, dass der Nutzen der Aufwertung weiterhin grundsätzlich hinterfragt wird. Insbesondere die neuen Sitzstufen wurden als störender Eingriff bezeichnet.»
Nur ein Brunnen bleibt übrig
Das Fazit ist eindeutig: Auch die geplanten Steinstufen werden gestrichen. «Nur der Trinkbrunnen wird umgesetzt, sein Standort aber nochmals überprüft.» Ergänzende Strauch- und Baumpflanzungen entlang des Lindli sollen unabhängig davon weiterhin punktuell erfolgen.
Für sie ist es ein Sommermärchen mitten im Winter – Marleen Schyvens zeigt sich auf Anfrage erleichtert: Die Nachricht freue sie sehr, vor allem auch im Namen der vielen Menschen, die das Anliegen mit ihrer Unterschrift unterstützt haben. Das Gespräch mit der Stadt sei «vielseitig und differenziert» verlaufen, der Umgang stets respektvoll gewesen. Und im Verlauf des Austauschs sei immer deutlicher geworden, «dass für eine Aufwertung gar kein zwingender Handlungsbedarf besteht».