Stadt und Kanton Schaffhausen fordern von den SBB erneut verlässliche Zugverbindungen nach Zürich
Verspätungen und Ausfälle auf der Bahnlinie Schaffhausen–Zürich sorgen seit Jahren für Ärger. Nun verlangen Schaffhauser Politiker in einem gemeinsamen Brief an SBB-Chef Vincent Ducrot sofortige Massnahmen. Nationalrat Thomas Hurter geht sogar noch einen Schritt weiter.
von Lucas Blumer und Thomas Martens
Seit 2015 verbindet eine im Halbstundentakt verkehrende Zugverbindung Schaffhausen mit Zürich. Während der RegioExpress auf dieser für Schaffhausen äusserst wichtigen Strecke zuverlässig fahre, bereite der InterCity als Teil der internationalen Linie Stuttgart–Zürich immer wieder grosse Probleme, so die Schaffhauser Staatskanzlei in einer Medienmitteilung am Freitag. Wiederholt würden die Züge aus Deutschland Schaffhausen erst verspätet erreichen oder ganz ausfallen. Das habe Folgen für Pendlerinnen und Pendler, die in Zürich wichtige Anschlüsse und Termine verpassen, so die Staatskanzlei weiter.
Die Schaffhauser Kantonalregierung, die Bundesparlamentarier und der Stadtrat haben deshalb gemeinsam die SBB aufgefordert, rasch Abhilfe zu schaffen. In einem Brief an CEO Vincent Ducrot machen sie deutlich, dass sie sich nicht länger mit vagen Zusagen abspeisen lassen wollen. Aufgrund der häufigen Ausfälle und Verspätungen stehe für die Bevölkerung de facto nur ein verlässlicher Stundentakt zur Verfügung, heisst es im Brief.
Die Forderung der Schaffhauser Politik an den CEO der SBB ist klar: Die internationale Verbindung Stuttgart–Zürich soll künftig komplett von den SBB verwaltet werden. Wie genau die SBB das umsetzen, sei ihnen überlassen, wie Regierungspräsident Martin Kessler auf Anfrage sagt. Ein Vorschlag, der in der Medienmitteilung skizziert wird, ist der Bruch der Verbindung Stuttgart–Zürich in Singen, sodass zumindest der pünktliche Verkehr zwischen Zürich und Singen gewährleistet sei.
Verhandlungen mit dem Bundesrat
Der Schaffhauser Nationalrat Thomas Hurter (SVP) beschäftigt sich nach eigenen Angaben bereits seit vielen Jahren mit dem Thema. Wie er auf Anfrage der SN sagt, steht er dazu aktuell in Verhandlungen mit dem Bundesrat. Ihm sei in Aussicht gestellt worden, dass es allenfalls schon im November, spätestens aber zum Fahrplanwechsel, eine Änderung geben werde: «Ich bin überzeugt, dass es eine Reduzierung der Frequenzen mit der Deutschen Bahn geben wird und andererseits die SBB gewisse Lücken übernehmen müssen. Die Deutsche Bahn könnte dadurch ihre Mittel gezielter einsetzen. Dank der zusätzlichen Frequenz durch die SBB von Schaffhausen nach Zürich würde unsere Agglomeration wieder pünktlichere Fahrpläne nach Zürich haben.»
Die Deutsche Bahn habe eine neue Chefin erhalten und suche einen Weg, wie man pünktlicher werden könnte, so Hurter: «Gemäss Medienberichten möchte sich die Deutsche Bahn stärker auf das Kerngeschäft konzentrieren, vor allem in Deutschland.» Hurter ist überzeugt, dass dies eine weitere Verschlechterung der Linien nach Zürich über Schaffhausen bedeutet.
Umstieg in Schaffhausen gefordert
Mit einem parlamentarischen Vorstoss will Hurter den Druck auf die Politik weiter aufrechterhalten. In einer Interpellation, die er am Mittwoch eingereicht hat, fordert er weiterhin eine Unterbrechung der Strecke Stuttgart–Zürich, analog dem Beispiel Basel. Die Fahrgäste sollen von Stuttgart nach Schaffhausen fahren und dort in Züge nach Zürich umsteigen.
Vom Bundesrat möchte Hurter unter anderem wissen, welche Auswirkungen die Neuausrichtung der Deutschen Bahn mit einem stärkeren Fokus auf das Kerngeschäft in Deutschland auf die Schweiz hat, insbesondere auf die Verbindung Stuttgart–Schaffhausen–Zürich. Zudem interessiert ihn, weshalb die SBB weiterhin nicht bereit sind, eine Unterbrechung der Strecke umzusetzen und einen Halbstundentakt Schaffhausen–Zürich und zurück einzurichten, wie er in vielen Hauptorten anderer Kantone Standard sei. Und er fragt, welche Szenarien der Bund plant, falls sich die Lage nicht verbessert.