Der weltbeste Landmaschinenmechaniker kommt aus Stetten: Wie es Cedric Lang bis an die ETH geschafft hat
Mit einer Goldmedaille stand der Stettemer Cedric Lang auf dem Podest der World Skills 2024. Unterdessen hat der Landwirtschaftsmechaniker es im Überflug zur ETH geschafft, wo er ein Maschineningenieurstudium begonnen hat. Der Berufsweltmeister mit Lehrabschluss und eidgenössischer Matura hat den Königsweg gewählt und das bringt im Hochschulstudium vor allem Vorteile.
von Daniela Palumbo
Fünf Jahre lang hat Cedric Lang an seinem Traktor gearbeitet. Nun ist er fertig. Abgesehen von den Rädern und der Steuerung hat der 23-Jährige alles selbst hergestellt. Ein Meisterstück der Landwirtschaftstechnik in Miniatur. Im Garten des Elternhauses in Stetten steht nicht nur der Traktor. Ein lebensgrosser Panther, ein Büffel und ein Säbelzahntiger aus Metall lauern auf der Wiese. Tierskulpturen, die Cedric Lang eigenhändig bearbeitet und zusammengeschweisst hat und auf seiner Website zum Verkauf anbietet. Auch der Brunnen und die Pergola aus Metall sind von ihm, die stählerne Feuerstelle davor erhielt er für den Sieg an den World Skills 2024 in Lyon.
Die Lust am Handwerk stachelt Cedric seit Kindesbeinen an. Seine Eltern haben ihn ausprobieren lassen, was immer er sich ausdachte, in der Werkstatt im Keller gabs Platz und Material in Hülle und Fülle. Obwohl er als Schüler Bestnoten schrieb, mochte er nicht den gymnasialen Weg einschlagen. Er wollte seine Hände gebrauchen, statt tagelang die Schulbank zu drücken. Trotzdem insistierte seine Lehrerin, er solle die Kantonsschule Schaffhausen absolvieren. Als seine Mutter ihm erzählte, dass es auch die Möglichkeit gab, eine Lehre und die Berufsmaturität zu wählen, war er nicht mehr davon abzubringen.
Seine Lehre machte er bei Waldvogel Agrotech in Lohn, die BMS in Winterthur. Nach den erfolgreichen Abschlüssen schloss er direkt die Passerelle an, um die gymnasiale Maturität zu erlangen. Eine Woche später stellte er sein Können an den Berufsmeisterschaften Swiss Skills 2023 unter Beweis und wurde Schweizer Meister in Landmaschinenmechanik. Auf sechs Monate Zivildienst folgten sechs Monate intensive Vorbereitung auf die World Skills. Am Montag, nachdem er den Weltmeistertitel gewonnen hatte, startete er sein Studium an der ETH in Maschinenbau.
Praxiserfahrung hilft bei ETH-Studium
Cedric Lang ist diszipliniert und zielstrebig. «Wochenende brauche ich nicht. Mechen und Studieren machen mir Spass», sagt er mit einer für sein Alter ungewohnten Gelassenheit. Es gebe viel zu lernen, aber es falle ihm leichter als anderen. Mit seiner Praxiserfahrung aus der Lehre bringt er mehr Verständnis für das Maschinenbau-Studium mit als viele seiner Kommilitonen ohne Lehre. «Es war der richtige Weg. Ich brauchte zwar zwei Jahre länger, aber es hat keine Nachteile.» Eins findet er indes schade, dass zwischen ausgebildeten Lernenden und Studienabgängern so grosse Lohnunterschiede bestehen.
«Ich werde zum Beispiel eine Maschine zur Unkrautbekämpfung mit Spritzmittelminimierung entwickeln. Ich will etwas für den Planeten machen.
Sein Ziel ist es, dereinst eine eigene Firma zu gründen, um zukunftsgerichtete Projekte in der Landwirtschaft zu realisieren. «Ich werde sicher keinen Verbrennungsmotor entwickeln, aber zum Beispiel eine Maschine zur Unkrautbekämpfung mit Spritzmittelminimierung. Ich will die Menschheit weiterbringen und etwas für den Planeten machen.»
Ein Unternehmen, die Longus Crafs Gmbh, hat der 23-Jährige bereits aufgebaut. Darüber verkauft er seine Skulpturen und andere Metallarbeiten. Realisiert hat er schon ein Handstandpodest für eine Zirkusartistin und auf Anfrage kreiert er Chromstahl-Objekte wie Feuerschalen, Sitzbänke, Sichtschutzwände. Die Metallbearbeitung – drehen, schweissen, fräsen, veredeln – hat er in der äusserst vielseitigen Lehre gelernt. Doch auch sonst verfügt der Umtriebige über allerlei Fertigkeiten. Die Website hat er zum Beispiel selbst programmiert.
Zum Weltmeister in der Kategorie «Heavy Vehicle Technology» habe er es 2024 gebracht, sagt er, weil er Freude habe, an dem, was er mache. Für die World Skills trainierte er sehr intensiv. «Auch wenn ich keinen Bock hatte, machte ich diszipliniert weiter.» Und seine Eltern sowie seine Kollegen unterstützten ihn dabei finanziell und mental.
Schon als Junge hat ihn die Technik von Landmaschinen fasziniert. Zunächst beschäftigte er sich mit kleinen Spielzeugtraktoren, baute Scheunen und Anhänger. Danach kamen ferngesteuerte Maschinen hinzu, bis er die fünfeinhalb Jahre dauernde Arbeit an seinem auf der Wiese stehenden Landwirtschaftstraktor aufnahm, den er erst nach der Lehre fertigstellte. Er drehte Felgen, fräste das Chassis aus Aluminium, druckte die Kabine und die Motorhaube mit dem 3D-Drucker, fabrizierte das 3-Gang-Getriebe, installierte die Beleuchtung und befestigte die Anhängervorrichtung.
Training für Atmung und Muskeln
In der Lehre fielen seine Begabungen auf. Für die Swiss Skills folgte er dem Aufruf seines ÜK-Leiters. Dieser hatte ihn angerufen und befahl: «Melde dich an!» Mit nur vier Tagen Vorbereitung gewann Cedric Lang den Schweizer Berufsmeistertitel. Dadurch qualifizierte er sich automatisch für die Weltmeisterschaften. Jeder Wettkämpfer erhielt einen Experten zur Seite. Seiner verhalf ihm zum benötigten Know-how und verschaffte ihm Zugang zu verschiedenen Land- und Baumaschinen, die Cedric Lang testen durfte.
Nebenbei erhielt er ein Mental-Coaching, um sich im Wettkampf in der lärmigen Messehalle zu beruhigen, zu konzentrieren, «in meiner Bubble zu bleiben». Er trainierte auch Atemtechnik, bei jeder Gelegenheit, wie seine Muskeln. Als Ausgleich betreibt Cedric Lang zwischendurch Calisthenics, ein Krafttraining mit dem eigenen Körper, und seit eineinhalb Jahren auch die Klettersportart Bouldern. Zudem spielt er Piano und Saxofon.
Mit seinem Studium an der ETH verbindet der Überflieger nun die beiden Welten: Praxis sowie Theorie und Forschung. Noch stehen ihm zwei Jahre Bachelor und zwei Jahre Master bevor. Der Landwirtschaft wird er jedoch bestimmt die Treue halten. Während seiner Lehre hat er manchmal auch die Kühe seines Chefs gehütet und auch viel Zeit auf dem Bauernhof seines Göttis verbracht. Der Minitraktor auf der Wiese seines Elternhauses ist nicht nur ein Beweis seines Könnens, sondern auch ein Symbol seiner Zugehörigkeit.
Ein Artikel aus dem Magazin

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