Giorgio Behr will aus der BBC-Arena das grösste Sportzentrum der Schweiz machen
Lange schien die geplante Erweiterung der BBC-Arena im Schweizersbild auf Eis gelegt. Doch Recherchen der SN zeigen: Die Zusatzbauten sollen kommen – und weitaus grösser werden als bisher bekannt.
Lange Zeit herrschte Totenstille rund um eine der grössten geplanten Sportanlagen im Kanton. Das letzte Lebenszeichen gelangte im März 2022 an die Öffentlichkeit, als die Kantonsregierung das Projekt der Gemeinnützigen Stiftung Schweizersbild in einer Vorlage zuhanden des Parlaments skizzierte. Schon damals waren die Dimensionen des Projekts beeindruckend. Die Rede war von einer doppelten Erweiterung der Event- und Sporthalle BBC-Arena, die als Heimspielstätte der Kadetten Schaffhausen dient. Zum einen wurde mit dem «Projekt West» ein Anbau an die BBC-Arena geplant. Hier sollten Unterkünfte sowie Trainings- und Wettkampfräume für das nationale Leistungssportzentrum im Tischtennis entstehen. In weiteren Räumen hätten sich Hobbysportler in Taekwondo und anderen asiatischen Kampfsportarten messen können.
Das zweite Teilprojekt umfasste einen Neubau auf einer Landparzelle der Stadt Schaffhausen, ungefähr auf dem Areal des heutigen Besucherparkplatzes der BBC-Arena. Neben Parkierungsmöglichkeiten waren zwei Grossraumhallen geplant, die genügend Platz für die Ausübung verschiedenster Sportarten versprachen. Die gesamten Baukosten beliefen sich laut Vorlage auf rund 19,98 Millionen Franken. Im Raum stand seitens des Kantons ein einmaliger Unterstützungsbeitrag von 2’997’687 Franken. Dieser wäre haarscharf unter der gesetzlichen Limite von 3 Millionen Franken gelegen, deren Überschreitung eine obligatorische Volksabstimmung auslöst.
Aufgeschoben ist nicht aufgehoben
Nach Überweisung des Antrags an den Kantonsrat passierte – nichts. Eine Kommission, welche die Ansprüche auf den Unterstützungsbeitrag hätte beraten sollen, begann gar nicht erst mit ihrer Arbeit. Denn kurz nach Überweisung des Papiers stellte sich dessen Grundlage bereits wieder als überholt heraus – und damit auch die Voraussetzung für die Berechnung des Unterstützungsbeitrags.
Die Stiftung Schweizersbild mit Giorgio Behr als Präsident des Stiftungsrats kündigte eine grundlegende Überarbeitung an. Vor rund einem Monat wurde Stadt und Kanton mitgeteilt, dass nun ein definitives Projekt ausgearbeitet worden sei. Und dieses hat es in sich.
Waren vorher noch rund 20 Millionen Franken für die beiden Zusatzbauten vorgesehen, verdoppelten sich die Baukosten in der Zwischenzeit auf rund 37 Millionen Franken. Zum Vergleich: Der Bau der BBC-Arena und des dazugehörigen Campus kostete damals rund 23 Millionen Franken. Das Volumen der Gebäude soll in der aktualisierten Version deutlich grösser werden. Geplant sind nicht weniger als fünf Grossraumhallen. Laut Giorgio Behr würde es sich um das «grösste Hallensportzentrum der Schweiz» handeln.
«Es würde sich um das grösste Hallensportzentrum der Schweiz handeln.»
Die Erweiterung des Erweiterungsprojekts erklärt er mit den Bedürfnissen zusätzlicher Vereine, welche auf die Stiftung zugekommen seien. Insgesamt soll die erweiterte Anlage etwa 13 verschiedenen Sportarten eine Trainingsmöglichkeit bieten. Es gebe, so Behr, eigentlich keine relevante Hallensportart, die nicht berücksichtigt werden könne.
Aufgrund der Anfragen habe «die Stiftung unter anderem den Ausbau für eine Indoor-Leichtathletik-Anlage, den Einbezug der leer stehenden Reithalle sowie die Ausrichtung der ursprünglich geplanten Erweiterung auf Rollstuhlsport und weitere Hallensportarten geprüft». Ebenfalls vorgesehen sind weitere Unterkünfte, die sich in Zusammenarbeit mit dem Hotel Hohberg auf insgesamt über 200 Betten belaufen sollen. Wie heute sollen die Kosten pro Nacht und Person rund 45 Franken betragen.
Das Volk hat das letzte Wort
Das finale Projekt diene fast ausschliesslich dem Jugend- und Breitensport, betont Behr. Es entspreche ganz dem Konzept von Stadt und Kanton zur Finanzierung von Sportanlagen und verfolge, anders als etwa das Kletterzentrum Aranea, keine Gewinnabsicht. «Die Stiftung hat das Projekt den Behörden vorgestellt. In einem nächsten Schritt werden Stadt und Kanton sowie die Politik prüfen und entscheiden müssen, ob das in der Schweiz grösste und wohl auch im europäischen Vergleich bedeutende Hallensportzentrum entstehen soll.»
Behr wünscht sich eine Beteiligung von Stadt und Kanton von je 15 Prozent an den Gesamtkosten. Das entspricht dem Maximum, das laut Kantonalem Sportanlagenkonzept (Kasak) als Unterstützungsbeitrag für private Sportprojekte gesprochen werden kann. Diese Beiträge würden sich auf je etwa 6 Millionen Franken belaufen. Im Gegensatz zum ursprünglichen Projekt würden sie die Limite von 3 Millionen Franken klar übersteigen. Behr sieht das positiv: «Wir wollen eine Volksabstimmung.»
Auf Anfrage bestätigt die Windler-Stiftung, sich bei Zustandekommen der Erweiterungsbauten substanziell beteiligen zu wollen. Insgesamt sei ein Beitrag von maximal 14,4 Millionen Franken vorgesehen. Finanzreferent Daniel Preisig ist seitens Stadt zuständig für das Projekt. Man befinde sich in den letzten Zügen der Verabschiedung an die Parlamente. «Die Erweiterung des Hallensportzentrums ist klar ein Gewinn für Schaffhausen als Sportstadt. Und die Öffentlich-Private Partnerschaft ist auch für die öffentliche Hand ein gutes Geschäft. Schliesslich ist die Erweiterung auch für den Schul- und Vereinssport nutzbar.»