Die Fifa mit der Lizenz zum Schröpfen

Tobias Erlemann Tobias Erlemann | 
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Japan fans celebrate their team's goal against Netherlands as they watch a public viewing of the World Cup soccer tournament between Japan and Netherlands in San Francisco, Sunday June 14, 2026. (AP Photo/Eugene Hoshiko)
Jubelnde Fans und gigantische Stimmung? An der WM 2026 bleibt manchem Anhänger ob der horrenden Preise auch mal der Schlachtruf im Halse stecken. Bild: Keystone

Fussball ist schon länger eine teure Angelegenheit geworden. Was die Fifa aber bei der WM 2026 abzieht, ist an Raffgier kaum noch zu überbieten.

Ein brasilianischer Fan gibt ein TV-Interview vor dem Match gegen Marokko in New Jersey. Was hat sein Ticket gekostet? 2000 Dollar! Was musste er für den Parkplatz vor dem Stadion berappen? 380 Dollar! Warum parkt er auch direkt davor, könnte man fragen? Nun ja, ein Kollege sei mit dem öffentlichen Shuttle von New York hergefahren. Regulärer Preis ohne WM? 10 Dollar. Während der WM? 120 Dollar!

Fussball als Luxusgut. Klar, auch Spiele in der Premier League oder Bundesliga sind inzwischen teuer. Aber die WM in den USA, Kanada und Mexiko ist der Höhepunkt an Raffgier. Die Fifa nennt das System bei den Tickets «Dynamic Pricing». Der Preis wird geregelt durch Angebot und Nachfrage. 500 Millionen Tickets hätte man verkaufen können, schwärmt Fifa-Präsident Gianni Infantino. Warum auf den Tribünen riesige Lücken klaffen in den meisten Spielen? Egal. Mit dem «Dynamic Pricing» werden solche Leerstände locker ausgeglichen. Der simple Fan spielt bei der Fifa eh keine Rolle mehr. Er soll Geld abliefern. Und wenn er keines hat, soll er daheim bleiben und die TV-Quote stabilisieren.

Und dann gibt es noch den Ticket-Zweitmarkt. Die Regel: Wer kurzfristig nicht kann, gibt sein Ticket weiter. Vielleicht mit einer kleinen Gebühr obendrauf auf den Normalpreis. Wie das bei der Fifa an der WM abläuft? Im Zweitmarkt kann man vogelwild sein Ticket für Utopie-Preise anbieten. Ein VIP-Ticket für das Finale gibt es dort für 600'000 Dollar! Aber davon profitiert natürlich auch die clevere Fifa. Sowohl vom Verkäufer als auch vom Käufer kassiert man pro Ticket eine Gebühr von jeweils 15 Prozent.

«Früher war alles besser? Eine verklärte Sichtweise. Aber auf die Fussball-WM bezogen gar nicht so absurd.»

Tobias Erlemann, Leiter Sport Schaffhauser Nachrichten

Früher war alles besser? Eine verklärte Sichtweise. Aber auf die Fussball-WM bezogen gar nicht so absurd. WM-Eröffnung 2006, Deutschland gegen Costa Rica, aus eigener Erfahrung: Ticket? 60 Euro! Wohnmobilparkplatz im Olympiapark München? Fünf Euro pro Tag! Shuttle zum Stadion? Kostenlos! Über solche Summen lacht sich die Fifa heutzutage schlapp. Knapp drei Milliarden Dollar will Infantino einnehmen bei dieser WM alleine an Ticketverkäufen. Die Kohle muss fliessen. Da macht es sich auch gut, wenn Fans aus 48 Ländern das Geld abliefern statt nur aus 32. Kein Wunder, sitzt der Fifa-Boss mit einem Dauergrinsen auf der Tribüne. Anders als der Fan aus Brasilien. Geschröpft bis auf die Unterhose. Ob er sich noch ein zweites Spiel anschauen wird? Da muss er lachen. Das könne er sich nicht leisten, sagt er mit traurigem Blick – und bekommt anschliessend ein maues 1:1 seiner «Seleção» gegen Marokko zu sehen. Die WM als Anti-Erlebnis, willkommen im Jahr 2026!

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