Eierwürfe, neue Angstmacher und alte Vanillegipfel

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Autor
Mark Gasser

Der süssen Verlockung, an Halloween durchs Dorf zu ziehen, sind auch einige Feuerthaler Schulkinder verfallen. Von Horrorclowns wurden sie dieses Jahr nicht gejagt. Kantonsweit musste die Polizei 50-mal ausrücken.

Die Kinder schreckten weder Clowns noch altes Essen noch rüde Abfuhren ab. Bild: M. G.

Die aufgeregten Kinderstimmen sind schon von Weitem zu hören: Einige Schulkinder – die meisten von ihnen sind Sechstklässler, manche von ihnen etwas älter – ziehen durch die Strassen, um Halloween zu feiern, einige von ihnen bereits zum fünften oder sechsten Mal. Ein Brauch, der in der Schweiz trotzdem noch nicht überall gern gesehen wird.

«Haut jetzt ab!», habe ein Mann sie abgewimmelt. «Ich habe jetzt Besuch, tschüss», habe eine Frau gesagt. Das seien die schroffsten Abweisungen gewesen. Die meisten Bewohner hätten gar nicht aufgemacht. Aber von denen, die zu Hause gewesen seien, hätten die meisten sie verwöhnt und ihnen etwas Süsses gespendet. «Manche sagen aber auch: Wir haben nichts», meint Sekundarschülerin Marla. «Einer war sehr nett und gab uns 20 Franken. Aber nur weil ich gesagt habe: Geld oder Whisky!», fügt Sayan stolz an. Die Ausbeute am Ende des Abends lässt sich sehen: Jedes der Kinder zeigt unter einer Strassenlaterne Dutzende Süssigkeiten. Da lässt sich verkraften, dass eine Familie ihnen eine Packung angeknabberte Waffeln mitgegeben hat oder dass unter den Spenden abgelaufene Vanillegipfel waren. In Amerika werde der Brauch ja viel extremer gelebt: «Da bewerfen die Kinder die Häuser mit Eiern, wenn es nichts Süsses gibt. Der Brauch hat halt einen schlechten Ruf. Viele finden eben, er gehört nicht hierher», so Marla.

Etwa 25 bis 30 Kinder aus Feuerthalen und Langwiesen seien es dieses Jahr, die dem Brauch frönten, schätzt Marla. «In vergangenen Jahren waren es viel mehr.» Einige hätten sich auch wegen der sogenannten Killer- oder Horrorclowns, die auf Leute losgehen oder sie erschrecken oder (in anderen Ländern) sogar verletzen würden, nicht ins Freie getraut. Durch Mark und Bein gegangen sei einigen eine Szene, als ein solcher mit grinsender Clownsmaske verkleideter Jugendlicher unlängst mit einem Hammer eine lebensgrosse Puppe traktiert habe. Vor zwei Jahren am Fenisberg seien zwei aus dem Gebüsch gesprungen und ihnen nachgerannt. Auch Schlägereien rund um Halloween werden kolportiert, doch wissen die Kinder nicht mehr, ob sich das im vergangenen oder im vorletzten Jahr abspielte.

Keine Killerclowns ausser im Film

Wie Marla berichtet, hätten einige Kinder auch aus einem anderen Grund Hemmungen, dieses Jahr auf die Strasse zu gehen. Grund sei der Trailer zur Neuverfilmung des Horrorfilms «Es» von Stephen King. Bösewicht ist Pennywise mit seiner Clownsfratze, sozusagen der Prototyp der mittlerweile in der ganzen Welt an Halloween umherziehenden Horrorclowns.

Meldungen, dass Kinder, Jugendliche oder Erwachsene von Horrorgestalten erschreckt worden seien, habe die Kantonspolizei dieses Jahr zwar nicht erhalten. Die Sachbeschädigungen gehörten aber mittlerweile auch in der Schweiz zu Halloween wie früher zum Schulsilvester. Am 31. Oktober gingen bei der Kantonspolizei Zürich zwischen 18.30 und 23 Uhr rund 50 Meldungen ein wegen des nächtlichen Treibens, worauf die Polizei ausrückte, wie Polizeisprecherin Carmen Surber erklärt. Nur einmal betraf es den Bezirk Andelfingen, wo «verdächtige Leute» gemeldet wurden. Die Meldungen, die sich unter «Unfug» subsumieren lassen, umfassen in der Regel das Eierwerfen an Hausfassaden, auf Fahrzeuge oder öffentliche Verkehrsmittel, das Beschmieren von Objekten mit Rasierschaum oder eingeschlagene Scheiben. Beim Bahnhof in Rafz wurden Eier an ein Auto geworfen, worauf die Polizei die Anzeige aufnahm. Auf eine weitere Meldung hin wurden dort auch Jugendliche kontrolliert.

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