Spektakuläre Rennen hoch über Beggingen

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Schaffhauser N…

Dröhnende Motoren und reichlich Adrenalin – die zahlreichen Fans beim Motocross Beggingen kamen voll auf ihre Kosten.

VON TOBIAS ERLEMANN

Da muss für einmal selbst die Kirche zurückstecken. Extra für den Motocross-Event wurde die sonntägliche Predigt von morgens 9.45 Uhr auf abends 20.15 Uhr verlegt. Zum einen, da wohl die Kirche recht verwaist gewesen wäre, begannen die ersten Rennen am Sonntag doch schon um 9.15 Uhr. Und dann war Pfarrer Rainer Huber selbst Besucher der Veranstaltung. «Für Beggingen ist das wie ein grosses Dorffest», weiss Robin Dossenbach, Medienchef und Mitglied des Organisationskomitees. Doch nicht nur das ganze Dorf ist mit Begeisterung dabei. Rund 3000 Zuschauer zählten die Veranstalter über die beiden Tage, alle Tickets wurden abgesetzt. Dabei habe man sogar nur regional Werbung gemacht, wie Dossenbach erklärt. «Wir hätten noch mehr die Werbetrommel rühren können, aber für Hier und Jetzt sind unsere Kapazitäten erschöpft.»

Der aktuelle Parcours hoch über Beggingen war erstmals Austragungsort der Veranstaltung. Drei hiesige Bauern stellten ihre Äcker zur Verfügung. Doch damit war die Arbeit nicht etwa getan. In mühevoller Arbeit wurde eine technisch anspruchsvolle Strecke geschaffen. Rund 1000 Kubikmeter Humus wurden rangekarrt, 150 ehrenamtliche Helfer waren im Vorfeld und während des Wochenendes im Einsatz. «Wir haben mal die Helferstunden zusammengezählt», offenbart Dossenbach. «Wir kamen auf 2500 Stunden, das ist natürlich eine immense Zahl. Aber es zeigt auch, wie hier gemeinsam etwas auf die Beine gestellt wird.»

Grosse Zufriedenheit

Insgesamt waren über das Wochenende in allen Klassen rund 400 Fahrer im Einsatz. Dazu fanden erstmals auch Läufe im Rahmen der IMBA-Europameisterschaft statt. Das EM-Kriterium bedeutete zwar einen finanziellen Mehraufwand, der jedoch durch zusätzliche Sponsoren gedeckt werden konnte. Unter dem Strich hoffen die Organisatoren nach dem «Kassensturz» dann doch auf einen Gewinn, der jedoch schon verplant ist – für die Jugendförderung. Diese habe beim MSC Randen eben einen hohen Stellenwert, sagt Dossenbach. «So wächst die Zahl unserer Nachwuchsfahrer stetig an, das ist ein tolles Zeichen für unseren Sport.» Und während die Fahrer spektakuläre Sprünge zeigten und sich heisse Positionskämpfe lieferten, standen die Fans staunend am Streckenrand. «Einfach spektakulär», sagt der Stadtschaffhauser Marko Gutwein, der zum ersten Mal beim Motocross war – und sogleich mit dem Fotoapparat etliche Bilder schoss. Es ist eben diese Mischung aus Motorenlärm und Adrenalin, welche die Spannung an diesem Sport ausmacht. Zumal das sommerliche Regenwetter für einmal sogar Vorteile hatte. Die 1600 Meter lange Piste wurde noch etwas aufgeweicht, die Fahrer konnten sich noch mehr in die Kurven «eingraben» und Vollgas geben. So wurde auch ordentlich Dreck aufgewirbelt, was zum Motocross einfach dazugehört. Die Organisatoren sind jedenfalls rundum zufrieden mit dem Event. «Es hat alles perfekt funktioniert, es kam auch zu keinen Unfällen. Genau so muss es laufen», zieht Dossenbach ein positives Fazit.

Während es dann Richtung Siegerehrung ging, hatte man im Hinterkopf bereits die Planung für 2017. Was jetzt schon klar ist: Auf dem aktuellen Gelände können im kommenden Jahr keine Rennen stattfinden, da dann auf den Feldern Zuckerrüben angepflanzt werden. «Wir sind aber in Verhandlungen wegen Ausweichorten, wir bekommen das sicher geregelt», sagt Dossenbach mit einem zuversichtlichen ­Lächeln. Immerhin hat sich die Veranstaltung schon seit Jahrzehnten etabliert. Und mit der Inkludierung von EM-Läufen wurde ein weiteres Highlight gesetzt.

Wer dann trotz Benzingeruch und gewagten Fahrmanövern noch nicht in «Adrenalin-Stimmung» war, der wurde von Roger Uhr mitgerissen. Auf seinem rund 15 Meter hohen Stahlgerüst kommentierte der Zentralpräsident des Schweizerischen Auto- und Motorradfahrer-Verbands (SAM) alle Rennen über das Mikrofon und beschallte das ganze Gelände – mit voller Leidenschaft und vollem Einsatz. Setzten die Fahrer zu hohen Sprüngen an, hüpfte auch gleichzeitig die Simme von Uhr in die Luft. Kam es zu spannenden Manövern, überschlugen sich die Worte des Livekommentators. Beim Motocross in Beggingen sind einfach alle involvierten Parteien mit Enthusiasmus in ihrem Element – inklusive Dorfpfarrer Huber, dessen Arbeitstag dann aber erst nach der offiziellen Siegerehrung begann, als um 20.15 Uhr die Kirche als Abschluss eines spektakulären Wochenendes ihre Pforten öffnete.

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