Die Unterführung kam von oben

Autor
Mark Gasser

Am Bahnhof Stammheim ist die Personenunterführung eingebaut worden. Die Perronerhöhung folgt im Sommer.

Video: Mark Gasser / Schnitt: OPP

Sie bestehen aus 50 Kubikmetern Stahlbeton, sind je gut zwei Meter lang, fünf Meter breit und über drei Meter hoch: Nach dem Lego-Prinzip wurden am Wochenende am Bahnhof Stammheim vier vorfabrizierte Betonelemente zu einer Unterführung mit diesen Massen ineinandergefügt.

Es dauerte gut zwei Stunden, bis die vier Elemente mit dem riesigen Autokran sanft in die Tiefe gesenkt, zentimetergenau platziert und, um eindringendes Wasser später zu verhindern, aussen vollflächig abgedichtet waren. Rund 125 Tonnen Beton schwebten so am Samstag durch die Luft am Bahnhof Stammheim – was auch viele Schaulustige anzog. Davor waren die beiden Gleise entfernt und 500 Kubikmeter Erdmaterial ausgehoben worden.

Die Arbeiten starteten am Freitagabend und mussten bis gestern Montagmorgen um 5 Uhr früh abge­schlossen sein. Danach wurde Gleis 2 gesperrt, um hier die Personenunterführung fertigzustellen, erklärt Oberbauleiter Anton Suter von den SBB.

Den Unterbruch nutzten die SBB auch, um die Gleise sowie die beiden Weichen Richtung Ossingen und Richtung Etzwilen beim Bahnhof zu ersetzen. Bevor der Schotter und die beiden Gleise auch auf die neue Unterführung verlegt werden konnten, mussten die Betonelemente mit Teerbrücken von den 30 Arbeitern vor Ort des privaten Bauunternehmens abgeklebt werden.

Der nächste grössere Eingriff am Bahnhof erfolgt in den Sommerferien. «Wir haben dann fünf Wochen Zeit, um das Perron 1 auf 55 Zentimeter Höhe anzuheben», erklärt Suter. Dafür wird das bestehende «Hausperron» abgerissen. Bis dahin muss dafür das neue Aussenperron 2 von 170 Metern Länge inklusive Treppe und Rampe fertig sein. Derzeit beträgt die Perronhöhe 35 Zentimeter – was keinen stufenlosen Zugang zu den Zügen erlaubt. Die Kleinarbeiten für den 13 Millionen Franken teuren Bahnhofsumbau dürften bis im September dauern. «Doch die Bahngäste können wohl schon vorher ebenerdig einsteigen», erklärt Suter.

 

 

Die vier vorfabrizierten Betonelemente wiegen insgesamt 125 Tonnen und wurden alle am Samstag eingebaut. Bild: Mark Gasser

Kreuzungspunkt der Etzwiler Linie

Die Massnahmen beim Bahnhof sind Teil des Ausbaus des S29-Streckennetzes im Hinblick auf die Einführung des Halbstundentakts Ende des Jahres 2018. Damit die Züge in Stammheim künftig gleichzeitig einfahren können, wird der Bahnhof zur Kreuzungsstation ausgebaut. Des Weiteren entsteht eine Buskante, welche die Stammer Gemeinden realisieren werden.

Die Arbeiten seien bislang im Kostenrahmen erfolgt, schätzt Oberbauleiter Suter. Einzig der Aufgang auf der Busseite könnte etwas teurer als erwartet kommen, da die Rampe wegen Auflagen des Bundesamts für Verkehr etwas anders geführt werden müsse. Obwohl er bereits zahlreiche SBB-Projekte ­begleitete, ist der Einbau einer Personenunterführung in dieser Form – eine Methode, die auch an der Haltestelle Marthalen 2014 zum Zuge kam – neu für ihn. Trotz Unannehmlichkeiten wegen des Busersatzes oder der Baustelle überwiege bei Bahnkunden aber nicht der Ärger, «sondern die Freude und Neugier», ist Suter überzeugt.

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