Künstler, Start-ups und Architekturbüros

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Autor
Mark Liebenberg

Die Zwischennutzung der Kammgarn West nimmt Gestalt an. Gegen 20 Untermieter wollen ab März 2018 den ersten Stock beleben.

Wollen Ende Dezember die ersten Untermietverträge unter Dach und Fach haben: ­Patrick Werner (l.) und Beat Junker vom Zwischennutzungs-Trägerverein. Bild: S. Hoffmann

«Wir wollen diese Sache jetzt zum Fliegen bringen», sagt Beat Junker und erntet in der Runde zustimmendes Kopfnicken. Auf gestern hatte der im August gegründete Verein für sinnvolle Raumnutzung (VSR) in den ersten Stock der früheren Hallen für Neue Kunst im Westflügel des Kammgarn­gebäudes geladen und über die Fortschritte bei der auf drei Jahre angelegten Zwischennutzung des seit 2014 leer stehenden Gebäudes zwischen Altstadt und Rheinufer orientiert.

Der VSR wird das Stockwerk ab Januar für drei Jahre von der Stadt Schaffhausen mieten und ist für die ­Organisation der Zwischennutzung verantwortlich. Ein Baugesuch hat der Verein eingereicht, um das Stockwerk instand zu setzen und den feuerpolizeilichen Auflagen zu genügen. «Ausserdem wollen wir einige der bestehenden Gipswände abbrechen und teilweise verschieben, um eine Raumaufteilung nach unseren Vorstellungen hinzubekommen», sagt Patrick Werner, der die baulichen Angelegenheiten koordiniert.

Nutzermix auf 1600 Quadratmetern

13 grosszügige einzelne Räume, alle mit Fensterzugang, ein grosser, in der Mitte liegender Ausstellungsraum sowie eine offene Fläche, wo eine gemischte Nutzung als eine Art Grossraumbüro vorgesehen ist – diese Pläne stellte die Leitungsgruppe gestern vor. 30 Mietinteressenten gebe es aktuell, gegen 20 Untermieter werden’s am Schluss wohl sein. «Wir wurden jetzt nicht gerade überschwemmt mit Anfragen, aber es kommen immer noch welche rein», erklärt Junker. «Die ­potenzielle Mieterschaft setzt sich – Stand heute – zusammen aus Künstlern, Start-up-Unternehmen, und auch ein Architekturbüro ist dabei.»

«Wir sind gut unterwegs, und vor allem sind wir guten Mutes.»

Beat Junker, Präsident des Vereins für sinnvolle Raumnutzung

«Die Interessenten brauchen Klarheit, deshalb geben wir jetzt Gas mit den anstehenden Bauarbeiten.» Ende Dezember sollen die ersten Untermietverträge unter Dach und Fach sein, Mietbeginn ist der 1. März 2018. «Wir sind gut unterwegs, und vor allem sind wir guten Mutes», sagt Junker.

Die Stadt Schaffhausen stellt dem Trägerverein 100 000 Franken zur Verfügung – Geld, das die Zwischennutzer der Stadt zurückzahlen müssen. 40 000 Franken sind jetzt für den Umbau veranschlagt. Je nachdem, wie dieses Budget eingehalten wird, gestalten sich dann auch die Mietzinse aus. «Angepeilt ist ein Miet- zins von 85 Franken pro Quadratmeter und Jahr», sagt Junker. Noch nicht definitiv entschieden sei, ob abgestufte Mietzinse berechnet werden: Je nachdem, ob die Mieter eine kommerzielle oder eine nichtkommerzielle Nutzung des Raums beabsichtigen, wäre die Quadratmetermiete ­etwas höher oder tiefer.

Keiner der momentan im Leitungsteam aktiven jungen Leute zieht indes selbst als Mieter in den ersten Stock der Kammgarn ein. «Für die meisten von uns ist es einfach spannend, bei so einem tollen Projekt dabei zu sein und die ganze Sache ins Rollen zu bringen», sagt Werner. Beat Junker, bekannt als Wirt der benachbarten Kammgarnbeiz, fungiert dabei als Präsident des Vereins. Der Künstler Patrick Werner ist zurzeit für den ganzen Bereich Bauliche Massnahmen verantwortlich. Vermutlich werde die Koordination bei der Untervermietung, der administrative Aufwand und die Rechenschaftspflicht gegenüber der Stadt eine kleine Teilzeitstelle generieren, sagt Junker. Die wäre dann etwas zwischen Hausverwalter und Ansprechperson für alle.

Vorderhand keine Gastronomie

Mit im Team sind auch Christoph Hack, der für das Fundraising zuständig sein wird, und Manuela Reissmann – früher am Museum zu Allerheiligen tätig –, die dem Verein als Kunstkuratorin zur Verfügung stehen wird. Geplant sind im nächsten Jahr vier Ausstellungen, primär mit Werken der einge- mieteten Ateliers. «Ich freue mich auf diese Aufgabe», sagt Reissmann, «und darauf, beim Aufbau eines so spannenden Zwischennutzungsprojekts mitwirken zu können.»

Kunstausstellungen soll es geben, Lesungen und weitere Veranstaltungen – aber ein öffentlich zugänglicher Begegnungsort wird die wiederbelebte Kammgarn West deswegen nicht – sondern primär ein Ort, wo gearbeitet wird. Gezeigt habe sich dies etwa dar­in, dass die Freude an der loftartigen Offenheit auf dem Stockwerk selbst – einer früheren Industriewerkhalle – ihre Grenzen hat: «Die meisten Miet­interessenten haben nach Trennwänden und klar mit Wänden voneinander abgegrenzten Räumen nachgefragt», berichtet Werner. Und noch etwas wird es nicht geben: Gastronomie. Bis vor Kurzem hatte es geheissen, auch ein Café oder ein Pop-up-Restaurant könnte in der Kammgarn einziehen. «Vorderhand ist dies nicht vorgesehen, für einen Gastronomiebetrieb wären die baulichen Auflagen und damit die Investitionskosten bedeutend höher», sagt Werner.

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