Auf Süssigkeitenjagd mit Hexe, Spinnenfrau und Katze

Publiziert am
Autor
Schaffhauser N…

Von Zombies und Vampiren wurde Buchthalen am Dienstagabend an Halloween heimgesucht. Ihr Ziel: so viele Süssigkeiten wie möglich sammeln.

von Kay Fehr

Eine Hexe, eine Spinnenfrau, eine Katze, ein Vampir und ein Zombie warten gespannt vor einem Hauseingang in Buchthalen. Es ist Dienstagabend, gerade haben sie geklingelt, und die Tür öffnet sich langsam. «Geister schreien, Hexen lachen, gib uns Süsses, sonst wird’s krachen», sagen die fünf Mädchen im Chor. Der Mann in der Tür schmunzelt: «Dann bleibt mir wohl gar keine andere Wahl, als euch etwas Süsses mitzugeben.»

Halloween heisst für viele Kinder Verkleiden, mit Freunden von Haus zu Haus ziehen und – wann immer möglich – Leckereien abstauben. Der ursprünglich amerikanische Brauch findet auch in der Schweiz Anklang. Hie und da sieht man in einem Garten oder auf einem Fensterbrett einen ausgehöhlten Kürbis mit einer grinsenden Fratze, die von innen beleuchtet ist. Für die Kinder ein Zeichen, dass sich ein Kurzbesuch hier lohnen könnte.

Gut gefüllte Sammelbeutel

Bereits am frühen Abend haben die Kinder, die alle in die dritte Klasse gehen, Pläne geschmiedet. «Woane gömmer?» – «Zerscht zu dir und denn zu mir?» Generell scheinen die Elternhäuser ganz oben auf der Liste zu stehen, vielleicht auch, weil Mami und Papi zu einem Griff in die Süssigkeitenschüssel kaum Nein sagen können.

Schon beim ersten Haus haben die Mädchen Erfolg. Bruno Bachmann, der Vater der neunjährigen Hexe Alina, ­offeriert spezielle Halloween-Bonbons. Auf ihre bunten Verpackungen sind Kürbisse und schwarze Katzen gedruckt. «Meine Frau hat die gekauft», sagt er und lacht, «ich selbst hätte mich wohl nicht so gut vorbereitet.» Der 43-Jährige glaubt, dass das Klingeln an fremden Haustüren die Kinder Überwindung kostet. «Mit ihren Kolleginnen zusammen ist Alina generell mutiger. Dann trauen sie sich so etwas schon.»

Bachmann hatte heute schon öfter Besuch. Er ist erstaunt über die Vielfalt der Kostüme. «Ein Junge trug eine Maske aus dem Horrorfilm ‹Scream› und dazu ein Laserschwert aus ‹Star Wars›. Das hat mir gefallen.» Und da kommen schon die nächsten Monster und Zauberer. Eine Gruppe von etwa 15 Buben und Mädchen haben von der Strasse aus Bachmanns Schüssel erspäht, sie eilen auf ihn zu und rufen: «Süsses oder Saures!» Sie ergattern ­einige Zeltli. Die Schüssel ist mittlerweile schon fast leer.

Doch nicht jeder teilt die Faszination von Halloween. «Ich finde es schon ein wenig schräg, wenn die Kinder verkleidet zu jedem Haus laufen», sagt eine Anwohnerin. Auch sie hat den Jungen mit der «Scream»-Maske gesehen. «So was braucht es doch nicht. Mit diesem importierten Brauch kann ich wenig anfangen.» Aber so einfach ist es nicht. Sie hat selbst zwei Kinder, die im Quartier unterwegs sind: «Diejenigen, die vorbeikommen, sollen auch nicht mit leeren Händen nach Hause gehen.» Deswegen hält sie trotzdem Traubenzucker und Schokolade bereit.

Erschöpft, aber glücklich

Für die fünf Mädchen geht der Abend langsam zu Ende. Ein oder zwei waren das erste Mal an Halloween unterwegs. Es hat allen Freude gemacht. Trotzdem: Alleine würden sie das nicht machen. «Das ist zu gefährlich», gibt die neun Jahre alte Sara zu bedenken, und Myrto, ebenfalls neunjährig, ergänzt: «Zu fünft ist es sicherer. Da macht das Läuten an den Türen auch mehr Spass.» Was denn das Beste an Halloween sei? Die Mädchen sind sich da einig: «Süssigkeiten!» Aber auch Schminken wird genannt oder dass man bei anderen Häusern mal auf die Türklingel drücken dürfe. Die achtjährige Gianna – sie stellt einen Zombie dar – fasst den Abend so zusammen: «Ich finde Halloween cool.» Sie grinst. Ein künstliches Auge baumelt ihr von der rot geschminkten Augenhöhle.

Zufrieden und mit einem grossen Beutel Leckereien macht sich die Gruppe auf den Heimweg. Im nächsten Jahr wollen sie wieder auf Jagd gehen – nach Schoggi und Zeltli.

Neuen Kommentar schreiben

Diese Funktion steht nur Abonnenten und registrierten Benutzern zur Verfügung.

Registrieren