Hier rutschen keine Kinderwünsche durch

Publiziert am
Autor
Luc Müller

Schon bald will sich Thayngen mit dem Label «Kinderfreundliche Gemeinde» schmücken – gestern waren Unicef-Experten vor Ort.

Die Thaynger Schulreferentin Andrea Müller setzt sich als zuständige Gemeinderätin für das Unicef-Label «Kinderfreundliche Gemeinde» ein. Das Projekt hat sie von Vorgänger Walo Scheiwiller übernommen. Bild: Luc Müller

Augenschein im Jugendraum Galaxy in Thayngen. Auf den Sesseln mitten im Raum – umgeben von Töggelikasten, Billardtisch und einem DJ-Pult – sitzen für einmal keine Jugendlichen, sondern Erwachsene. «Wer ist das Sprachrohr zur Jugend in Thayngen? Wer fühlt den Puls der Jungen?», fragt die Aargauer SP-Nationalrätin Yvonne Feri in die Runde. Markus Stump, Mitglied der Jugendkommission Thayngen und Präsident des ­Trägervereins Jugendraum Thayngen, gibt Antwort: «Wir haben hier eine Jugendarbeiterin, die zu 30 Prozent angestellt ist und auch die Leitung des Jugendtreffs innehat. Sie ist eine wichtige Anlaufstelle.» Bei schulischen Problemen kümmert sich die Schulsozialarbeiterin um die Anliegen der Kinder und Jugendlichen. Yvonne Feri notiert sich alles genau und doppelt nach: «Die 30 Prozent für die Jugendarbeit sind eher knapp bemessen.» In der Runde sitzen auch die Thaynger Schulreferentin Andrea Müller, Michaela Hänggi, die kantonale Jugendbeauftragte, und Anja Bernet von Unicef Schweiz.

Sie fragt gleich nach: «Gibt es auch Angebote für die Jugendlichen ausserhalb des schulischen Rahmens? Es ist uns wichtig, dass alle Bereiche der Gemeinde, in denen sich die Kinder bewegen, berücksichtigt werden.» Yvonne Feri nimmt den Ball auf: «Man kann nochmals auf die Wünsche eingehen, welche die Kinder und Jugendlichen bei der Befragung geäussert haben, und so ein Angebot bereitstellen.» Eine Töffliwerkstatt sei einer dieser Wünsche, berichtet Gemeinderätin Andrea Müller. Schnell ist man sich einig: Eine solche Werkstatt könne man bei einem Spielplatz, der sowieso gut besucht sei, anbieten. Dazu brauche es aber das ­Engagement von Privatpersonen.

Wunsch nach einer farbigen Wand

Gestern waren Vertreter der Unicef Schweiz in Thayngen vor Ort, um die Bemühungen der Gemeinde, die das Unicef-Label «Kinderfreundliche Gemeinde» anstrebt, zu analysieren. Thayngen ist in dem Prozess auf dem Weg zum Label schon weit – nach dem gestrigen Besuch wird Nationalrätin Feri als externe Evaluatorin einen Bericht verfassen, den eine von Unicef zusammengestellte Expertenjury erhält. Diese wird schliesslich schon bald ­entschieden, ob Thayngen das Label erhält. Die Gemeinde hat schon viel Vorarbeit geleistet (siehe Box): Der Gemeinderat hat bereits einen Massnahmenplan für 2018 bis 2021 genehmigt. Nun fühlten die Unicef-Vertreter der Gemeinde nochmals mit kritischen Fragen auf den Zahn. «Grundsätzlich geht es in diesem Schritt darum, zu schauen, welche Massnahmen die Gemeinde nun plant. Wir schauen, ob sie auch wirklich die Wünsche aus der Befragung der Kinder und Jugendlichen berücksichtigt und auch unsere Empfehlungen miteinbezogen hat», erklärt Anja Bernet von Unicef Schweiz.

Weiter geht es zur Besichtigung der Schule Silberberg, wo ein Pausenplatz und ein öffentlicher Spielplatz zur Verfügung stehen. Hier wird man nun konkret die Forderungen der Kinder umsetzen: Einerseits können die Schüler gemäss ihrem Wunsch eine Wand farbig gestalten, andererseits können sie mitbestimmen, welche Spielgeräte neu auf den Spielplatz kommen sollen. «Das ist auch neu: Die Gemeinde erstellt nicht einfach eine Anlage, sondern bezieht die Kinder, die später hier spielen werden, mit ein», ­erklärt Gemeinderätin Andrea Müller.

Bei der Befragung der Kinder und Jugendlichen sei die Gemeinde gut weggekommen: «Man war zufrieden mit dem Angebot. Es gab nur kleine Wünsche. Immer wieder gefordert wurde aber eine Sanierung unserer Badi.»

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