Im Zeichen von Abschied und Neubeginn

Autor
Sandro Stoll

Nicht nur die neue Da-Vinci-Uhrenkollektion, auch der Wechsel an der Spitze von IWC wurde am Uhrensalon in Genf ausgiebig zelebriert.

Falls es ein Star noch nicht hätte wissen sollen, auf dem roten Teppich der IWC-Gala (der diesmal beige war) wurde es ihm spätestens klar: Die Schaffhauser Uhrenfirma bekommt mit Christoph Grainger-Herr einen neuen Chef. Für einmal nämlich wartete der langjährige CEO Georges Kern nicht allein auf all die Schön- und Berühmtheiten, die IWC am Salon de la Haute Horlogerie (SIHH) Jahr für Jahr ihre Aufwartung machen. Grainger stand bei ihm, und so nahmen die beiden eben einen um die andere in ihre Mitte.

Auf die Superstars – unter ihnen die Schauspieler Rosamund Pike, Vanessa Redgrave, Olga Kurylenko, Jean Reno und Isabelle Huppert, die Sportlegenden Nico Rosberg, Lewis Hamilton, Niki Lauda und Fabian Cancellara, die Models Karolina Kurkova und Adriana Lima – sowie die rund tausend anderen Gäste der IWC-Gala wartete wie üblich eine perfekte Show. Aber es war doch ein wenig anders als in anderen Jahren. Immerhin wollte der Abschied von Georges Kern als CEO gefeiert werden.

Reminiszenzen und Glückwünsche

Showmaster Rob Brydon tat es in gewohnt witziger Art: «Georges», sagte er, «wurde in all den Jahren mehr als ein Freund – er wurde ein Auftraggeber.» Auch ein paar Prominente blickten auf Kerns Laufbahn zurück, aber der eigentliche Höhepunkt (vielleicht des ganzen Abends) war ein kurzer, sympathischer Film mit Reminiszenzen und Glückwünschen seiner engsten Mitarbeiter.

Natürlich standen Kern und Grainger-Herr zur öffentlichen Stabübergabe auch noch gemeinsam auf der Bühne. Zu sehen waren eine herzliche Umarmung und ein souveräner Auftritt des neuen CEO, der die neue Da Vinci vorstellte. Der Rest war Zugabe: Ein kurzer Auftritt der dänischen Elektropop-Sängerin MØ und ein langer Set mit DJ Jack-E – auch er übrigens ein langjähriger Weggefährte von IWC.

Reise nach Genf Schaffhauser Politiker am SIHH

Gross ist das Interessean der IWC und ihren Produkten auch bei den Schaffhauser Politikern: Neben Stadtrat Raphaël Rohner, Nationalrat Thomas Hurter und Unternehmer Ruedi Kraft (auf unserem Bild von links) reisten am Mittwoch auch Ständerat Thomas Minder, Regierungsrat Christian Amsler, Stadtrat Daniel Preisig, Staatsschreiber-Stellvertreter Christian Ritzmann, Museumsdirektorin Katharina Epprecht und die Uhrenfans Martin Blumer und Michael Schatzmann nach Genf, um sich auf den neuesten Stand zu bringen. Empfangen wurde die zehnköpfige Schaffhauser Delegation vom künftigen IWC-CEO Christoph Grainger-Herr, von IWC-COO An-dreas Voll und IWC-Verwaltungsrat Hannes A. Pantli. Die Schaffhauser zeigten sich als überaus wissbegieriges Publikum, das bei einem Glas Champagner nicht bloss die neuen Uhren sorgfältig begutachtete, sondern auch die Mechanismen der Uhrenbranche im Detail kennenlernen wollte.Bild Sandro Stoll

 

IWC Da Vinci: Nicht nur, aber vor allem für Frauen konzipiert

Mit der neuen Da-Vinci-Kollektion kehrt IWC wieder zur runden Gehäuseform zurück. Noch wichtiger allerdings ist der Fokus auf die weibliche Käuferschaft: Die Da Vinci ist die neue Damenlinie der IWC, auch wenn es im obersten Preissegment ein paar uhrmacherische Komplikationen mit grösseren Gehäuseformen gibt, die wohl eher Männer tragen werden.

Ausschliesslich für Frauen gedacht ist die Da Vinci Automatic 36, eine Drei-Zeiger-Uhr mit 36 Millimetern Gehäusedurchmesser, die in vier Varianten angeboten wird, davon drei in Edelstahl und eine in Gold.

Die Preise beginnen bei 5600 Franken für das Edelstahlmodell mit Alligatorlederarmband von Santoni. Das exklusivste Modell ist die Referenz IW458310 (oben im Bild) aus 18 Karat Rotgold und mit 54 Diamanten auf der Lünette – Verkaufspreis: 42 000 Franken.

Ebenfalls ausschliesslich für Frauen gedacht ist die Da Vinci Automatic Moon Phase 36.

Sie wird in drei Modellen angeboten: eines in Edelstahl, eines mit Edelstahlgehäuse und Diamanten auf der Lünette und eines in Rotgold. Die Preise variieren zwischen 8700 und 17 500 Franken.

Die Da Vinci Automatic mit 40 Millimetern Gehäusedurchmesser ist ein Unisex-Modell, das mit Leder- oder Stahlband angeboten wird. Sie kostet 5600 beziehungsweise 6600 Franken.

Selbstverständlich gibt es auch in der neuen Da-Vinci-Kollektion Chronografen und einen ewigen Kalender. Die Preise beginnen bei 13 500 Franken. Der Perpetual Calendar Chronograph in Rotgold (im Bild) kostet 43 000 Franken. Und für das Spitzenmodell mit Tourbillon muss man 110 000 Franken hinlegen.(sst)

 

«Ein Meilenstein für IWC»

Hannes A. Pantli über die neue Da-Vinci-Kollektion und die Perspektiven der Firma

INTERVIEW SANDRO STOLL

Herr Pantli, welches Fazit ziehen Sie aus dem SIHH 2017?

Hannes A. Pantli: Die Stimmung in der Uhrenbranche hellt sich auf, die letzten zwei, drei Monate sind erfreulich verlaufen. Die Märkte in China und Amerika haben angezogen, bloss Europa hat immer noch etwas Mühe. Dazu kommt, dass IWC verglichen mit anderen Marken sehr gut unterwegs ist. Wir dürfen also zufrieden sein.

Am Genfer Uhrensalon hat IWC die neue Da Vinci präsentiert. Welchen Stellenwert hat die neue Kollektion innerhalb des Marken-Portfolios?

Pantli: Den Namen Da Vinci hat sich IWC immer für einen Meilenstein in der Entwicklung aufgespart. Das war 1969 der Fall, als wir die erste Quarzuhr mit einem Schweizer Uhrwerk lancierten, und es war auch 1985 so, als wir die erste richtig komplexe IWC mit dem in der Branche berühmt gewordenen ewigen Kalender präsentierten. Dieses Jahr steht die Da Vinci erneut für einen Meilenstein, weil IWC wieder eine eigens auf Damen zugeschnittene Linie zeigt. Natürlich gab es bei den Portugieser-, Piloten- und Portofino-Uhren schon bisher ein kleines Angebot für Frauen, aber eine echte Damenlinie hatten wir jetzt dreissig Jahre lang nicht mehr. Das war im Vergleich zu anderen Marken etwas ungerecht, weil uns im Umsatz immer die Hälfte der Menschheit fehlte.

Die neue Da Vinci ist wieder rund, die letzte Kollektion von 2007 kam noch in der Tonneau-Form. Warum diese Rückbesinnung?

Pantli: Über 80 Prozent der Uhren auf der Welt sind rund. Es gibt nur ganz wenige Marken, die andere Formen langfristig etablieren konnten. Es blieben Ausnahmen.

Was bedeutet der Wechsel des lang- jährigen CEO Georges Kern in die Konzernzentrale von Richemont für IWC Schaffhausen?

Pantli: Der Wechsel ist das Resultat der hervorragenden Arbeit, die Georges Kern während der letzten 14 Jahren geleistet hat, Kern hat IWC in der ganzen Welt bekannt gemacht. Jetzt geht er nach Genf, aber ich nehme an, dass sein Herz schon noch ein bisschen in Schaffhausen bleibt. Überhaupt bin ich, was die Zukunft unserer Firma angeht, sehr zuversichtlich: Bei IWC steht ein kompetentes und erfahrenes Team bereit. Das kommt gut.

2018 feiert die IWC ihr 150-Jahr-Jubiläum. Was darf man da erwarten?

Pantli: Zuerst einmal ein rechtes Fest! Über die Produktentwicklung kann ich noch nichts sagen, nur so viel: Es wird keine neue Linie geben, wir konzentrieren uns auf die Weiterentwicklung unserer breit aufgestellten und gut etablierten Uhrenfamilien.

Hannes  A. Pantli, IWC-Verwaltungsrat

 

 

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