Führerloser Bus im Strassenverkehr getestet

Autor
Saskia Baumgartner

Erstmals wird der selbstfahrende Kleinbus der Firma AMoTech im Strassenverkehr getestet. Im Ortszentrum von Neuhausen fuhr er seine Runden, begleitet von Mitarbeitern eines Sicherheitsdienstes.

Der selbstfahrende Bus biegt in die Neuhauser Zentralstrasse ein. Das AMoTech-Fahrzeug wurde in diesen Tagen erstmals im öffentlichen Verkehr getestet. Bild: Saskia Baumgartner

Nicht nur bunte und laute Sportwagen ziehen Blicke auf sich. In Neuhausen sorgte in diesen Tagen ein leises und langsames Gefährt für Aufsehen: der selbstfahrende Bus der Firma Trapeze respektive des Tochterunternehmens AMoTech. Diese Woche war der Bus, der seit Sommer auf dem SIG-Areal beim Rheinfall getestet wird, erstmals im öffentlichen Verkehr unterwegs. Im Neuhauser Ortszentrum – um den Wildenhof – drehte er seit Montag kleine Runden.

Abgesehen von seinen grossen Fenstern und seiner ungewöhnlichen rundlichen Form ist das Elektrofahrzeug natürlich vor allem wegen des fehlenden Lenkers ein Hingucker. Für Aufmerksamkeit sorgten in Neuhausen bei den Testfahrten aber auch die «Bodyguards». Der Kleinbus wurde von zwei mit Leuchtwesten ausgestatteten Mitarbeitern eines Sicherheitsdienstes begleitet.

Noch keine Strassenzulassung

Einer der beiden Männer ging vorneweg, der andere hinter dem Fahrzeug her. Ihre Aufgabe war es, den Verkehr zu regeln und diesen, wenn nötig, aufzuhalten. Dominique Müller, Geschäftsführer von AMoTech sagt: «Sie mussten einen gesicherten Raum schaffen.» Dies sei Vorschrift bei solchen Tests im Strassenverkehr. Denn: Das Fahrzeug hat noch keine Strassenzulassung. Hierfür ist eine Bewilligung vom Bundesamt für Strassen und vom Bundesamt für Verkehr notwendig. Müller geht davon aus, dass das Fahrzeug Anfang Februar Nummernschilder bekommt. Diese Woche war es mit einer Garagennummer der Verkehrsbetriebe Schaffhausen (VBSH) unterwegs. Die ersten Fahrten diese Woche wurden am Montag von 22 Uhr bis Mitternacht unternommen, einer Zeit, in der wenig Verkehr herrscht. Der Bus fuhr auf der Wildenstrasse, der Industrie- und der Zentralstrasse rund um den Wildenhof eine kleine Schlaufe; und er fuhr auf das SIG-Areal zu seiner Garage. In jener Nacht wurde mit den Sensoren des Fahrzeugs die Umgebung abgetastet – Gebäudekanten, Mauern, Laternen. Auf diese Weise wurde eine dreidimensionale Karte erstellt, auf der sich der Bus zurechtfinden kann.

Im nächsten Schritt, so Müller, wurde die Strecke programmiert und vorgegeben, wie das Fahrzeug sich an den verschiedenen Orten zu verhalten hat. Es wurde festgelegt, wo die Fahrspur verläuft und mit welcher Geschwindigkeit der Bus fährt. Auch wurde etwa programmiert, dass das Fahrzeug an Fussgängerstreifen anhält, wenn eine Person am Strassenrand steht, und dass es anderen Fahrzeugen an gewissen Orten Vortritt gewährt.

Getestet wurde auch, wie das Zusammenspiel mit dem normalen Linienbus der VBSH an den Bushaltestellen im Neuhauser Zentrum funktioniert. Gemäss Müller ist der Platz an der Haltestelle bei der UBS für beide Fahrzeuge zwar etwas knapp, reicht jedoch aus.

Touristenlinie ab Frühling 2018

Nachdem der Bus am Montag und Dienstag nur nachts getestet worden war, fuhr er von Mittwoch bis gestern Freitag auch tagsüber. Gerne hätten manche Passanten die Gelegenheit genutzt einzusteigen. Dies ist aber frühestens ab Frühling 2018 – ein genaues Datum steht noch nicht fest – möglich. Dann, so Müller, soll die neue Linie 12 in Betrieb gehen. Während der Touristensaison, also jeweils etwa von März bis Oktober, soll das Netz der VBSH um diese Linie erweitert werden. Sie soll das Zentrum von Neuhausen mit dem Schlössli Wörth am Rheinfallbecken verbinden.

Tests beim Rheinfall verzögern sich

Diese Woche wurde mit der Schlaufe im Ortszentrum erst ein Teil der künftigen Strecke getestet. Übungsfahrten des zweiten Teils – vom Industrieplatz das Rheinfallbecken entlang bis zum Schlössli Wörth – sind derzeit noch nicht möglich. Denn das Fahrzeug, dessen Front und dessen Heck gleich aussehen und gleich ausgestattet sind, soll am Endpunkt der Strecke nicht wenden müssen. Das kann es Stand jetzt aber noch nicht. Hierfür benötige der kleine Elektrobus noch zusätzliche Funktionen, für die der Hersteller erst noch sorgen müsse, sagt Müller.

Im Juli wurde das ÖV-Labor für selbstfahrende Busse auf dem SIG-Areal der Öffentlichkeit vorgestellt. Der autonome Kleinbus der Firma Navya mit elf Plätzen soll möglichst bald ins Leitsystem der VBSH integriert werden. Nach der Touristenlinie 12 an den Rheinfall soll das Fahrzeug später auch per Abruf Fahrten durchführen können. Die Kleinbusse sollen primär nicht Linienbusse ersetzen, sondern das ÖV-Angebot in Randgebieten erweitern.

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