Die Zecken sind im Anmarsch

Publiziert am
Autor
Jessica Huber

Der Frühling ist da und somit auch die Zecken. Die Region Schaffhausen ist ein Gebiet mit einem grossen Zeckenaufkommen. Welche Krankheiten die bissigen Tierchen übertragen, was bei einem Biss gemacht werden sollte und warum wir uns wappnen müssen, erfahren Sie hier.

Der milde Winter und die warmen Temperaturen lassen es zu, dass bereits viele Zecken auf Nahrungssuche sind. Sie benötigen Wirte, um sich mit Blut vollzusaugen und den Zeckenzyklus vollziehen zu können (siehe Infobox). Wenn ein Mensch von einer Zecke gestochen wurde, kann es sein dass Borreliose-Bakterien, der Zeckenenzephalitis-Virus FSME übertragen oder seltener auch Neoehrlichiose, Babesiose oder Q-Fieber ausgelöst werden. Zoologe sprechen übrigens von einem Zeckenstich, umgangssprachlich wird hingegen häufiger vom Zeckenbiss gesprochen.

FSME und Borreliose

Die beiden häufigsten durch Zecken infizierten Krankheiten (FSME-Virus und Lyme-Borreliose) unterscheiden sich in der Übertragungszeit: Die FSME-Viren befinden sich im Speichel der Zecke und werden direkt nach dem Stich übertragen. Die Borreliose-Bakterien befinden sich hingegen im Darm des Insekts und es vergehen rund 24 Stunden bis die Bakterien übertragen werden.  

Bei einem Biss sollte schnell gehandelt sprich die Zecke so rasch wie möglich gezogen werden. Ansonsten kann es bei einer Borreliose-Übertragung im schlimmsten Fall zu Störungen von Tast- und Schmerzwahrnehmung, Lähmungen im Gesicht, Gelenkbeschwerden wie Arthritis oder Hautveränderungen kommen. Beim FSME-Virus sind die Symptome anders. Zunächst fallen Beschwerden wie Kopfschmerzen, Fieber oder Müdigkeit an. Erst in einem zweiten Schritt greifen die Viren das Nervensystem an und lösen eine Hirnhautentzündung aus, die starke Kopfschmerzen, Schwindel und Sprech- oder Gehstörungen zur Folge haben kann. Etwa 1% der FSME-Infizierten stirbt an der Krankheit.

Gegen den FSME-Virus gibt es eine Impfung, die vom Bundesamt für Gesundheit allen Menschen ab 6 Jahren, die sich in Endemiegebieten aufhalten, empfohlen wird. Ein Gel auf Basis des Antibiotikums Azithromycin hilft dabei, nach einem Zeckenstich die Entwicklung einer Lyme-Borreliose zu verhindern (mehr dazu finden Sie hier).

Was muss bei einem Zeckenbiss getan werden?

Zunächst sollte die Zecke schnellstmöglich entfernt werden. Dazu gibt es Werkezeuge wie Zeckenkarte, Lasso, Pinzette und Zeckenzange, die ein einfaches Entfernen bewerkstelligen sollen. Ab einer gewissen Grösse können die Zecken auch mit blossen Fingern gepackt und herausgezogen werden.

Folgende Aspekte sind dabei wichtig:

  1. Zecke mit spitz-zulaufender Pinzette oder den Fingern ganz vorne hautnah beim Stechapparat fassen.
  2. Zug senkrecht zur Stichstelle gleichmässig erhöhen. Zecke ohne drehen, seitliches Neigen oder Quetschen des Körpers herausziehen.
  3. Stichstelle desinfizieren und die nächsten Tage beobachten.

Ganz wichtig: Kein Öl, Wachs, Klebstoff, Nagellackentferner oder andere Substanzen zur Hilfe ziehen. Das tötet die Zecke nicht unbedingt und erschwert nur die Entfernung. Ferner bringt es auch nichts nach erfolgreichem Loslösen die Zecken über den Toiletten-Weg zu entsorgen. Zecken können mehrere Stunden bis Tage unter Wasser überleben.

 

3x Blut und 1x Sex, dann ist Schluss: Das Leben einer Zecke.

Eine Zecke benötigt drei Mal einen Wirt, um sich mit Blut vollzusaugen und nach jeder Blutmahlzeit weiterentwickeln zu können.

Zeckenzyklus. Quelle: www.tick.kit.edu

 

Anfangs lebt die Zecke als geschlechtsneutrale Larve und sucht sich kleine Nagetiere oder Vögel, die sie stechen und für zwei bis drei Tage aussaugen kann. Wenn sie gesättigt ist, lässt sich die Larve fallen und beginnt die Entwicklung zur Nymphe. Die ebenfalls geschlechtsneutrale Nymphe verbringt einige Zeit freilebend am Boden, im Unterholz, an Sträuchern oder Gräsern. Das ist der beliebteste Aufenthaltsort einer Zecke. Nach der zweiten Blutmahlzeit wird die Zecke geschlechtsreif und hat das adulte Stadium erreicht. Nun entwickelt sich aus der Nymphe entweder eine weibliche oder eine männliche Zecke. Der dritte Saugvorgang kann bei einem ausgewachsenen Zecken-Weibchen bis zu elf Tage dauern, wodurch ihr Körpergewicht verhundertfacht wird. Das viele Blut benötigt sie, um 3000 bis 5000 Eier zu produzieren, welche bei der Paarung von einer männlichen Zecke befruchtet werden. Nach der Paarung stirbt das Männchen, das Weibchen lebt noch solange weiter, bis sie die Eier abgelegt hat.    

Der volle Entwicklungszyklus der Zecke dauert meistens zwei bis drei Jahre. In jedem Entwicklungsstadium braucht die Zecke eine Blutmahlzeit.  Bei ungünstigen Verhältnissen, wenn sich kein Wirt finden lässt, können bis zu fünf Jahre vergehen. Zecken können sehr gut hungern. Wenn es sein muss, verzichten sie zwei Jahre lang auf Nahrung. 99 Prozent ihres Lebens verbringen die Zecken freilebend auf der Suche nach einem Wirt.

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