Von Hochzeiten, Babys und Beförderungen

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Tito Valchera

Einen bunten Strauss an guten Ideen, Wünschen und Neuheiten für das Jahr 2017 nennen Besucher der Schaffhauser Altstadt.

Karikatur: Pascal Coffez

Auf dem Fronwagplatz wimmeln die befragten Passanten zuerst ab: «Nein, wir haben keine Vorsätze und Wünsche für das neue Jahr.» Im Gespräch ergibt sich doch meist eine längere ­Liste von Dingen, die man im nächsten Jahr verändern, verbessern oder sich abgewöhnen möchte. Darunter sind persönliche Ziele wie mehr Achtsamkeit, eine gesündere Ernährung oder mehr Zeit für Freunde und Familie. Aber auch sozialere Wünsche wie ein neues Zuhause für die vielen Vertriebenen werden genannt. Dass Vorsätze nicht überall gleich umgesetzt werden und oft auch scheitern, spielt dabei keine grosse Rolle. Sich einmal jährlich mit der Zukunft auseinanderzusetzen, kann wohl kaum schaden.


Bereits vorhandene Wünsche umsetzen

Die beiden Freundinnen sind zum Shoppen in die Altstadt gekommen. Kanar Nasradin wünscht «allen Menschen ein frohes und freundliches 2017». Sie selbst ist derzeit glücklich und möchte, dass es so weitergeht wie bis anhin. Lea Hurter hingegen hat die «üblichen Vorsätze, die alle haben, wie mehr Sport treiben und gesund leben». Ihr Ziel: «Alles umsetzen, was man sich in den letzten Jahren vorgenommen hat.» Das sei schlauer, als sich neue Vorsätze zu machen. Beide sind auch der Meinung, dass man sich fortlaufend und nicht nur zu Anfang des neuen Jahres Vorsätze machen sollte.

Kanar Nasradin (l.) und Lea Hurter, Schaffhausen

Kanar Nasradin (l.) und Lea Hurter, Schaffhausen


Nicht mehr wegen Religionen streiten

Seit 17 Jahren lebt der Somalier Abraham Hailu in Schaffhausen. «Es geht uns gut hier», stellt er fest. Doch sei es schwieriger geworden, eine unbefristete Arbeitsstelle zu erhalten. 2017 will er diese Festanstellung finden. Hailu macht sich grosse Sorgen um die Lage auf der Welt: «Es gibt so viele Vertriebene und Migranten. Ich wünsche mir weniger Konflikte auf der Welt.» Ein erster Schritt dorthin sei mehr Toleranz zwischen den Weltreligionen. «Ich bin christlich orthodox, akzeptiere aber alle anderen Religionen», sagt er. Leider werde aber noch zu oft wegen der Religionen gestritten.

Abraham Hailu, Schaffhausen

Abraham Hailu, Schaffhausen


Rund um das Baby das Jahr 2017 planen

Anfang Februar erwartet das Ehepaar Wittberg sein erstes Kind. «Wir planen nicht gross, sondern konzentrieren uns auf unseren Nachwuchs», sagt Vreni Wittberger. «Dabei halten wir uns von allen guten Tipps fern», ergänzt ihr Mann Daniel. Sie hätten sich entschieden, das Baby so aufzuziehen, wie sie es für richtig hielten. «Es macht keinen Sinn, genaue Vorstellungen zu haben, denn es kommt sowieso anders.» Im neuen Jahr wollen sich die werdenden Eltern dem Neugeborenen unterordnen. «Ich werde aber die Doktorarbeit fertigstellen», sagt Vreni. «Und ich werde ihr beistehen», fügt Daniel an.

Daniel und Vreni Wittberger Schaffhausen

Daniel und Vreni Wittberger, Schaffhausen


Mehr Achtsamkeit würde allen guttun

Die klassischen Vorsätze fallen bei ihr weg: Sie macht bereits genug Sport und raucht nicht. Doch für das neue Jahr hat Kathrin Sigg trotzdem Wünsche. Sie möchte, dass es mehr Achtsamkeit untereinander gibt. Die Menschen sollen sich mehr Zeit nehmen zum Innehalten und Gelassenerwerden. «Wenn das alle machen würden, dann gäbe es eine Entschleunigung und weniger Stress», sagt sie. Sigg sieht aber ein, dass ihr Wunsch schwer umsetzbar ist. In der heutigen Zeit werde eher beschleunigt und oft mehr Leistung verlangt. Als Inhaberin einer Sprachschule ist auch sie im Berufsalltag davon betroffen.

Kathrin Sigg Thayngen

Kathrin Sigg, Thayngen


Arbeit abschliessen, dann Ruhestand

«Ich möchte im neuen Jahr nach 40 Jahren Tätigkeit von meinen Beruf fröhlich Abschied nehmen», sagt der Berufsschullehrer Christian Birchmeier. Die Gesundheit will er mit folgendem Motto erhalten: «Nur das, was der Seele gut tut, tut auch dem Körper gut.» Birchmeier hat für seinen Ruhestand klare Vorstellungen: «Ich werde im Staats­archiv vermehrt über Grenzen, Grenzsteine und Grenzzeugen forschen.» Auch die Pflege des Freundeskreises bei der Verbindung Scaphusia ist ihm wichtig. Und ein anderer Abschied steht 2017 an: Nach 1500 Diensttagen wird er als Oberst aus dem Militär entlassen.

Christian Birchmeier Stein am Rhein

Christian Birchmeier, Stein am Rhein


Gesundheit, Haus und Restaurant

Für ihre Familie wünscht sich Lucia Prior, dass alle gesund bleiben. Ein weiteres Ziel für 2017 ist ein Eigenheim. «Das könnte auf Ende Jahr klappen», hofft sie. Mit ihrem Mann führt sie ­gemeinsam die Pizzeria Freihof in Dörf­lingen: «Der Geschäftsgang soll weiterhin positiv sein.» Nebenbei ist sie für die Schulzahnklinik in den Schaffhauser Schulen unterwegs und bringt den Kindern und Jugendlichen das Zähneputzen bei: «Es ist eine befriedigende und schöne Arbeit – ich bin froh, sie machen zu dürfen.» Prior ist grundsätzlich zufrieden mit ihrem Leben und möchte dieses so beibehalten.

Lucia Prior Dörflingen

Lucia Prior, Dörflingen


Für viele ein sicheres Zuhause finden

Als Selbständiger ist es dem Neuhauser Ivan Ivic wichtig, dass die Kunden auch im nächsten Jahr mit seiner Arbeit zufrieden sind. Seine Ziele als Familienvater hingegen lauten: «Ich möchte, dass meine Kinder sowohl in der Schule als auch beim Studieren vorwärtskommen.» Als Bürger dieser Erde hofft Ivic, dass im kommenden Jahr mehr Menschen ein sicheres Zuhause haben werden und bei der weltweiten Migration eine vernünftige Lösung gefunden werden kann. In der Schweiz sei man zum Glück privilegiert: «Jammern ist nicht angebracht, denn es geht uns gut.»

Ivan Ivic Neuhausen

Ivan Ivic, Neuhausen


Ein neues Auto und eine Beförderung

Sie sind auf der Durchreise: die Thailänder Joe Chatavut und May Inthat. Die jungen Asiaten haben ihre Geschäftsreise verlängert und halten sich zwei Tage in der Schweiz auf. Beide wünschen sich 2017 in erster Linie Verbesserungen bei ihrer Arbeit. «Ich strebe eine Beförderung an», sagt Chatavut. Und Inthat fügt an: «Nächstes Jahr möchte ich mehr leisten.» Ausserhalb des Arbeitslebens sind ihre Ziele unterschiedlich. Für Chatavut soll es im April ein neues Auto sein, und Inthat ist am Sparen: «Nächstes Jahr werde ich heiraten, und es soll ein unvergessliches Fest werden.»

Joe Chatavut (l.) und May Inthat Bangkok

Joe Chatavut (l.) und May Inthat, Bangkok


Erste Punkte in der Tennis-Weltrangliste

Für die Leistungssportlerin ist es üblich, sich Ziele zu setzen. Aline Thommen hat auch für das kommende Jahr kurz- und mittelfristige Ziele. «Ich möchte meine ersten Punkte in der Tennis-Weltrangliste holen», sagt das ehrgeizige Schaffhauser Tennistalent. Auf dem Weg nach oben spielt auch die Ernährung eine zentrale Rolle: «Ich werde vermehrt auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung schauen, mir aber zwischendurch trotzdem eine kleine Schokolade genehmigen.» Sie setze sich stets realistische und messbare Ziele. «Denn sonst sind es Träume», sagt Thommen. Aber auch diese sollte man im Leben haben.

Aline Thommen

Aline Thommen, Schaffhausen


Verzichtet selber auf Wünsche für andere

«Ein neues Jahr ist wie ein Paar neue Schuhe: Man wechselt sie mit den alten aus, aber man braucht nicht unbedingt jedes Mal neue», sagt Ismail Dogan. Er hat kaum persönliche Wünsche für das 2017, dafür gesellschaftliche Ideale. Er träumt «von einer Welt, wo man nicht Flüchtling sein muss und wo jeder frei über Demokratie, Ökologie und die eigene Sexualität entscheiden kann.» Für diese Ziele sei er bereit, auf die eigenen zu verzichten. «Es soll denen besser gehen, die 2016 stark gelitten haben», sagt er. Etwas hätte er aber selber schon gerne: «Ich will wieder auf einer Laienschauspielerbühne stehen.»

Ismail Dogan Schaffhausen

Ismail Dogan, Schaffhausen

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