Räbeliechtli-Umzug in Diessenhofen

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Rund 170 Kinder nahmen am Räbeliechtli-Umzug teil. Bild: Thomas Brack

Geschnitzte Räben, Kerzen, Lieder, frohe Kinder und stolze Eltern: Am letzten Donnerstagabend war es wieder so weit. Endlich konnte der traditionelle Räbeliechtli-Umzug in Diessenhofen stattfinden.

von Thomas Brack

Geschnitzte Räben, Kerzen, Lieder, frohe Kinder und stolze Eltern: Am letzten Donnerstagabend war es wieder so weit. Endlich konnte der ­traditionelle Räbeliechtli-Umzug in Diessenhofen stattfinden. Wie der Schulleiter der Primarschule Urs Steinacher mitteilte, waren rund 170 Kinder des Kindergartens und der Unterstufe am Räbeliechtli-Umzug beteiligt. Die Unterstufenschülerinnen und -schüler gestalteten ihre Räbeliechtli selbst mit Hilfe der Lehrpersonen in der Schule. Treffpunkt für den Umzug war das Primarschulhaus um 18 Uhr.

Die Kinder marschierten in vier Gruppen à etwa drei Klassen auf separaten Wegen zur Hauptstrasse, wo sie dann gemeinsam unter dem Siegelturm Richtung Primarschulhaus weiterliefen. Sie trugen neben ihren Räbelichtli auch unübersehbare Leuchtwesten. Die Hauptstrasse war von zahlreichen Eltern, ­Angehörigen und Freunden gesäumt.

Schliesslich versammelte sich der ganze Tross auf dem Pausenplatz vor dem Primarschulhaus. Dort sangen die Kinder voll Inbrunst ihre Lieder, auf ­Instrumenten begleitet von Mitgliedern der Stadtmusik. Angehörige des Elternrats boten wärmenden Punsch und Tee für Kinder und Besucher an. Die kindliche Freude und das Licht der unzähligen Räbeliechtli standen im Einklang mit dem Halbmond und den leuchtenden Sternen.

Die Tradition der Umzüge reicht in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. So ist von einer zürcherischen ­Gemeinde überliefert, dass die ersten Umzüge etwa um 1860 stattgefunden hätten. Vorher seien die Räbenlichter von einzelnen Personen verwendet worden, um im Dunkeln den Weg in den Abendgottesdienst zu finden. Zu den Umzügen gehören auch die entsprechenden Lieder, wie etwa «Ich geh’ mit meiner ­Laterne». Der Brauch hängt mit dem Ende der Erntezeit zusammen. Die «Räbe» ist zum einen eine der zuletzt geernteten Feldfrüchte und war zum anderen im Mittelalter ein Grundnahrungsmittel. Das Schnitzen der Räbeliechtli geschah früher vor allem zu Hause im Kreise der Familie. Die Räbe wurde ausgehöhlt und mit einem spitzen Messer die Sujets herausgelöst. Diese stellen oft die besungenen Sonne, Mond und Sterne dar. Die Gestaltung der Räben wie auch die Umzüge haben sich in die Schule und den Kindergarten verlagert. Diese stellen auch die Räben zur Verfügung. Schön, dass dieser alte Brauch weiterlebt und Diessenhofen Licht in der dunklen Jahreszeit spendet. Allen Beteiligten ist die Freude an einem Stück wiedergekehrter Normalität anzumerken.

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