Mit Smiljanic «oben mitspielen»

Daniel Koch | 
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Wird auch in der neuen Saison den FCS führen: Boris Smiljanic. Bild: Roger Albrecht

Jetzt ist es offiziell: Der FCS verlängert den Vertrag mit Boris Smiljanic als Cheftrainer. Gestern wurden sowohl die Spieler als auch die Aktionäre über die Neuerung informiert.

«Wir haben uns intensiv ausgetauscht. Boris hat seine Wünsche geäussert, und dann haben wir uns über die neue Saison unterhalten. Es war ein sehr angenehmes und gutes Gespräch», berichtet Clubbesitzer Aniello Fontana. Weil auch der Trainer – er bringt als Spieler die Erfahrung von 462 Spielen in der höchsten Schweizer Liga mit und hat im Laufe seiner langen Karriere viele namhafte Trainer und deren Arbeitsweise kennengelernt – seine Arbeit beim FC Schaffhausen fortführen wollte, waren sich die FCS-Verantwortlichen schnell einig über eine weitere Zusammenarbeit. Am Tisch sassen neben dem Clubbesitzer auch FCS-Geschäftsführer Kommerz, Marco Truckenbrod Fontana, und FCS-Geschäftsführer Sport, Axel Thoma.

«Smiljanic und sein Staff haben sich noch mehr ­hineingekniet und noch härter gearbeitet. Das hat mir gut gefallen.»

Aniello Fontana, FCS-Besitzer

Aniello Fontana freut sich über die Einigung. Vergessen die Aussagen vom März, als er nicht nur den Verkauf des Clubs ankündigte, sondern auch kategorisch ausschloss, Smiljanic weiterzubeschäftigen. «Ich musste meine Meinung korrigieren», sagt der Clubbesitzer. «Smiljanic und sein Staff haben sich danach noch mehr hineingekniet und noch härter gearbeitet. Das hat mir gut gefallen.» Ebenso hat der Clubbesitzer gesehen, dass auf dem Platz die Mannschaft immer mehr zusammenwuchs und sehr gerne mit dem Trainer arbeitete. Auch der Schachzug, mit Axel Thoma einen Experten ins Boot zu holen, hat sich ausgezahlt. Zum einen wurde so sein Schwiegersohn Marco Truckenbrod Fontana entlastet, und zum andern bringt Thoma ein Netzwerk ein, von dem der Club profitieren wird.

Mit Zuversicht in die Zukunft

Man ist sich einig in der Clubführung, dass der Kader so vollständig wie möglich zusammengehalten werden soll. Auch das Budget wird sich mit Abstrichen im Rahmen der abgelaufenen Saison (rund 5,5 Millionen Franken) bewegen. Mit einem erstklassigen Stadion im Rücken wollen die Verantwortlichen in der neuen Saison «oben mitspielen». Dabei, wie Sportchef Axel Thoma im Schaffhauser Fernsehen erklärte, müsse es das Ziel sein, die Super League nicht aus dem Blick zu verlieren. «Allerdings kann man das nicht planen. Wenn sich die Möglichkeit ergibt, müssen wir bereit sein.» Bis zum Trainingsstart am 14. Juni wird Thoma mit den Spielern reden, die bleiben sollen, und auch nach Verstärkungen Ausschau halten. «Eine Vertragsverlängerung mit Smiljanic ist sinnvoll, um Kontinuität in die Entwicklung zu bringen», sagt Clubbesitzer Aniello Fontana, der mit Zuversicht auf die kommende Saison schaut.

FCS-Aktionäre freuen sich über spannende News und eine Dividende

Nachwuchssorgen hat der FC Schaffhausen augenscheinlich keine. Zwar verschlief Leano Wildberger den Grossteil der Aktionärsversammlung im Kinderwagen. Aber dem erst drei Wochen alten Bub sei dies verziehen, für das Ausleben seiner FCS-Leidenschaft hat er noch genügend Zeit.

FCS-Macher Aniello Fontana (Mitte), Marco Truckenbrod Fontana (r.) und Luca Tranquilli - hier als Babysitter von Baby Leano.

Wesentlich aufmerksamer dagegen verfolgten die restlichen Aktionäre die Versammlung. Von den insgesamt 228 Inhabern von FCS-Wertpapieren war rund die Hälfte gekommen – und sie bekamen spannende Neuigkeiten aus erster Hand serviert. Nach einer kurzen Einleitung von Aniello Fontana, Verwaltungsratspräsident der Stadion Schaffhausen AG, konnte Marco Truckenbrod Fontana, der zum Delegierten des Verwaltungsrates gewählt wurde, die weitere Zusammenarbeit mit Trainer Boris Smiljanic verkünden. Und dazu die Vertragsverlängerung von Mittelfeldmotor Luca Tranquilli offenbaren, hat der begehrte 24-Jährige doch ein Arbeitspapier bis zum Sommer 2020 unterschrieben – und widerstand etwaigen Verlockungen anderer Clubs. Wieso? «Ich hatte einfach ein gutes Bauchgefühl», sagt Tranquilli locker. «Ich glaube, hier beim FCS entsteht etwas richtig Gutes. Da will ich weiter dabei sein.»

Bratwurst und Bier

Die weiteren Programmpunkte konnten dann relativ zügig absolviert werden. So stellte Truckenbrod Fontana bei den Finanzen eine ausgeglichene Rechnung vor, wobei die Stadion Schaffhausen AG im Zeitraum 16. März 2016 bis Dezember 2017 Erträge von 3'911'840 Franken erzielte bei Ausgaben von 3'911'181. Heisst: Es resultierte ein Gewinn von 658 Franken. Doch dies nur bei der Stadion Schaffhausen AG, wie Aniello Fontana offen zugibt. Nimmt man die FC Schaffhausen AG hinzu, hat der Club ein strukturelles Defizit von rund einer halben Million eingefahren, welches von Fontana gedeckt wird. Auch deshalb ist der FCS-Besitzer weiterhin auf der Suche nach Partnern oder einem Grossaktionär, welcher den Verein finanziell unterstützt.

«Ich glaube, hier beim FCS entsteht etwas richtig Gutes.»

Luca Tranquilli, FCS-Mittelfeldspieler

Positiv für die anwesenden Aktionäre natürlich, dass sogar eine Dividende ausgeschüttet wurde. Doch bare Münze gibt es nicht für die Wertpapierinhaber. «Wir laden jeden zu ­einem Heimspiel ein. Und dort bekommt jeder einen Gutschein für ein Bier und eine Bratwurst», sagt Fontana Truckenbrod mit einem smarten Lächeln – und erntet dafür grossen Applaus, hatten die Aktionäre insgeheim eh nicht mit einer «echten» Dividende gerechnet, sind die FCS-Aktien bei den meisten Anlegern eh ein Liebhaberobjekt. Ebenso spannend: So verkündete Aniello Fontana, dass im Jahr 2019 zwei (nicht fussballspezifische) Grossanlässe im Lipo-Park geplant sind. «Was das genau ist, darf ich aber noch nicht verraten», hält sich der FCS-Präsident erst mal bedeckt.

Hitzig wurde es dann aber nochmals zum Schluss, als ein Aktionär anregte, dass der FCS noch mal einen Vorstoss wagen sollte, die früher vom Volk abgelehnten zwei Millionen Franken Zuschuss zum Stadion doch noch reinzuholen. «Jetzt ist die Politik an der Reihe, sie haben uns bisher enttäuscht und verärgert. Es wäre an der Zeit, dass die Politiker zu ihrem Wort stehen», echauffiert sich Aniello Fontana über das Nichthalten von Versprechungen. Nach weiteren Diskussionen in Sachen Stadioncatering, welches immer wieder für Ärger sorgt, und mögliche Preisanpassungen bei den Tickets konnte Marco Truckenbrod Fontana die erste Aktionärsversammlung in der Geschichte des FCS unter Applaus beenden und die Gäste zum Abendessen mit Fleischkäse und Kartoffelsalat einladen. Zu diesem Zeitpunkt war dann auch Leano Wildberger wieder erwacht – aber im Alter von gerade einmal drei Wochen muss er sich beim Aktionärsessen noch etwas gedulden, bis er auch dort kraftvoll zubeissen kann.

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