Albanian Festival vor dem Ende: Fünfstelliger Verlust

Autor
Christoph Merki

Nur rund 300 Personen kamen gestern zum Familienfest des ursprünglich zweitägig geplanten Albanian Festivals. Die Organisatoren sprechen von einem fünfstelligen Verlust.

Graziös und mit geschmeidiger Eleganz eröffnete die Gruppe Shoqata Rinia den Familienanlass. Bild: Christoph Merki

Aus den mächtigen Lautsprechern an der Hallendecke der BBC-Arena schallte Popmusik. Noch musste die Musikkonserve für Unterhaltung sorgen. Hinter dem prominent in Szene gesetzten DJ-Pult prangte ein riesiges Tuch mit dem wohlbekannten Doppeladler, angestrahlt mit roten Scheinwerfern. Die Flagge Albaniens. Vereinzelt waren die Tische, welche in der Halle aufgestellt waren, besetzt. ­«Reserviert»-Schilder jedoch waren unübersehbar auf allen noch freien Tischen aufgestellt. Diese Tische blieben jedoch während des ganzen Nachmittags leer, auch wenn die Halle nur zu einem Bruchteil besetzt war. Ein Hauch von Volksfeststimmung hat sich in der BBC-Arena dennoch breitgemacht. Mädchen in bunten Röckchen, verziert mit Blumen oder in ­traditionell albanischen Kleidern, rannten herum. Alle warteten auf den ersten Act am sonntäglichen Familienanlass des ­Albanian Festivals.

Moderation durch Fernsehstar

Nachdem das Festival im Vorfeld aufgrund des geplanten Auftritts der Skandalrapper Farid Bang und Kollegah Schlagzeilen gemacht hatte, wurde deren Auftritt abgesagt. Wegen der kurzen Zeitspanne war es den Organisatoren auch nicht möglich, ein Ersatzprogramm auf die Beine zu stellen.

Am Sonntag aber war von diesen medialen Wogen nichts zu spüren. Im Zen­trum standen die verbindende Kultur und das Land der familiären Wurzeln. Deshalb wurde der Anlass gestern auch sehr traditionsreich eröffnet. Die Gruppe Shoqata ­Rinia aus Singen, gekleidet in den entsprechend der kosovarischen Kultur entspringenden Trachten, verbreitete ein gewisses authentisches Flair.

«Es ist wie ein Stück Heimat in der Schweiz.»

Leonita Limani, Besucherin

Doch nicht nur die graziösen Tänzerinnen mit männlicher Verstärkung brachten ein Stück ferne Heimat nach Schaffhausen. Diverse Künstler, eigens für diesen Tag aus dem Kosovo und Albanien eingeflogen, liessen die Distanz zum Balkan vergessen. Als Moderator führte Altin Maku durch das Programm. Zu Hause in Albanien hat Marku eine eigene Fernsehshow.

Kein Visum für Komiker

Ein erster Höhepunkt war sodann ­Kushtrim Dobra, der die Besucher tatsächlich zum munteren Tanzen locken konnte. Auch seine Musik war traditionell angehaucht. Als kleine amüsante Auflockerung zwischendurch wurde über Lautsprecher sogar eine Telefonverbindung zu Cima, einem kosovarischen Komiker, aufgebaut. Dieser hätte eigentlich persönlich in der BBC-Arena auftreten sollen, konnte jedoch aufgrund eines fehlenden Visums die Reise nicht antreten. Dies hat er den anwesenden Besuchern auch erklärt – natürlich in albanischer Sprache.

Hätte da nicht im Hintergrund der Halle die aufgebaute Bar mit der Werbung für das hiesige Bier gestanden, hätte man sich fast schon im Kosovo wähnen können. «Es ist immer schön, die Kultur zu vereinen», erklärte Arijela Memisi, «in der Schweiz gibt es solche Möglichkeiten nur selten, bei denen man im familiären Rahmen zusammenkommen kann.» Speziell war auch der Auftritt von Sabri Fezullahù. Der 72-jährige Sänger feierte letztes Jahr sein 50-Jahr-Bühnenjubiläum. Den Besuchern schien seine Performance zu gefallen.

Eine rassige Mischung aus traditioneller Musik und modernem Pop brachte anschliessend Leonora Jakupi auf die Bühne. Die kosovo-albanische Popsängerin aus Prishtina brachte die rund 300 Gäste nochmals tüchtig zum Feiern. Besonders beliebt bei den Jungen war Meda.

Vornehmlich bekannt durch seine Liebeslieder stand der Sänger sogar während seiner Performance für Selfies zur Verfügung, während die etwas älteren Besucher vor der Bühne, traditionell an der Hand haltend, im Kreis tanzten. «Es ist wie ein Stück Heimat in der Schweiz», meinte ­Leonita Limani strahlend.

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