Wie oft gab es früher weisse Weihnachten?

Ralph Denzel | 
Lesenswert
Noch keine Kommentare
Solche Bilder an Weihnachten? Bei uns eine absolute Seltenheit. Bild: Pixabay

Heuer ist der Traum von einer weissen Weihnacht ausgeträumt. Statistisch gesehen ist das keine Ausnahme. Ein Überblick.

Während man unter dem Christbaum sitzt und zusammen mit den Liebsten Weihnachtslieder singt, Geschenke verteilt, rieselt draussen leise die weisse Pracht vom Himmel und taucht die Landschaft in ein Winterkleid. Das ist zumindest die Idealvorstellung für viele Menschen, wenn sie an Weihnachten denken.

Die Realität sieht meist anders aus: Statt weisser Flocken gibt es Regen, anstelle zugefrorener Seen Matschpfützen allerorts. Weisse Weihnachten ist eher eine Ausnahme geworden – oder können Sie sich spontan daran erinnern, wann es das letzte Mal winterlich weiss war um die Weihnachtstage?

Wir haben uns durch die Wetterdaten der letzten 60 Jahre gewühlt – und mussten feststellen, dass vor allem in der Region weisse Weihnachten eine Seltenheit sind.

Nur selten wirklich Schnee an Weihnachten

Die Daten, die wir analysiert haben, stammen allesamt von der Wetterstation in Hallau. Diese zeichnet seit dem Jahr 1963 die Daten auf, die dann an Meteo Schweiz übermittelt werden. Ein Blick in diese Statistiken zeigt: Schon in den 1960er-Jahren gab es eher selten wirklich weisse Weihnachten. Über die Jahrzehnte gab es das sogar nur sehr sporadisch, und in den letzten zehn Jahren schneite es über die Festtage fast gar nie.

Sonst konnte man, zumindest bis 2010, mit jeweils knapp neun Schneetagen über die Feiertage rechnen – verteilt auf zehn Jahre.

Doch wie müssen die Bedingungen eigentlich sein, damit Schnee vom Himmel rieselt? Damit es Schnee gibt, braucht es grundsätzlich drei Voraussetzungen: ausreichende Luftfeuchtigkeit, eine Temperatur unter 0 Grad und sogenannte Gefrierkerne. An Letzteren lagert sich Wasserdampf ab und es bilden sich Wassertröpfchen. Diese Wassertröpfchen haben eine Temperatur von unter 0 Grad Celsius.

Perfekte Zustände über vierzig Jahre her

Dadurch gefrieren die Tröpfchen zu Eiskristallen. Dieser Prozess läuft immer weiter und letztlich entsteht eine Schneeflocke aus mehreren Millionen Eiskristallen. Erst wenn die Schneeflocke schwer genug ist, fällt sie aus der Wolke.

Sie sehen, es muss viel zusammenkommen, damit es wirklich schneien kann – und ob der Schnee dann noch liegenbleibt, ist die nächste Frage ...

Die «perfekten» Zustände hatten wir etwa am 24. Dezember 1981. Da wurden zum Beispiel sagenhafte 27 Zentimeter Neuschnee an Heiligabend gemessen. Über die Feiertage schmolz der Schnee nur geringfügig. Mehr Schnee wurde an dieser Station nicht mehr gemessen.

Solche Ausreisser nach oben waren aber die absolute Ausnahme. Meistens lagen die Schneemengen eher im tiefen, einstelligen Bereich, wie Sie in der nächsten Grafik sehen können.

Damit ist die Region im «Durchschnitt» der Schweiz. Laut Meteonews sind ungefähr 60 Prozent der Weihnachten in der Schweiz «grün», also es fällt gar kein Schnee. Besonders bitter ist es im Süden: Dort sind es sogar 80 Prozent.

Wer definitiv «weisse Weihnachten» will, muss dann schon in die Berge, etwa nach Davos: Seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1931 gab es dort gerade mal einen einzigen Tag, an dem es keinen Schnee gab.

Auch, weil die Durchschnittstemperaturen aufgrund des Klimawandels weiter steigen, dürfte die Chance auf «weisse Weihnachten» weiter schwinden. Das zeigte sich auch bereits in den letzten Jahren.

Ist dieser Artikel lesenswert?

Ja
Nein

Kommentare (0)

Neuen Kommentar schreiben

Diese Funktion steht nur Abonnenten und registrierten Benutzern zur Verfügung.

Registrieren