«Elektroautos sind nicht die Lösung»

Autor
Clarissa Rohrbach

Der Bund will die Elektro­mobilität fördern. Doch Ver­kehrspolitiker Thomas Hurter stellt nun die Ökobilanz der Elektroautos infrage. Er glaubt, dass stattdessen neue Energieformen entwickelt werden müssen.

Der Bund rechnet bis 2050 damit, dass fast die Hälfte der Autos mit Strom betrieben sind. Bild: Key

Kürzlich hat Thomas Hurter (SVP/SH) eine Interpellation zur Förderung der Elektromobilität eingereicht. Während der Bund sich klar für Elek­troautos einsetzt, sieht der Präsident des Automobil Clubs der Schweiz ­darin hauptsächlich Schwächen.

Der Bund setzt sich stark für Elektromobilität ein, um die Abhängigkeit vom Erdöl zu verringern. Laut Bundesamt für Energie macht im Jahr 2050 der Anteil an Elektroautos 40 Prozent der Personenwagen aus. Glauben Sie an diese Prognose?

Thomas Hurter: Schaut man, wie sich der Bedarf nach Elektroautos in den letzten Jahren entwickelt hat, ist diese Prognose unrealistisch. Die Tendenz ist zwar steigend, aber die Anzahl an Elektroautos ist immer noch schwindend klein. Es ist falsch, zu denken, Elektromobilität sei die einzig richtige Mobilität für die Zukunft. Ich bin davon überzeugt, dass es eine Mischung aus verschiedenen Technologien geben wird: Benzin- und Dieselautos, E- Fahrzeuge, aber auch neue Antriebs- und Energieformen wie Brennstoffzellen und synthetisch hergestellte Gase.

Von 4,5 Millionen Autos sind in der Schweiz nur 10 724 Elektroautos immatrikuliert. Wieso sind es so wenige?

Elektroautos haben sich noch zu wenig bewährt, weil sie offensichtliche Schwächen aufweisen. Einerseits ist die Reichweite zu klein. Man spricht von bis zu 500 Kilometern, aber bei schneller Geschwindigkeit über längere Zeit sind es rasch nur noch 150. Ausserdem verliert man zu viel Zeit, um die Elektroautos zu laden. Man kann nicht einfach schnell tanken.

Diesel- und Biogasfahrzeuge haben eine bessere Energiebilanz als ­Elektroautos. Sind diese weniger ­ökologisch, als man denkt?

Viele denken, Strom betriebene Autos belasten die Umwelt nicht. Das ist ein Trugschluss. Zur Herstellung der Batterie eines Elektroautos entsteht eine Klimabelastung von 15  bis 20 Tonnen Kohlendioxid. Ein sparsamer Kleinwagen mit Benzin- oder Dieselmotor müsste bis zu 200 000 Kilometer fahren, um so viel Klimagas in die Luft zu blasen. Wenige wissen, dass für die Batterien Kobalt verwendet wird, des zur Hälfte aus dem Kongo stammt, wo gemäss verschiedenen Quellen auch Kinderarbeit im Spiel ist. Doch die wichtigste Frage ist: Mit welchem Strom fährt das Auto? Je nach Strommix handelt es sich um mehr oder weniger saubere Energie. In der Schweiz kommen rund 33 Prozent des Stroms immer noch aus Atomkraftwerken. Nicht zu reden von den Kohlekraftwerken in Deutschland, wo die Schweiz auch Strom bezieht. Wenn man also die gesamte Umweltbelastung der Elektroautos berechnet, stellt sich heraus, dass diese nicht immer die beste Lösung sind.

Vielerorts können die Bürger die Art von Strom selber auswählen. Also könnte man doch dafür sorgen, dass das Elektroauto mit Ökostrom fährt.

Jeder ist für die Energiebilanz seines Autos selber verantwortlich. Wenn viele Schweizer Ökostrom beziehen, ist das auch ein Signal an die Kraftwerke. Doch die Energiestrategie 2050 kann nicht nur mit erneuerbaren Energien erreicht werden. Es braucht dringend auch neue Energieformen. Ich bin davon überzeugt, dass wir die finden werden. Mit Sicherheit wird uns die Energiestrategie 2050 noch einiges kosten, viel mehr als der Bundesrat in der Abstimmung erwähnt hatte.

Norwegen unterstützt den Kauf von Elektroautos staatlich. Auch hier fordern einige die Subvention von elektrischen Autos. Finden Sie das richtig?

Ich halte wenig von staatlicher Förderung. Damit würde der Bund vorgeben, dass Elektromobilität der einzig richtige Weg ist und die Entwicklung anderer Technologien benachteiligen. Man muss es der Forschung und der Wirtschaft überlassen, neue Energieformen zu finden. Der Bund soll sich für gute Rahmenbedingungen einsetzen. Ausserdem werden Elektroautos in einem gewissen Sinne schon gefördert. Denn sie benutzen die Strassen, zahlen aber nichts dafür. Ganz im Gegensatz zum Benzin oder Diesel, wo wir Steuern für den Bund und die Strasse bezahlen.

Der Bund will sich für öffentliche ­Ladestationen engagieren. Würde dies den Kauf von Elektroautos fördern?

Hurter: Nein. Die Schnellladestationen auf Rastplätzen werden sich nicht durchsetzen. Dort gibt es keine Restaurants, und wer will schon stundenlang warten, ohne die Gelegenheit zu habe, einzukehren. Die meisten würden ohne­hin ihr Auto zu Hause aufladen. Allenfalls müsste es Ladestationen bei den Raststätten geben. Aber dafür sind die Kantone und Private zuständig.

Hand aufs Herz: Würden Sie sich ein Elektroauto kaufen?

Nein, heute noch nicht. Vom ökologischen Standpunkt überzeugen sie mich zu wenig. Dazu kommt die zu geringe Reichweite und die viel zu lange Ladezeit.

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